Julian Nagelsmann und Joshua Kimmich grinsten sich immer wieder gegenseitig an, machten kleine Späße und amüsierten sich über vereinzelte Fragen. Der Bundestrainer und der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft waren gut gelaunt bei der Pressekonferenz in Bratislava am Tag vor dem Start in die WM-Qualifikation am Donnerstagabend in der Slowakei (20.45 Uhr/ARD).

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Neun Monate vor dem WM-Start beginnt nun der Ernst. Für Nagelsmann ist es das erste Spiel nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge beim Final Four der Nations League gegen Portugal (1:2) und Frankreich (0:2). Zwei Spiele nacheinander verloren hatte der Bundestrainer zuvor nur im November 2023 (Türkei und Österreich), als er anschließend seinen Kurs korrigierte und zum EM-Jahr die Struktur in der Nationalelf komplett veränderte.

Nagelsmann will weniger Torchancen zulassen

Zum Start des WM-Jahres beginnt Nagelsmann nun deutlich früher mit einem Schwerpunktwechsel. Wollte der Bundestrainer vor einem Jahr wieder mit Offensivfußball begeistern, Spaß haben und eine Euphorie für die Heim-EM entfachen, liegt der Fokus nach den jüngsten Enttäuschungen in der Nations League nun wieder auf einer besseren Defensive.

„Ich wünsche mir, dass wir uns als Gruppe stabilisieren. Wir haben Themen, die wir bearbeiten müssen. Wir haben viele Daten aus der Nations League analysiert. Wir hatten super viel Ballbesitz, viele Ballgewinne, aber wir hatten im Umschaltspiel danach nicht so viele Torchancen“, sagte Nagelsmann und benannte zudem das Hauptziel. „Wir wollen weniger Torchancen zulassen“, sagte Nagelsmann.

Seine Startelf wollte Nagelsmann bei der Pressekonferenz am Tag vor dem Spiel noch nicht verraten. Sicher ist, dass Oliver Baumann als Vertreter des verletzten Marc-André ter Stegen im Tor steht. Antonio Rüdiger kehrt nach seiner Knie-Operation zurück in die Abwehr. Auch Jonathan Tah ist in der Abwehr gesetzt.

Ob Deutschland gegen die Slowakei mit einer Dreierkette spielt und ein weiterer Innenverteidiger dazukommt? Oder ob es doch bei der Viererkette bleibt? „Es wird beides geben, je nach Spielphase. Wir wollen variabel spielen“, sagte Nagelsmann zu dieser Frage.

Kimmich spricht über neue Rolle im Mittelfeld

In jedem Fall wird Joshua Kimmich wieder auf der Sechs im defensiven Mittelfeld spielen. Der Kapitän sagte am Mittwoch zu seiner neuen, alten Rolle: „Ich habe das Gefühl, dass ich meine Stärken im Mittelfeld noch besser einbringen kann“, sagte Kimmich, der vor neun Jahren bei der EM im Achtelfinale gegen die Slowakei sein Debüt für die Nationalmannschaft gegeben hatte.

Pressekonferenz Nationalmannschaft Deutschland
Joshua Kimmich macht gegen die Slowakei sein 102. Länderspiel. 2016 hatte er gegen die Slowakei sein Debüt gegeben.© Christian Charisius/dpa | Christian Charisius

Vor seinem 102. Länderspiel fordert Kimmich vor allem ein besseres Mindset in der Mannschaft. „Es geht darum, Hunger und Gier zu haben. In den letzten beiden Spielen gegen Portugal und Frankreich hat uns Haltung und Mentalität gefehlt“, kritisierte Kimmich.

Auf welcher Position spielt Woltemade?

Im Sturm dürfte Nick Woltemade trotz des Wirbels um seinen Wechsel zu Newcastle United gesetzt sein. „Nick macht einen ganz normalen Eindruck“, sagte Nagelsmann über den Stürmer, der in Bratislava zuletzt das Finale der U-21-EM gespielt hatte, kurz nachdem sein Wechselwunsch zum FC Bayern München bekannt geworden war.

In welcher Rolle Woltemade gegen die Slowakei spielen wird, wollte Nagelsmann noch nicht sagen. „Ich habe mich noch nicht auf allen Positionen festgelegt“, sagte der 38-Jährige. Im zentralen Mittelfeld werden Florian Wirtz und vermutlich Serge Gnabry spielen. Möglich ist aber auch, dass Niclas Füllkrug ganz vorne beginnt und Woltemade als hängende Spitze dahinter spielt. Diese Variante wäre aber am ehesten in einer Viererkette denkbar.

Nnamdi Collins verteidigt rechts hinten

Vor allem auf Wirtz ruhen in Abwesenheit des verletzten Jamal Musiala die Hoffnungen der DFB-Auswahl. „Es sind viele Dinge auf ihn eingeprasselt in der Phase vor seinen Wechsel nach Liverpool. Das ist normal. Aber er ist einer unserer wichtigsten Spieler. Er ist sehr fleißig, sehr viel unterwegs und er wird hier wieder funktionieren“, sagte Nagelsmann, der zudem andeutete, dass Neuling Nnamdi Collins (21) rechts hinten für Kimmich in die Startelf rückt.

Bundestrainer verteidigt erneut Weltmeister-Aussage

Der WM-Titel bleibt weiterhin das Ziel des Bundestrainers. „Es ist gesund, wenn man Ziele ausruft. Aber wir müssen offenbar noch Überzeugungsarbeit leisten“, sagte Nagelsmann angesprochen auf eine Umfrage unter 1200 Menschen in Deutschland, wonach aktuell nur zehn Prozent an den WM-Titel glauben.

Pressesprecherin Franziska Wülle nahm den Ball zum Abschluss der Pressekonferenz noch einmal auf. „Wir hoffen, dass wir morgen ein paar der 1200 Menschen einen Tick positiver stimmen können.“ Da grinsten auch Nagelsmann und Kimmich wieder.

Die möglichen Aufstellungen

Slowakei: Dubravka – Pekarik, Skriniar, Hancko, Mesik – Bero, Lobotka – Duda – Schranz, Tupta – Bozenik. 

Deutschland: Baumann – Koch, Rüdiger, Tah – Collins, Kimmich, Stiller, Mittelstädt – Wirtz, Gnabry – Woltemade.