Das Geheimnis der erfolgreichsten Skisprungfamilie ist relativ unspektakulär. Jedenfalls, wenn die Geschichte stimmt, die in Slowenien über die Prevcs aus Kranj kursiert. Als Peter, ältestes von fünf Kindern, seinen ersten Weltcupsieg erhüpft hatte, wurde er von seinem Vater zum Holzhacken geschickt. Papa Prevc, der ein kleines Unternehmen für Küchen und Möbel führt, machte ihm unmissverständlich klar: Im Leben geht’s um ehrliche Arbeit, das Zuhause ist kein Hotel für Flugstars. Die Botschaft erreichte auch den Drittgeborenen: „Wenn du glaubst, alles zu wissen, und du denkst, der Beste zu sein, muss dir klar sein: Skispringen ist ein Sport, wo dir dein eigenes Ego im Weg steht.“
Olympia 2026: Domenator komplettiert die Erfolgsgeschichte der Familie Prevc
Die Worte stammen von Domen Prevc. Zwischen dem 26-Jährigen und Peter (33) brachte die Nachwuchsplanung noch den bereits zurückgetretenen Cene (29) hervor. Viertes Mitglied der fliegerischen Familienbande ist Nika (20). Alle haben nun bei Olympischen Winterspielen auf dem Siegerpodest gestanden. Domen und Nika hatten der Erfolgsgeschichte das letzte Kapitel hinzugefügt, als sie im Mixed-Team Gold gewannen. „Zusammen auf dem Podium zu stehen, ist etwas, von dem ich hoffe, dass es in die Geschichte eingeht“, sagte Domen nach dem Geschwister-Gold. Am Samstagabend segelte der Domenator dieses Winters noch allen auf der Großschanze davon. „Als Kind war es immer mein Ziel, so weit wie möglich zu springen“, sagte er im Nieselregen von Predazzo. „Und wenn man weit springt, gewinnt man eine Goldmedaille. Nach dem Absprung habe ich gemerkt: Diesen Sprung kannst du genießen.“ Normalschanzen-Olympiasieger Philipp Raimund wurde als bester Deutscher Neunter.

Alle vier Geschwister, klein und leicht, profitierten von ihrer Risikobereitschaft, beim Übergang aus einer extremen Hocke in der Anfahrt viel Geschwindigkeit mit in den Flug zu nehmen. Dazu kommt ein außergewöhnliches Gefühl für das Element Luft. Dabei hilft Domen Prevc seine außergewöhnliche Elastizität im Sprunggelenk: Er springt seit Jahren mit offenen Schuhen, wird dadurch unmittelbar nach dem Absprung schnell beweglicher. Die Ski erreichen sogleich die ideale Position, um ihn weit zu tragen.
Skispringen: Domen Prevc schließt auf zur verstorbenen Legende Matti Nykänen
Mit seinem Sieg am Samstag eröffnete er übrigens einen besonderen Klub: Denn bisher hatte nur die 2019 verstorbene finnische Legende Matti Nykänen die Big Five des Skispringens gewonnen: Einzel-Olympiasieger, Weltmeister von der Großschanze und im Skifliegen, Gesamtsieger im Weltcup und bei der Vierschanzentournee. Nika wird nachgesagt, noch mal ehrgeiziger zu sein, aber den technisch saubersten Flugstil der Familie zu pflegen. Niemand zweifelt daran, dass sie mit ihren bisher 35 Weltcupsiegen in nicht allzu ferner Zukunft die japanische Rekordhalterin Sara Takanashi (63 erste Plätze) überflügeln wird. „Ich wollte immer so glänzen wie meine Brüder“, sagt sie.
Das fünfte Kind der Familie Prevc wird diesem elitären Kreis übrigens nicht beitreten. Ema verpasste die olympischen Erfolge ihrer Geschwister wegen eines Schulausflugs nach London. Die 16-Jährige kann sowieso mit Skispringen nicht viel anfangen: Sie macht Ballett.


