Die vielleicht größte Errungenschaft des 61 Jahre alten Tite bei den brasilianischen Fußballern war es bisher, sie von einem Trauma befreit zu haben. Natürlich, Jungs wie Rodrygo oder Vinicius Junior waren vor acht Jahren noch Teenager, als der Seleção ihre wohl größte Schande bei einer Weltmeisterschaft widerfuhr: 1:7 gegen Deutschland bei der Heim-WM. Spieler wie Thiago Silva und Neymar aber, heute gestandene Größen oder gar Superstars eines überhitzten Unterhaltungsbetriebs namens Profifußball, waren damals schon in Belo Horizonte dabei, wenn auch gesperrt oder verletzt in diesem Halbfinale.

Tite aber, seit 2016 der Nationaltrainer der Südamerikaner, hat die Spieler der Seleção emotional stabilisiert. Es war 2014 ja ohnehin alles überwältigend und überladen: Beim Spielen der Hymne kullerten den hochbezahlten Stars Tränen über die Wange. Und dann doch dieses 1:7, das Mineiraço. Übersetzt: Schock von Mineirão, dem Austragungsort der Begegnung.