Kurt Tucholsky hat gesagt: „Der deutsche Journalist muss nicht bestochen werden. Es reicht, ihn einzuladen.“ Vor mir liegt eine Einladung ins Casa Italia. Das italienische Haus im Mailänder Triennale-Museum verknüpft in einer eindrucksvollen Olympia-Ausstellung wertschätzende Tradition mit inspirierender Moderne. Außerdem versprechen sie ein Menu Degustazione.
Olympia 2026: Sechseinhalb Kilos Souvenirs in die Heimat? Macht 80,99 Euro
Aber vorher noch eine Geschichte. Die Welt ist digital, aber es gibt im Medienzentrum zwischen all den Freund-und-Helfer-Desks noch ein Olympia-Postamt. Souvenirs lassen sich nicht durch Datenleitungen versenden. Hinter dem Schalter: ein Italiener. Davor: ein deutscher Reporter mit fünf Plastiktüten in den Händen. Mit hochgezogener Augenbraue und zusammengepressten Lippen legt der Mann, der früher offenbar italienischer Post- und Telekommunikationsminister war, die Tüten auf seine Waage. Die ist viel zu klein, alles fällt aus den Tüten auf den Boden. Verstaut und neu gewogen, heißt es: 6,5 Kilo. Ein Blick in die schlaue Liste: Macht 80,99 Euro für ein Paket bis zu 10 Kilogramm. Der Deutsche nickt. Moment – eins zu 5 und eins zu 2 Kilo kosten zusammen 77,48 Euro. „Geben Sie mir zwei kleine.“ Der Italiener ist der Jack Lemmon der Postbeamten: irgendwie liebenswert, aber er macht einen verrückt. „Jeder Karton kostet 8 Euro, nehmen Sie besser einen großen.“ Er verschwindet nach hinten und kommt kurz danach zurück: „Große Kartons sind alle aus, wollen Sie zwei kleine?“ Der Deutsche verdreht die Augen und dreht sich um.
Nach diesem italienischen Postdrama kann ich zum Menu Degustazione. Das Museum erstrahlt im Scheinwerferlicht, ich habe den Geschmack von San-Daniele-Schinken auf der Zunge und den Duft von Barolo in der Nase. Serviert werden: Grissini, diese trockenen Stangen aus Weißbrotteig, und süßlicher Lambrusco.
Mamma mia, aber ich liebe Italien trotzdem!


