Zum Auftakt in die Weltmeisterschaft im eigenen Land haben die deutschen Handball-Frauen zuverlässig abgeliefert. Gegen Außenseiter Island gewann die Mannschaft von Bundestrainer Markus Gaugisch deutlich mit 32:25. Dass sich die deutsche Auswahl für die Hauptrunde in der Dortmunder Westfalenhalle (2. bis 7. Dezember) qualifizieren wird, daran zweifelt nach dem Sieg in der mit 5.527 Zuschauerinnen und Zuschauern ausverkauften Stuttgarter Porsche-Arena wohl niemand mehr. Denn auch im Spiel gegen Uruguay am Freitag (18 Uhr) dürfte - sofern alles nach Plan läuft - keine krachende Niederlage herausspringen.

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Beim Deutschen Handball-Bund (DHB) ist die Stimmung dennoch mau. Der Grund ist die in den Augen des Verbands nachlässige Behandlung der Handballerinnen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Die Plattform Sporteurope.tv ist der einzige Live-Verwerter des Turniers und bietet eine kostenpflichtige Übertragung an. ARD und ZDF zeigen lediglich eine Nachberichterstattung, der Sender Eurosport zeigt die Spiele der deutschen Mannschaft mit einer Stunde Verzögerung über die volle Distanz.
DHB-Präsident Michelmann: „Einmalige Chance versiebt!“
„Ehrlich, ich finde das eine Schande“, wettert DHB-Präsident Andreas Michelmann in Sport Bild. „Das haben unsere Frauen nicht verdient. Dass die ARD nicht in der Lage ist und man die WM mit dem zweiten Auge auch nicht besser sieht beim ZDF, ist schlicht und ergreifend eine Schande.“ Der 66-Jährige wirft den beiden Sendeanstalten schwere Versäumnisse vor. Beide hätten eine „einmalige Chance versiebt“, als es um den Erwerb der Rechte ging: „ARD und ZDF hätten mit ihrem Rechtevermarkter die WM wirklich preisgünstig haben können, doch sie waren schlicht und ergreifend im Tiefschlaf, als die Rechte vergeben wurden, das macht mich immer noch sauer.“

Auch DHB-Kapitänin Antje Döll übte im Gespräch mit dieser Redaktion Kritik. „Deutschland hätte es verdient, dass eine WM im eigenen Land auch alle im Fernsehen schauen können. Das ist unsere Meinung, aber dass da viele Parteien eine Rolle spielen, das ist uns auch bewusst“, sagte die 37-Jährige. „Andererseits ist die WM für uns auch eine Chance. Wenn wir jetzt die WM erfolgreich bestreiten, dann gibt es keine Ausreden mehr: Dann muss eine TV-Präsenz her, die mit Blick auf die TV-Verträge ab 2026 für die Turniere aber auch garantiert ist.“

Handball-WM: Ab Viertelfinale im Free-TV – unter einer Voraussetzung
Bis die Spiele der deutschen Handballerinnen kostenlos im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen sein werden, vergeht noch ein wenig Zeit – und es ist abhängig vom sportlichen Erfolg des Gaugisch-Teams. Denn das ZDF überträgt das Viertelfinale am 9. Dezember, sofern sich die DHB-Auswahl dafür qualifiziert. Die ARD wiederum plant im Falle einer deutschen Halbfinal- und Finalbeteiligung die Übertragung beider Partien aus Rotterdam (12. und 14. Dezember). Die Niederlande sind Co-Ausrichter des Turniers.
Für Präsident Michelmann ist die Übertragung der K.o.-Spiele viel zu wenig: „Da wird von ARD und ZDF das Thema Gleichberechtigung gleich wieder ins Gegenteil verkehrt. Die Zuschauer sehen kein Spiel unserer Frauen in der Vorrunde und auch kein Spiel in der Hauptrunde.“




