- Die Aufarbeitung des WM-Debakels der Nationalmannschaft geht weiter. Ein früherer DFB-Chef sieht den Wirbel um ein politisches Symbol als wichtige Ursache für das Scheitern in Katar.
- ZDF-Sportreporterlegende Béla Réthy glaubt nach dem Vorrunden-WM-Aus der deutschen Elf nicht an eine Wiederholung des „Sommermärchens“ bei der EM in Deutschland in zwei Jahren.
- Union-Trainer Urs Fischer hat einen Wandel in der Fußball-Welt bei der WM in Katar festgestellt.
Festhalten an Flick für Hamann ein Fehler
11 Uhr: Der ehemalige Nationalspieler Dietmar Hamann hält die weitere Zusammenarbeit zwischen dem DFB und Bundestrainer Hansi Flick für einen Fehler. „Ich hätte mir tatsächlich einen kompletten Neustart gewünscht“, sagte der Sky-Experte.
Flick wird trotz des WM-Desasters die Nationalmannschaft zur Heim-EM 2024 führen. Für Hamann ist das auch aufgrund von Flicks Vergangenheit als Trainer des deutschen Rekordmeisters Bayern München keine gute Idee. „Denn es kommt ja jetzt im Nachhinein unter anderem heraus, dass es bei der WM offenbar Differenzen zwischen dem Bayern-Block und dem Rest gegeben haben soll – und genau all diese Spieler werden ja auch in den nächsten Monaten und Jahren noch dieselben sein“, sagte der 49-Jährige und fügte an: „Somit wüsste ich jetzt nicht, warum sich das Klima innerhalb der Mannschaft in den nächsten Wochen und Monaten bis zur Heim-EM 2024 nachhaltig verbessern sollte.“
Berti Vogts: Zu viel Harmonie beim DFB
7:50 Uhr: Die fehlende Reibung beim Deutschen Fußball-Bund ist nach Ansicht des früheren Bundestrainers Berti Vogts Grund für die sportliche Krise der Nationalmannschaft. „In den vergangenen Jahren gab es zu viel Harmonie im DFB. Das hat zum Stillstand an vielen Stellen geführt“, schrieb Vogts in der „Rheinischen Post“. Daher hoffe er, dass der frühere Nationalspieler Matthias Sammer den DFB künftig wieder als kritischer Geist unterstützt.

Im Verband fehle jemand, der auch Unangenehmes anspreche, urteilte Vogts. „Das ist sicherlich auch etwas, was sich Oliver Bierhoff vorwerfen lassen muss. Ich habe ihn oft darauf hingewiesen, aber Kritik war nicht gewünscht in seinem Umfeld“, erklärte der 75-Jährige. Nun müsse DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke mit Sammer „wieder eine gesunde Streitkultur im DFB“ etablieren. Dass Bundestrainer Hansi Flick im Amt bleiben darf, hält Vogts für richtig. Der Chefcoach müsse jetzt aber „das volle Vertrauen des DFB“ haben, „unseren Fußball wieder in die Erfolgsspur zu bringen“.
Ex-DFB-Boss Keller: Lob für Bierhoff und Kritik an „One Love“-Binde
7:20 Uhr: Der frühere DFB-Präsident Fritz Keller hat den zurückgetretenen Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff in Schutz genommen und sieht in den Diskussionen um die „One Love“-Binde einen der Hauptgründe für das deutsche Vorrunden-Aus. Politiker und andere DFB-Funktionäre hätten „das Team zu Aktionen überredet, die One-Love-Binde zu tragen und dann ersatzweise diese Geste mit dem zugehaltenen Mund zu zeigen“, sagte Keller in einem Interview der „Stuttgarter Zeitung“.

Der Südbadener, der von 2019 bis 2021 den DFB anführte, bescheinigte Bierhoff eine gute Arbeit. „Er war einer der Wenigen, die sich nicht nur hinter Zuständigkeiten versteckt, sondern auch Verantwortung übernommen haben“, sagte Keller: „Der Mann hat 18 Jahre lang versucht, Änderungen im Kinder- und im Jugendfußball hinzukriegen. Das wurde verhindert, weil viele ein G‘schäftle daraus machen und etwas für ihre Landesverbände oder Fußballschulen herausholen wollten.“
Béla Réthy glaubt nicht an neues Sommermärchen bei EM 2024
6:45 Uhr: ZDF-Sportreporterlegende Béla Réthy glaubt nach dem Vorrunden-WM-Aus der deutschen Elf nicht an eine Wiederholung des „Sommermärchens“ bei der EM in Deutschland in zwei Jahren. „Das ist genauso wie Woodstock. Das ist nicht wiederholbar“, sagt Réthy im Podcast „Die Wochentester“. Die Unbefangenheit von damals sei nicht noch einmal wiederherstellbar. „Wir sind sehr gespalten, sehr negativ. 2006 war Deutschland ein anderes Land, entspannter, toleranter. Nicht so dogmatisch. Nicht so demagogisch“, so Réthy.

Der Moderator äußert sich nach dem Ausscheiden der Mannschaft und den turbulenten Tagen beim DFB auch zum Führungsduo Hansi Flick und Oliver Bierhoff: „Bei Hansi Flick klang es so, als wenn er nicht ohne Oliver Bierhoff könne. Aber ein Trainer, der in einer Saison mit dem FC Bayern sieben Titel geholt hat, sollte genug Selbstbewusstsein haben, die Sachen selbst zu regeln, ohne einen Babysitter.“
Union-Trainer Fischer über WM-Teilnehmer: Gibt keine Kleinen mehr
6:00 Uhr: Trainer Urs Fischer vom Fußball-Bundesligisten 1. FC Union Berlin hat einen Wandel in der Fußball-Welt bei der WM in Katar festgestellt: „Es gibt sie nicht mehr die Kleinen. Das hat man in der Vorrunde gesehen. Du musst dir jeden Punkt und jeden Sieg erarbeiten“, sagte der Schweizer, der die Spiele „ausführlich geschaut“ hat, „alle sind gut organisiert, stehen kompakt. Es ist nicht einfach. Dann gab es auch die eine oder andere Überraschung. Das tut dem Fußball gut.“
Mit den Überraschungen verbindet Fischer auch das frühe Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft. „Es ist eigentlich ein Wahnsinn. Wenn man es korrekt analysiert, geht es um 20 Minuten gegen Japan“, sagte der Schweizer Trainer.
WM-Aus für Deutschland: Alle News zum DFB-Debakel und Bierhoff-Rücktritt
Portugals Otávio über Wirbel um Ronaldo: „Ist Teil des Teams“
5:45 Uhr: Portugals Fußball-Nationalspieler Otávio nimmt den Wirbel um Kapitän Cristiano Ronaldo und dessen Reservisten-Rolle bei dieser WM gelassen. „Natürlich zieht er Aufmerksamkeit auf sich, aber er ist Teil des Teams“, sagte der 27-jährige Mittelfeldspieler vom FC Porto auf die Frage, ob ihn die Debatte um den 37 Jahre alten Superstar nerve. „Wenn es ihm gut geht, geht es dem Team gut. Wir wollen gemeinsam unsere Ziele erreichen.“
Beobachtet von Dutzenden TV-Kameras, Fotografen und Reportern absolvierte Ronaldo am Donnerstag erstmals seit seiner Degradierung auf die Ersatzbank im WM-Achtelfinale gegen die Schweiz eine Trainingseinheit auf dem Platz.


