Sportlich gab es viele gute Geschichten zu erzählen rund um diese Weltmeisterschaft. Da waren stark aufspielende Außenseiter wie Kap Verde. Da waren reichlich Stars, die auf den Punkt da waren beim Saisonhöhepunkt, und nur einige wenige, denen das nicht gelang – schöne Grüße an Cristiano Ronaldo. Da waren natürlich langweilige Spiele, da waren aber auch viele rasante Matches.

Donnerstag
Eiszeit – der Eisbären-Newsletter
Jeden Donnerstag alles Wichtige von den Eisbären Berlin – Highlights, News und spannende Einblicke.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Neben dem Platz aber sollte dieses Turnier auch den allernaivsten Fußballfans die letzte Illusion geraubt haben. Wer noch meinte, dass die Fifa mit ihrem Präsidenten Gianni Infantino an der Spitze einzig das Wohl des Fußballs im Sinne hat, der musste auch vorher schon mit sehr fest geschlossenen Augen und zugehaltenen Ohren durch die Welt laufen. Bei diesem Turnier aber ließ sich gar nicht übersehen, dass der Fußball Infantino und seinem Gefolge ziemlich schnuppe ist. Dass er nur ein Mittel zum Zweck ist, ein Geschäft, das man entweder an den Meistbietenden verhökert – oder dazu nutzt, sich bei den Mächtigen der Welt anzubiedern.
Auch interessant
Schon vor dem Turnier war es unerträglich, wie sich Infantino US-Präsident Trump zu Füßen warf, obwohl die Statuten doch Neutralität von ihm erwarten. Dass dann auf Intervention Trumps die Sperre des US-Stürmers Folarin Balogun ausgesetzt wurde, ohne Begründung und ohne Präzedenz, war dann ein gewaltiger Tabubruch. Hinzu kamen Wucher-Ticketpreise, Trinkpausen als Vehikel für noch mehr Werbung und Gedankenspiele um die nächste Aufblähung auf 64 Teilnehmerländer. Wer soll so ein Turnier künftig ausrichten, will man es gleich an ganze Kontinente vergeben?
Nächste WM auf drei Kontinenten
Die traurige Realität: Die Fifa ist da ja schon weiter, die nächste WM findet gleich auf drei(!) Kontinenten statt. Es war ein Teil von Infantinos Tricksereien, um Saudi-Arabien die WM 2034 zuschanzen zu können. So wird der US-Gigantismus nochmal getoppt, noch mehr Reisekilometer, noch höhere Kosten für Fans, noch weniger Nachhaltigkeit, noch mehr Kopfzerbrechen über Zeitverschiebung und andere logistische Albträume. Und 2034 heißt es dann: Willkommen beim nächsten Autokraten. Moral? Egal.
Auch interessant
Der Widerstand gegen Infantino bleibt bislang überschaubar. Der DFB hat einen Unterstützerbrief für die Wiederwahl im kommenden Jahr zwar verweigert, über 200 der 2011 Mitgliedsverbände aber sollen Unterstützung signalisiert haben. Außerdem würde der DFB gerne die WM 2038 oder 2042 ausrichten, allzu viel Opposition gegen den Alleinherrscher Gianni ist da kontraproduktiv. Weniger Gigantismus wird es also auch künftig ganz sicher nicht geben.







