Als er in der Interviewzone des Stadions von Vancouver mit der deutschen Torhüter-Legende Oliver Kahn verglichen wurde, grinste Gregor Kobel verlegen. „Ich bin früh in Deutschland gewesen, deshalb bin ich geprägt von der Schule“, sagte Kobel nach dem 4:3-Elfmeterkrimi gegen Kolumbien. Der Torwart von Borussia Dortmund hatte die Schweiz ins erste WM-Viertelfinale seit 1954 geführt. Man könne gar nicht „hoch genug einschätzen, was das für ein Riesenerfolg ist. Für uns, für dieses Team, für die Schweiz, für so ein kleines Land, in der Top Acht der Welt zu stehen. In dem größten Sport überhaupt. Das ist unfassbar. Ich bin unglaublich froh für jeden Einzelnen, dass wir so einen Moment miterleben dürfen.“

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Nach jahrelangem Warten als Nummer zwei hinter dem früheren Gladbacher Torhüter Yann Sommer schaffte der 28-Jährige direkt etwas, das seinem Vorgänger verwehrt geblieben war: der Einzug in die Runde der letzten Acht bei einer WM. „Greg hat sich von Spiel zu Spiel reingesteigert. Er hat zwei, drei Big Saves gehabt. Das haben wir gewusst, dass er beim Elfmeter ein sehr, sehr guter Torhüter ist“, lobte der Schweizer Nationaltrainer Murat Yakin. Der 51-Jährige fügte an: „Wir haben uns das Ziel vorgenommen. Jedes kleine Puzzlestück hat zusammengepasst.“ Und das wichtigste Teil an diesem hauptsächlich von der Spannung geprägten Duell war Kobel selbst.

Schon in den 120 intensiven Minuten ohne besonders attraktiven Fußball hatte der BVB-Torhüter seine Vorderleute immer wieder mit herausragenden Paraden gerettet. Beim Nervenkrimi vom Punkt parierte Kobel gegen den eingewechselten Cucho Hernandez, was bei ihm selbst und seinen Teamkollegen zu einer Gefühlsexplosion führte.
Ex-BVB-Profi Akanji verschießt erneut
Wohl besonders dankbar für Kobels Glanztat gegen Hernandez war Mitspieler Manuel Akanji. Der frühere Dortmunder Abwehrspieler vergab nach der Europameisterschaft 2021 und 24 bereits zum dritten Mal bei einem Elfmeterschießen für die Schweiz. „Mein Elfmeter war katastrophal, ich habe im letzten Moment die Entscheidung gewechselt“, sagte Akanji, der weit über das Tor geschossen hatte. Er habe schon diesmal anderen den Vortritt überlassen wollen, stellte nun aber mit einem Grinsen klar: „Das war mein letzter Elfmeter.“

Anders als 2021 (Niederlage gegen Spanien) und 2024 (Niederlage gegen England) ging die Sache für die Schweiz diesmal gut aus. Dank Kobel und dank der vier weiteren Schützen um Ruban Vargas, der den entscheidenden Elfmeter zum 4:3 verwandelte. Auch Yakin zeigte sich überglücklich: „„Wir stehen hier mit einem historischen Moment.“ Im Viertelfinale (Sonntag, 3 Uhr/MagentaTV) wartet nun kein Geringerer als Lionel Messi mit Weltmeister Argentinien. nb/sid




