Sie sangen inbrünstig die Nationalhymne mit. Laut, leidenschaftlich, voller Liebe. Venezuelas Spieler, der Trainerstab, die Teambetreuer – und natürlich auch die tausenden Fans im Stadion von Miami. Alle zusammen. Die Augen geschlossen, die Münder weit auf. Dies war ihr Tag, ihr Moment, ihr Triumph. Mit 3:2 hatten die Südamerikaner am Dienstagabend (Ortszeit) das Finale der World Baseball Classic gegen die USA gewonnen und so für den größten sportlichen Erfolg in der Geschichte von Venezuela gesorgt.

„Dieser Titel bedeutet uns alles. Er ist für unser Land, für unsere Landsleute“, erklärte ein emotionaler Eduardo Rodriguez. Der Werfer war einer von Venezuelas herausragenden Akteuren im Finale – und darf sich nun wie seine Teamkollegen inoffizieller Weltmeister nennen. Denn das alle drei Jahre ausgespielte World Baseball Classic gilt als die globale Baseball-Messlatte, weil die Stars und Sternchen der nordamerikanischen Major League Baseball mitmachen. Zu denen gehören auch einige Venezolaner. In ihrer Heimat ist, im Gegensatz zu den anderen Ländern Südamerikas, nicht Fußball Sportart Nummer eins, sondern Baseball. „Heute Abend werden alle zusammen sein. Das ganze Land wird wie gelähmt das Spiel gucken“, hatte Nationaltrainer Omar Lopez vor dem Finale betont.
US-Präsident Trump: Drohung statt Gratulation in Richtung Venezuela
Ein Finale, in dem es nicht nur um Sport ging, sondern auch um reichlich Politik. Denn 73 Tage zuvor hatte am 3. Januar 2026 eine Spezialeinheit des US-Militärs Venezuelas Staatspräsident Nicolas Maduro zusammen mit dessen Frau in der Hauptstadt Caracas gefangen genommen und in die USA gebracht. In New York steht Maduro wegen Drogenhandels vor Gericht. Den Eingriff der Amerikaner hatte unter anderem Amnesty International als völkerrechtswidrig kritisiert. US-Präsident Donald Trump hingegen rühmt sich damit und nutzte das Baseball-Finale seines Landes gegen Venezuela für mehrere Provokationen.

Zwar posaunte er nach Venezuelas 4:2-Halbfinalsieg gegen Italien in die Social-Media-Welt hinaus, dass Venezuelas Team einen „großartigen Eindruck“ mache. Doch dann ergänzte Trump, dass „in letzter Zeit gute Sachen für Venezuela geschehen“ würden. Er sich frage, womit diese „Magie“ wohl zusammenhänge? Es war natürlich eine Anspielung auf seine Entmachtung von Maduro. Nach der Finalniederlage der USA gab sich Trump als schlechter Verlierer. Keine Gratulation, keine Worte der Anerkennung. Stattdessen ein weiterer Affront: „STATEHOOD!!!“, teilte er digital mit. Es war eine Andeutung, Venezuela womöglich zum 51. Bundesstaat der USA zu machen. Derlei Spitzen hatte Trump in der Vergangenheit bereits öfter gegenüber Kanada ausgeteilt.
Venezuela: Ein Sieg für 30 Millionen Einwohner
Die Venezolaner gingen auf all das nicht ein. Sie tanzten, hüpften und feierten ausgelassen – ihre Goldmedaillen um den Hals und die gelb-blau-roten Nationalfahnen über die Schulter geworfen. Denn dieser erstmalige WBC-Triumph ist mehr als nur der Gewinn einer prestigeträchtigen Meisterschaft. Er ist auch so viel mehr als nur Baseball. Dieser Erfolg ist ein Ausrufezeichen eines tief gefallenen Landes, das sich seit 2013 in einer Wirtschaftskrise befindet und in dem trotz der größten Ölvorkommen der Welt Armut, Hungersnot, Korruption und massive Misswirtschaft den Alltag beherrschen.

Eine der wenigen Ablenkungen ist für viele Venezolaner der Baseball. „Wir haben für 30 Millionen Menschen in unserem Land gespielt. Ich bin so stolz, Teil dieser Mannschaft zu sein und hier 30 Millionen Venezolaner zu repräsentieren“, sagte Maikel Garcia. Das Team spiele „mit Leidenschaft und Liebe“, weil man spüre, wie „unser Land mit uns fiebert“, ergänzte Eugenio Suarez. Der Third-Baseman von den Cincinnati Reds hatte im neunten und letzten Inning beim Stand von 2:2 mit einem weiten Schlag ins Outfield maßgeblichen Anteil am entscheidenden dritten Run.
Verdienter WM-Triumph: Venezuela besiegt beide Baseball-Großmächte
Trainer Lopez geht davon aus, dass in der Heimat nun „eine Woche“ gefeiert werde. Wie alle des Teams trug auch der Coach ein graues T-Shirt mit der Aufschrift „Best in Baseball in the world“. Sie sind wer, diese Venezolaner. Die Nummer eins der Baseballwelt. Endlich. Und sie sind es völlig verdient. Im WBC-Viertelfinale gab es einen grandiosen 8:5-Sieg gegen Titelverteidiger Japan, nun im Endspiel den 3:2-Triumph gegen die zweite Großmacht, die USA. Mehr geht nicht. Eugenio Suarez: „Niemand hat an Venezuela geglaubt, aber jetzt haben wir die Meisterschaft gewonnen. Das wird eine Feier, die unser Land gebraucht hat.“


