Armand Duplantis hatte ein spektakuläres Geschenk geplant. 6,22 Meter – Weltrekord im Stabhochsprung sollten es zum zehnten Geburtstag des Istaf Indoor sein. Am Ende waren es „nur“ 6,06 Meter. Immerhin die neue Bestmarke beim größten Leichtathletik-Hallenmeeting der Welt, aber eben nicht im Ansatz das, was der 23 Jahre alte Schwede abrufen kann.

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„Es hat sich gut angefühlt, ich war näher dran als letzte Woche, also alles gut“, sagte der Welt- und Europameister am Freitagabend in der Mercedes-Benz Arena. Dreimal hatte er versucht, seine eigene Bestmarke von 6,21 Metern zu steigern, war dabei frenetisch von den 11.850 Zuschauern unterstützt worden. Die Halle stand, als der Überflieger anlief. Dreimal sank er enttäuscht ins Sprungkissen.

Für Duplantis ist nur der Himmel die Grenze

Lächeln konnte er trotzdem noch. „Ich weiß nicht, ob ich jemals so eine Atmosphäre in einer Halle erlebt habe“, schwärmte der Olympiasieger von Tokio, der Ernest Obiena (5,82 Meter/Philippinen) und Kurtis Marschall (5,82/Australien) hinter sich ließ.

So hoch wie Duplantis ist nun noch niemand in Berlin gesprungen. Bislang war es Sergej Bubka, der mit 6,05 die Hauptstadt-Bestmarke (1994 beim Istaf im Olympiastadion) hielt. Und der nächste Rekord ist auch nur noch eine Frage der Zeit. Für Duplantis scheint nur der Himmel die Grenze zu sein. Auf die Frage, wie hoch es für das Ausnahmetalent noch gehen kann, antwortete er kryptisch: „Wir werden sehen.“ Ein Versprechen an die Zukunft.

Gina Lückenkemper hatte nach Platz drei über 60 Meter und Saisonbestleistung beim Istaf Indoor Grund zum Lachen.
Gina Lückenkemper hatte nach Platz drei über 60 Meter und Saisonbestleistung beim Istaf Indoor Grund zum Lachen.© AFP | ODD ANDERSEN

Das hatte auch Gina Lückenkemper parat. Bei ihrem Lieblingsmeeting („Die Stimmung hier ist einfach einmalig, das macht so viel Spaß.“) sprintete die Europameisterin über ihre eigentlich ungeliebten 60 Meter mit 7,16 Sekunden auf Rang drei. Daryll Neita aus Großbritannien mit persönlicher Bestleistung von 7,05 Sekunden und Tristan Evelyn, die mit 7,14 Sekunden einen Landesrekord für Barbados aufstellte, waren für die SCC-Sprinterin zwar eine Nummer zu schnell. Die 26-Jährige blickte aber schon voraus.

Gina Lückenkemper hofft auf einen bombastischen Sommer

„Wenn ich fit bleibe, dann kann das ein bombastischer Sommer werden“, versprach Lückenkemper, die mit Rückenproblemen in Berlin angetreten war. „Es ist krass, was ich momentan laufen kann. Auch mit einer Leichtigkeit. Jetzt kommt alles zusammen und ich bin sehr glücklich mit der Entwicklung.“

Eine Entwicklung, die sie vor drei Jahren in Florida bei Coach Lance Brauman angestoßen hat. Der vorläufige Höhepunkt war der EM-Titel im vergangenen August, der nächste soll im Sommer bei der Weltmeisterschaft in Budapest (19. bis 27. August) folgen.

Ähnliches gilt für Malaika Mihambo. Die Weitsprung-Olympiasiegerin ließ der Konkurrenz am Freitagabend keine Chance. 6,72 Meter im ersten Versuch, danach vier ungültige Sprünge. Und als die Zweitplatzierte Larissa Iapichino (6,69 m) und Jazmin Sawyers auf Rang drei (6,69 m) im fünften Versuch gefährlich nahekamen, legte die 29-Jährige – trotz eines leicht gestauchten Knies – mit 6,81 Meter einfach nach.

Hallenweltrekord für Diskuswerferin Shanice Craft

„Der Wettkampf ist nicht vorbei, bis der Letzte gesprungen ist“, sagte die Weltmeisterin grinsend und ließ sich feiern. Die Athletin der LG Kurpfalz genoss die Atmosphäre genau so wie Reece Prescod. Der britische Sprinter pulverisierte über 60 Meter die Weltjahresbestleistung von 6,49 Sekunden – Istaf-Rekord. „Die Musik, die Menschen, alles, ich wollte hier einfach unbedingt laufen“, erklärte der WM-Dritte von Eugene.

Die dritte Berliner Bestmarke trug schließlich Shanice Craft in die Ergebnislisten ein. Im Diskus-Duell „Männer gegen Frauen“ warf die EM-Dritte von 2018 die 1,75 Kilogramm schwere Scheibe auf 65,23 Meter – und damit 1,20 Meter weiter als bei ihrem Istaf-Rekord 2020. Gleichzeitig übrigens der inoffizielle Hallenweltrekord, weil nur in Berlin indoor Diskus geworfen wird.

Cindy Roleder verabschiedet sich tränenreich

Craft durfte sich nebenbei dann auch noch zusammen mit Kristin Pudenz, Claudine Vita und der Portugiesin Liliana Ca über den Sieg im Geschlechter-Duell freuen. Mit 31:21 setzten sich die Frauen gegen das Männer-Team um Daniel Jasinski, Henning Prüfer, Mika Sosna und den Kolumbianer Mauricio Ortega durch. „Ich hatte mir vorgenommen, mich zu verbessern. Von daher freue ich mich mega“, sagte Craft, die noch 5000 Euro für ihren großen Wurf kassierte.

Den ersten Gänsehautmoment des Abends hatten die Fans aber schon viel früher erlebt. Der zweite Vorlauf der Frauen über 60 Meter Hürden war gerade vorbei, da stand Cindy Roleder weinend auf der blauen Bahn. Es war ihr vorletztes Rennen, das letzte in Berlin – nach den deutschen Hallenmeisterschaften am nächsten Wochenende in Dortmund beendet die Europameisterin von 2016 ihre Karriere.

„Ich wollte mehr zeigen“, sagte die 33-Jährige, die es nicht ins Finale schaffte. „Aber es ist auch so sehr emotional.“ Obendrauf gab’s eine tränenreiche Ehrenrunde, aus den Lautsprechern schallte „Time to say goodbye“.