Am Montagabend werden rund 20 Millionen Menschen in Deutschland auf Lili Engels blicken. Die ZDF-Reporterin steht dann im Boston Stadium in Foxborough am Spielfeldrand an der Seite von Julian Nagelsmann. Engels wird den Bundestrainer vor dem WM-Sechzehntelfinale gegen Paraguay (22.30 Uhr/deutsche Ortszeit) nach der Aufstellung des DFB-Teams befragen, nach dem Matchplan oder der Formschwäche von Jamal Musiala und Florian Wirtz. Vor allem aber wird sie Nagelsmann auch nach dem Spiel interviewen. Wie auch immer die Partie ausgehen wird: Es dürfte emotional werden. Für Nagelsmann. Aber auch für Engels.

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„Es war ein Traum, bei der WM dabei zu sein. Ich versuche diesen Traum zu genießen“, sagt die Hamburgerin im Gespräch mit dem Abendblatt. Engels, die erstmals bei einer Weltmeisterschaft als Reporterin dabei ist, sitzt im Medienzentrum auf dem Campus der Wake Forest University in Winston-Salem und wartet auf die Abfahrt zum Flughafen. Gut geplantes Kofferpacken gehört zu den wichtigsten Qualitäten der Medienvertreter bei dieser WM. Ihre wichtigste Aufgabe aber ist die gründliche Vorbereitung auf die zwei großen TV-Momente.

Lili Engels lobt Julian Nagelsmann

Engels genießt bei der WM das Privileg, den Bundestrainer live in den beiden wichtigsten Situationen rund um das Spiel sprechen zu dürfen. Sie hat den 38-Jährigen bereits während der WM-Qualifikation begleitet und schätzt die Gespräche mit dem Bundestrainer. „Julian Nagelsmann ist sehr professionell. Man hat selten Ausreißer nach oben oder unten bei ihm. Er wirkt sehr locker und gelöst in den Interviews, aber ist trotzdem sehr fokussiert und auf das Wesentliche bedacht“, sagt Engels.  

Lili Engels (ZDF), Bundestrainer Julian Nagelsmann
Lili Engels interviewte Bundestrainer Julian Nagelsmann in New York. © ZDF | ZDF

Die in München lebende Hamburgerin ist so etwas wie der Shootingstar der deutschen Fernsehreporter. Mit 29 Jahren ist Engels im deutschen WM-Lager die jüngste TV-Reporterin im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Für die Journalistin aus dem Norden ist die WM der vorläufige Höhepunkt einer noch jungen TV-Karriere, die vor vielen Jahren am Frühstückstisch der Familie Engels in den Elbvororten begann. Dort gab es bei Müsli und Spiegelei immer nur ein Thema: Fußball. Was gibt es Neues? Wer wechselt wohin? Wann ist das nächste Topspiel?

„Lili Engels entstammt einer fußballbegeisterten Familie“, steht in ihrem Wikipedia-Eintrag. Ein Satz, der in der Familie für Unterhaltung gesorgt hat. „Meine Mama hat gelacht, weil sie damit gar nichts zu tun hatte“, erzählt Engels und muss ebenfalls grinsen. Denn auch ihre Mutter konnte sich dem Fußball-Alltag nicht entziehen. Die kleine Lili spielte selbst jahrelang beim SC Nienstedten Fußball und schaffte es bis in die Hamburger Auswahl. Ihre Position: die Sechs. Ihre Aufgabe: der Spielaufbau. „Ich habe mein Leben lang rauf und runter Fußball geguckt mit meinem Vater und meinem Bruder, dadurch habe ich viel adaptiert und konnte das Spiel verstehen. Im Zweikampf war noch Luft nach oben“, sagte sie rückblickend.

Lilie Engels spielte in der Hamburger Auswahl

Dass sie ihr Talent auf dem Platz nicht dauerhaft ausschöpfte, lag vor allem daran, dass die Fahrten zum Hamburger Fußballverband nach Jenfeld weder ihr, noch ihrer Familie Spaß machten. Der jungen Lili waren ihre Freunde und die Mannschaft in Nienstedten wichtiger. Am Gymnasium spielte sie gleichzeitig für die Schulmannschaft im Fußball und im Hockey.

Auch auf ihrem beruflichen Weg war es eigentlich nicht der Plan, ihre Leidenschaft für den Fußball mit ihrem Job zu verbinden. Und das obwohl ihre Eltern beide als Redakteure gearbeitet haben. „Es war nie mein Ziel, in den Journalismus zu gehen. Ich habe immer gedacht, mein größtes Hobby dabei zu belassen und es nicht zum Beruf zu machen. Jetzt bin ich total froh und dankbar, dass ich es gemacht und diesen Weg eingeschlagen habe“, sagt Engels.

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Dieser Weg bis zum Millionenpublikum der WM führte sie über das Gymnasium Hochrad in Othmarschen (Schwerpunkt Sport und Englisch) über die Christian-Albrechts-Universität in Kiel (Fächer Sportwissenschaft und Philosophie) zu einem Praktikum beim Sport-Informations-Dienst (SID) nach Köln. Auf dem Weg zum Uni-Abschluss musste sie ihre größte Hürde überwinden. Die Turnprüfung. Und das auch unter den Maßnahmen der Corona-Pandemie. „Turnen war mein größter Stolperstein“, sagt Engels und lacht. Sie bestand auch diese Prüfung.

Lili Engels arbeitet seit einem Jahr für das ZDF-Sportstudio.
Lili Engels arbeitet seit einem Jahr für das ZDF-Sportstudio. © Imago | nordphoto GmbH / Memmler

Doch selbst nach dem Studium war ihr Weg nicht klar. Über eine Praktikumsausschreibung landete sie schließlich bei Sport1 in München. Ihr damaliger Betreuer Sascha Haas sorgte dafür, dass sie erste Erfahrungen vor der Kamera machte. Für Haas stand schnell fest: Dort gehört sie hin. Sport1 bot ihr ein Volontariat an. „Sascha Haas ist wie ein Mentor für mich. Er ist derjenige, mit dem ich noch im Austausch bin und der meinen Weg verfolgt“, sagt Engels, die von da an schnell Karriere machen sollte.

Lili Engels wollte gar nicht in den Journalismus

Über die Moderation der Frauen-Bundesliga ging es 2025 zur Redaktion des ZDF-Sportstudios. Für den Sender begleitet sie nun bei der WM als Reporterin die deutsche Mannschaft zusammen mit Nils Kaben und Florian Zschiedrich. Mehrmals täglich schalten sie nach Deutschland. „Man ist durchgehend unter Strom, Freizeit gibt es wenig bis gar nicht. Man muss immer auf Spannung sein. Aber die Momente im Stadion sind ein Riesenprivileg. Es wird hoffentlich niemals das Besondere verlieren“, sagt Engels, die genau das befürchtet hatte, als sie sich für den Sportjournalismus entschied.

Nun zählt Engels zu den bekanntesten Gesichtern des deutschen Sportfernsehens. Und das spürt sie auch. „Natürlich habe ich eine andere Aufmerksamkeit. Aber es ist nicht so, dass ich auf der Straße überall erkannt werde und das ist auch gut so“, sagt Engels, die mit ihrer inhaltlichen Arbeit überzeugen will. „Ich versuche meine Protagonisten in den Fokus zu rücken und nicht mich selbst. Ich halte mein Privatleben komplett raus und werde das auch weiterhin so machen.“

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Wie lange sie noch bei der WM dabei ist, hängt auch an Nagelsmann. Fliegt Deutschland raus, ist auch ihre WM-Reise beendet. Bis dahin will Engels jeden Moment genießen. Vor allem am Montagabend vor 65.000 Fans in Boston. „Dass ich den Bundestrainer live vor den Spielen interviewen darf, ist eine Riesenehre, aber auch ein positiver Druck. Es mach total Spaß“, sagt Engels. Davon können sich am Montag auch 20 Millionen TV-Zuschauer in Deutschland überzeugen.