Der Prozess, den Trainer Mikel Arteta zu Beginn seiner Amtszeit beim FC Arsenal ausgerufen hatte, ist abgeschlossen – nach sechseinhalb Jahren. Darüber dürften sich nicht nur die mit den Gunners verbundenen Personen freuen, sondern auch die Anwohner des Klubs im Norden Londons. Auf dem Trainingsgelände war nämlich im April plötzlich ein Feuer zu sehen. Es sei „Rauch in der Luft“ gewesen, berichtete Dan Gosling, Trainer des benachbarten Zweitligisten Watford. Zwischenzeitlich habe er deswegen seine Stimme verloren. Erst später wurde Gosling klar, dass sein Kollege Arteta im Rahmen einer Teambesprechung symbolisch ein kontrolliertes Feuer entfacht hatte. Nach zwei Niederlagen in Serie im Titelrennen der Premier League hatte er von seinen Spielern gefordert, auf dem Platz wieder mit „Feuer“ zu agieren.

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Tatsächlich sprang der Funke über: Der FC Arsenal ist neuer englischer Meister. Dafür reichte den Gunners am Dienstagabend ein Ausrutscher des Titelkonkurrenten Manchester City. Der Tabellenzweite kam beim AFC Bournemouth, das sich noch für die Champions League qualifizieren könnte, nicht über ein 1:1 hinaus. Damit liegt Arsenal nach dem Heimsieg gegen Burnley (1:0/Kai Havertz) am vergangenen Montag vor dem letzten Spieltag uneinholbar vier Punkte vor City. Das Team tritt die Nachfolge von Arsène Wengers „Invincibles“ an, die vor 22 Jahren den Titel ohne eine einzige Saisonniederlage holten – derart lange liegt der letzte Triumph zurück. Dazwischen verbrachten die Gunners mehr als 1000 Tage an der Tabellenspitze. Insgesamt ist es die 14. Meisterschaft für den Verein; nur Manchester United und der FC Liverpool haben mehr.

Zu den Gratulanten zählten neben prominenten Klubfiguren wie Wenger auch der britische Premier Keir Starmer. „Endlich sind wir wieder dort, wo wir hingehören!“, schrieb der bekennende Arsenal-Fan. Um die Hegemonie von Manchester City und Liverpool zu brechen, die die letzten acht Meisterschaften auf der Insel unter sich aufgeteilt hatten, predigte Arteta, 44, immer wieder denselben Satz: „Trust the process“ – vertraut der Entwicklung. Vor seinem Beginn bei Arsenal im Dezember 2019 hatte Arteta jahrelang als Assistent von Pep Guardiola bei Manchester City gearbeitet. Bei diesem langen, mühsamen Prozess ging der Baske strategisch vor. Er versuchte, neue Wege zu finden, um an beide Klubs heranzukommen. Das gelang ihm, indem er zwei Schwerpunkte definierte: defensives Verhalten und offensive Standards.
Arsenals Defensive brilliert, die Konkurrenz kritisiert
In dieser Saison ist die Abwehr Arsenals ein kaum zu überwindender Verbund. Keine Mannschaft auf internationalem Spitzenniveau kassierte weniger Gegentreffer als Arsenal, lediglich 41 in 61 Pflichtspielen. Genauso beachtlich sind die Statistiken bei Standards: Arsenal erzielte 28 seiner 69 Ligatore nach ruhenden Bällen, davon 18 nach Ecken – ein neuer Bestwert. Das Tor zur Meisterschaft fiel folgerichtig auch nach einer Ecke. Dafür verantwortlich ist der deutsch-französische Standardcoach Nicolas Jover, den Arteta zunächst zu Manchester City und später zu Arsenal holte.

Die Gunners sind für jedes Team unangenehm zu bespielen. Die Konkurrenz übte sich derweil in Stilkritik. „Das ist kein Fußball“, wütete Fabian Hürzeler, der deutsche Coach von Brighton & Hove Albion, nach einer Niederlage gegen Arsenal. Als Arteta kürzlich selbst nach einem zerfahrenen und nervösen 1:0 seines Teams gefragt wurde, ob er weitere emotional belastende Auftritte dieser Art verkraften könne, erwiderte er: „Ja, wir nehmen auch 50!“ Der Weg zur ersten Meisterschaft seit einer halben Ewigkeit sei eben nicht mit Rosen gepflastert, erklärte er.
Arsenal-Trainer Arteta ließ einen KI-Song kreieren
Trotz aller Widerstände hat sich Arteta nie von seinem sogenannten Prozess abbringen lassen. Um seine Spieler und den gesamten Klub immer wieder von sich zu überzeugen, griff er teils zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Vor dieser Saison überraschte er mit einem von Künstlicher Intelligenz generierten Ohrwurm, der ausschließlich aus den Namen seiner Spieler besteht. Der Song erreichte Kultstatus – ähnlich wie die neue Klubhymne „North London Forever“. Zudem ließ Arteta bereits Olivenbäume auf dem Trainingscampus pflanzen, schaffte die Labradorhündin „Win“ an und machte zuletzt Feuer, siehe oben.
Sollte Arteta die Meisterschaft nun sogar noch mit dem ersten Champions-League-Titel der Klubhistorie gegen Paris Saint-Germain in Budapest krönen, gelänge ihm ein historisches Werk. Der FC Arsenal will deshalb seinen bis Juni 2027 laufenden Vertrag langfristig verlängern. Statt „Trust the process“ könnte es bald lauten: „Trust Mikel Arteta“.




