In Italien geht es nicht bloß um die Spiele, es geht auch um die Spaghetti. Unweit meiner Unterkunft in Mailand provoziert ein chinesisches Restaurant, indem es im Schaufenster „vera pasta“ anpreist. Echte Pasta. Ein Affronto gegen die stolzen Italiener. Gut, dieser Kulturkampf, wer die Teigware erfunden hat, ist zugunsten der Asiaten entschieden. Aber das ist mir völlig nudel, ich glaube an Pasta und Passata. Gehen aber trotzdem rein: Der Magen knurrt.

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Bei der Bestellung wird schnell klar: Hoffentlich bringt der Koch nur annähernd so viel Leidenschaft auf wie der Kellner, der mich vom chinesischen Pastapatent überzeugen will. Zugegeben, es ist unrealistisch, wie die Italiener sich die kulinarische Errungenschaft zuschreiben. Marco Polo soll ja 1295 beim Zurückschippern aus China aufgefallen sein, wie schmackhaft kochendes Salzwasser die getrocknete Mehl-Wasser-Mischung machte, die einem Matrosen namens Spaghetti auf dem Landgang überreicht wurde. Quatsch mit Soße. Da muss der Kellner nicht mal hartnäckig betonen: Archäologen buddelten in der Provinz Quinghai unter drei Metern Erde eine 4000 Jahre alte Schüssel mit einem faustgroßen Pasta-Klumpen aus – der Beweis also! Mit genervtem Blick bestelle ich Nudelsuppe mit Hühnchen.

Als der Kellner abräumt, bin ich kurz davor, klein beizugeben. Doch plötzlich kocht in mir das Nudelwasser über. „Egal, wo Pasta herkommt“, sagt er grinsend und zeigt auf meinen Bauch, „ich weiß, wo sie hin ist.“ Ich halte es mit Sophia Loren, die sich ihre alterslose Schönheit mit dem Satz erklärte: „Alles, was Sie hier sehen, verdanke ich Spaghetti.“ Und gehe morgen die Straße herunter essen – beim Uiguren.