Die Fifa sorgt mit Plänen für einen Milliarden-Deal für die Rechte an ihren Fußballturnieren für neuen Wirbel. Der Weltverband will einen Teil der kommerziellen Rechte an seinen Turnieren an Investoren verkaufen und damit mehr als 4 Milliarden Dollar erlösen, wie er mitteilte. Auch künftige WM-Turniere sollen dann unter dem Dach eines neuen Unternehmens organisiert werden, dessen Mehrheits-Eigentümer der Weltverband wäre. Der Guardian hatte zuletzt berichtet, dass die Fifa durch das Turnier in den USA, Mexiko und Kanada rund 13,1 Milliarden Euro eingenommen haben soll.

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Die Europäische Fußball-Union reagierte mit scharfer Kritik auf erste Medienberichte über das Vorhaben, das wenig später von der Fifa bestätigt wurde. „Damit wird eine Grenze überschritten, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften“, teilte der Dachverband mit. Die Uefa nehme die Sache sehr ernst. „Die Seele und die Führung des Fußballs sind keine Handelsware – erst recht nicht bei völliger Intransparenz darüber, wer finanziell davon profitiert. Niemand von uns ist Eigentümer des Fußballs. Er steht der Fifa nicht zum Verkauf“, hieß es in dem Statement der Europäer weiter.
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Watzke spricht von absoluten Angriff auf den Fußball
Am Mittwoch untermauerte DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke die Kritik. „Viele im europäischen Fußball sehen die Pläne der Fifa als absoluten Angriff auf den Fußball an. Diese Haltung teile ich“, sagte der Vizepräsident des Uefa-Exekutivkomitees im Gespräch mit dem Kicker: „Hier wird eine Grenze überschritten.“
Die Einigkeit unter den Mitgliedsverbänden der Europäischen Fußball-Union (Uefa) in dieser Sichtweise sei groß, betonte Watzke, „das haben mir mehrere Gespräche gezeigt, die ich in den vergangenen Tagen mit Aleksander Ceferin (Anm. d. Red.: UEFA-Präsident) und anderen Kollegen geführt habe.“ Weiter führte der Funktionär aus: „Bei der WM standen sechs europäische Teams im Viertelfinale und drei im Halbfinale. Wenn sich der europäische Fußball geschlossen gegen die Pläne wehrt, hat das sehr viel Gewicht.“
Die UEFA hatte bereits zuvor in einem Statement davon gesprochen, dass eine „Grenze überschritten“ werde: „Die UEFA nimmt diese Angelegenheit äußerst ernst. Das sollten auch alle nationalen Fußballverbände tun“, teilte der Verband mit. „Die Seele und die Führung des Fußballs sind keine Vermögenswerte, mit denen gehandelt werden darf – insbesondere dann nicht, wenn völlig intransparent ist, wer finanziell davon profitiert. Keiner von uns besitzt den Fußball. Es ist nicht an der FIFA, ihn zu verkaufen.“
Fifa verkauft WM: Kleine Verbände erhalten ebenfalls Anteile
Nach Angaben der Fifa sollen private Geldgeber rund 20 Prozent der Anteile an dem neu zu gründenden Tochterunternehmen FFE erwerben können, dessen Wert zunächst auf insgesamt 20 Milliarden Dollar festgelegt ist. Im FFE werden die kommerziellen Rechte an den Fifa-Wettbewerben wie der Männer- und Frauen-WM sowie der Klub-WM gebündelt. Einem Bericht der Times zufolge könnte ein solcher Deal den Druck erhöhen, das Teilnehmerfeld einer WM weiter auszubauen oder die WM häufiger als bisher auszutragen.

Die Fifa würde Mehrheitsgesellschafter des Unternehmens bleiben und hätte nach eigenen Angaben weiter die Kontrolle über den Spielkalender und alle Fragen des Regelwerks. Alle 211 Fifa-Mitgliedsverbände sollen ebenfalls kleinere Anteile an dem Unternehmen erhalten, die entweder behalten oder verkauft werden könnten. Ein willkommenes Machtinstrument, denn der Italo-Schweizer will sich im kommenden Jahr bis 2031 im Amt bestätigen lassen. Innerhalb der kommenden vier Jahre will der Weltverband auch mit Hilfe der zusätzlichen Einnahmen 10 Milliarden Dollar in die weltweite Entwicklung des Fußballs investieren, wie es in der Mitteilung hieß.
US-Präsident Trump: Vertraute als Mittelsmänner für die Fifa?
Zu den Plänen seien auch Personen aus dem Umfeld der US-Regierung von Donald Trump einbezogen worden, hieß es in dem Times-Artikel unter Berufung auf mehrere mit dem möglichen Deal vertraute Quellen. Die Investitionspläne würden bereits seit mehreren Monaten vorbereitet und müssten noch genehmigt werden, hieß es in der Financial Times. Nach Angaben der Zeitung führe Technologieinvestor Joshua Kushner, dessen Bruder Jared mit Trumps Tochter Ivanka verheiratet ist, Gespräche darüber, den Einstieg über seinen Fonds Thrive Eternal anzuführen.
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Ein Fifa-Sprecher bestätigte, dass erwartet wird, dass Thrive die Führung der geplanten Investorengruppe übernehmen werde. Die FIFA arbeitet nach Angaben des Sprechers bei ihren Plänen mit der Investmentbank JPMorgan zusammen.
Infantino maximal bis 2031 Fifa-Präsident - und danach in neuer Rolle?
Ein solcher Deal könnte auch Auswirkungen auf Infantinos Aufgaben bei der Fifa haben: Sollte das Modell umgesetzt werden, könnte der 56-Jährige nach dem Ende seiner bis 2031 erwarteten letzten Amtszeit als Präsident das neue Unternehmen als Commissioner oder Geschäftsführer leiten. Es sei aber noch nie darüber gesprochen worden, ob Infantino nach Ablauf seiner letzten Amtszeit ein solches Amt übernehme, sagte ein Fifa-Sprecher.
Der Präsident und die Verwaltung des Weltverbandes müssten jedoch – sofern es genehmigt wird – führende Rollen in dieser Einrichtung einnehmen, um gemäß den Statuten des Weltverbandes die Kontrolle über jede Tochtergesellschaft zu behalten. Ähnliche Pläne hatte Infantino schon im Jahr 2018 verfolgt, als er für die Klub-WM und eine weltweite Nations League einen Milliarden-Deal unter Beteiligung saudi-arabischer Investoren anstrebte. Dieses Geschäft erhielt innerhalb der Fifa aber keine ausreichende Unterstützung und kam daher nicht zustande. dpa






