Rory McIlroy hatte sich Gedanken gemacht, na klar. Wer das Masters der Golfer in Augusta gewinnt, darf im darauffolgenden Jahr vor Turnierbeginn das Champions Dinner ausrichten – und entscheiden, was serviert wird. Jahr um Jahr war McIlroy seit 2009 die Magnolia Lane hoch bis zum Klubhaus gefahren; immer wieder hatte er sich dabei ausgemalt, was er auf die Speisekarte schreiben würde. Diesmal, im 18. Jahr seiner Teilnahme, war es endlich so weit.

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Am Dienstag zog McIlroy erneut das grüne Jackett an, in das ihm Jon Rahm, der Sieger von 2024, erstmals geholfen hatte, und ließ auftragen: Gelbflossen-Thunfisch-Carpaccio mit Foie gras. Als Hauptgang gab es Filet Mignon vom Wagyu-Rind oder gebratenen Lachs. Immerhin als Beilage serviert wurde Irish Champ, ein Kartoffelpüree mit Butter, Milch und Frühlingszwiebeln. Von weiteren Besonderheiten seiner nordirischen Heimat hatte McIlroy abgesehen. Warum? „Weil ich das Dinner auch genießen möchte.“

Ohne Langer keine Deutschen

Zum Champions Dinner gehört auch eine Rede, und McIlroy hatte durchblicken lassen, dass er viele Gedanken darauf verwendet hatte, was er diesen Ikonen, zu denen als einziger deutscher Sieger Bernhard Langer gehört (1985 und 1993), sagen wollte. „Wenn ich vor dieser Gruppe spreche, will ich die richtigen Worte finden und sicherstellen, dass ich meine Gefühle rüberbringe, wie dankbar ich bin, Teil dieser Runde zu sein“, gestand er vor diesem Abend. 

The Masters - Preview Day Two
Der Titelverteidiger tischt auf: Rory McIlroy am 18. Abschlag des Masters-Platzes im Augusta National Golf Club.© Getty | Redington

Was genau McIlroy sagte, wurde wie üblich diskret verschwiegen. Immerhin so viel drang nach draußen: Er hielt sich an seine Vorgaben. Wie Tommy Aaron, Masters-Champion von 1973, berichtete, habe sich McIlroy „kurz gehalten“ und außerdem gesagt: „Wir vermissen Tiger.“ Tiger Woods, der das Masters fünfmal zwischen 1997 und 2019 gewonnen hat, fehlte, weil er sich nach seinem spektakulären Autounfall angeblich in eine Klinik in der Schweiz zurückgezogen hat. Der Publikumsliebling und 15-malige Major-Sieger hat sich auf unbestimmte Dauer eine Auszeit verordnet. Er wolle sich auf seine Gesundheit konzentrieren, teilte der 50 Jahre alte Amerikaner mit. Woods war nach dem Unfall Ende März wenige Stunden nach seiner Festnahme wegen Drogenverdachts auf Kaution aus dem Gefängnis von Martin County freigelassen worden. Ein Atemalkoholtest habe zwar einen Wert von null angezeigt. Einen Urintest habe Woods aber nicht machen wollen. Ihm droht nun eine Anklage wegen Fahruntüchtigkeit am Steuer und Verweigerung eines Tests im Zusammenhang mit dem Unfall. 

Kathedrale des Golfsports

Von den 35 lebenden Champions fehlte lediglich ein zweiter beim Dinner: Phil Mickelson, dreimaliger Sieger in Augusta, hatte aus familiären Gründen abgesagt. Ansonsten waren sie alle da: auch Bernhard Langer, für den „50 oder 60“ Spieler als Sieger infrage kommen. Nur ein deutscher Spieler wird ab Donnerstag (alle vier Runden werden bei Sky übertragen) nicht im Feld sein, das gab es zuletzt 1983. Langer war 41 Mal in Augusta am Abschlag, verzichtet aber seit vergangenem Jahr auf sein lebenslanges Startrecht. „Dieses Jahr“, gesteht er, „wird es sicherlich schwierig sein, zum ersten Mal keinen Schlag im Turnier zu machen.“ Den Masters-Platz bezeichnete er einst als „Kathedrale des Golfsports“: Der hügelige Kurs gilt wegen seiner Blumenpracht als einer der schönsten der Welt. „Aber es macht auch Spaß, das Ganze von außen zu verfolgen“, sagte Langer und wird dabei einen vermutlich entspannten McIlroy sehen.

„Ich glaube“, erklärte der Vorjahressieger, der im Kampf um das grüne Siegerjackett mit dem Weltranglisten-Ersten Scottie Scheffler aus den USA (peilt seinen dritten Sieg beim Masters an), dem Spanier Jon Rahm und US-Star Bryson DeChambeau rechnen muss. McIlroy: „In den vergangenen 17 Jahren konnte ich es einfach nicht erwarten, bis das Turnier endlich losging. Und dieses Jahr wäre es mir egal, wenn das Turnier nie anfangen würde.“ sid