Alina Grijseels steht neben sich. Einmal lacht sie, einmal schaut sie fokussiert. Einmal steht die Handballnationalspielerin ganz real auf dem Parkplatz an der Dortmunder Westfalenhalle, einmal ziert ihr riesiges Porträt auf pinkblauem Untergrund einen Bus. So langsam soll sie sichtbar werden im Stadtbild: die Handball-WM der Frauen, die im Winter unter anderem in Dortmund ausgetragen wird. Und um ordentlich die Werbetrommel zu rühren, lassen die BVB-Spielerin Grijseels und ihre Kolleginnen ihr Konterfei gerne durch die Stadt fahren.

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Noch 100 Tage sind es an diesem Montagmittag, als die Sonne auf den Asphalt knallt und das ewige Rauschen der B1 herüberweht. Noch 100 Tage, dann beginnt am 26. November für Deutschland als Co-Gastgeber neben den Niederlanden, das Turnier in Stuttgart gegen Island. Weitere Vorrundengegner sind Serbien und Uruguay. Vom 2. bis 9. Dezember wird in Dortmund Hauptrunde und Viertelfinale gespielt. Der gewünschte Weg ist klar: Mit der lautstarken Unterstützung einer „pickepackevollen Westfalenhalle wollen wir Bestleistung abliefern und einen der Großen schlagen“, sagt Bundestrainer Markus Gaugisch.
Große Geschichte in der Westfalenhalle fortschreiben
Für ihn ist die Westfalenhalle „Tradition, ein Mythos“. Der 51-Jährige erinnert sich an große Spiele, die hier in der Vergangenheit stattgefunden haben. Allerdings aus dem Männerbereich: große Europapokalabende des VfL Gummersbach, die Heim-WM 2007. „Wir wollen diese Geschichte fortschreiben“, sagt Gaugisch. Angetrieben von einer Stimmung, die sich eins zu eins aufs Spielfeld übertragen lässt. „Zu laut gibt es nicht.“ Gelingt es mit den Fans im Rücken die notwendigen Extraprozent freizusetzen, ginge es für das deutsche Team in Rotterdam um die erste deutsche WM-Medaille seit 18 Jahren. „Das ist unser Traum, dorthin zu kommen und dort das Turnier zu beenden.“ Rückraum-Ass Alina Grijseels (29) aus Duisburg kennt die Stimmung der Westfalenhalle schon von Auftritten mit der Nationalmannschaft und dem BVB. „Ich weiß, wie geil das sein kann.“ Aber: „Es liegt an uns, die Leute für uns zu begeistern.“

Doch bis zum Start steht noch eine Menge Arbeit an: sportlich in diversen Lehrgängen und Testspielen und auch organisatorisch. 35 Prozent der Tickets sind bereits verkauft. „Wir wissen aber, dass 80 immer drei Monate vor Turnierbeginn gekauft werden“, sagt DHB-Vorstandschef Marc Schober. Also genau jetzt. Die Aufgabe des Verbandes ist es nun, die Aufmerksamkeit auf die WM zu lenken. Dabei helfen sollen Werbeaktionen – aber auch die Kampagne „Hands up for more“, eine Bewegung für nachhaltige Entwicklung im Frauenhandball.
Ludwigsburg-Aus erschwert die Vorbereitung
Wie notwendig eine weitere Professionalisierung ist, zeigen die jüngsten Ereignisse um den Deutschen Meisters HB Ludwigsburg. Durch die Insolvenz des Champions-League-Teilnehmers waren auch etliche Nationalspielerinnen wie DHB-Kapitänin Antje Döll (Sport-Union Neckarsulm) oder Anführerin Xenia Smits (HB Metz) plötzlich gezwungen, sich neue Vereine zu suchen. „Eine Katastrophe für die Spielerinnen“ nennt es Gaugisch. Doch auch für ihn erschwert das die Vorbereitung: Bis zu sechs Nationalspielerinnen kamen zuletzt aus Ludwigsburg. Ein auf Topniveau eingespielter Block sei „Luxus“ für einen Bundestrainer.
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„Sportlich ist das erstmal schlecht“, sagt Schober. Auf diese Art der Aufmerksamkeit hätte er gewiss gerne verzichtet, die Spielerinnen bedauere er sehr. Jedoch wolle er diesen Rückschlag nutzen, um Verbesserungen herbeizuführen, um „den Frauensport weiter zu professionalisieren“. Ein erster Punkt soll eine Verschärfung des Lizenzierungsverfahrens in der Liga sein.
Und auch die Spielerinnen sehen sich in der Pflicht, ihre Kolleginnen wieder aufzurichten: „Wir werden versuchen, das im Team aufzufangen, so dass es für die Nationalmannschaft möglichst keine Konsequenzen hat“, sagt Ex-Kapitänin Grijseels. So soll sich der Blick dann schnell nach vorn auf die WM richten.






