Fan-Rückkehr ins Stadion

DFL-Leitfaden: Wenn die Fans mit dem Fahrrad kommen sollen

Die DFL hat einen Leitfaden für die Zuschauer-Rückkehr herausgegeben. Die Beschränkungen sind strikt und für Klubs herausfordernd.

Fans von Hertha BSC schwingen im Olympiastadion Fahnen in der Ostkurve. So kuschelig dürfte es so schnell nicht wieder werden auf der Tribüne.

Fans von Hertha BSC schwingen im Olympiastadion Fahnen in der Ostkurve. So kuschelig dürfte es so schnell nicht wieder werden auf der Tribüne.

Foto: Andreas Gora / dpa

Essen/Berlin. Wenn die Corona-Krise im Fußball eine Erkenntnis geliefert hat, dann diese: Ohne Zuschauer macht die Bundesliga keinen Spaß. Mit Hochdruck arbeiten die Klubs deshalb an Konzepten für die Rückkehr der Fans. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat zur ersten Orientierung einen detaillierten Leitfaden erstellt, der allerdings noch nicht bindend ist, da das letzte Wort die Mitglieder haben.

Anfang August sollen die 36 Profiklubs bei einer Mitgliederversammlung daher darüber abstimmen, welche Richtlinien sie festschreiben wollen. Wichtig: Am Ende entscheiden die jeweiligen Gesundheitsbehörden vor Ort. Zudem steht schon jetzt fest: Sollte der Spielbetrieb im September mit Fans starten, liegt vor allen Beteiligten viel Arbeit – und die Vision des 1. FC Union, zeitnah vor ausverkauftem Haus zu spielen, dürfte kaum Realität werden.

Widerstand aus der Fan-Szene

Neben der Einhaltung der Hygiene-Maßnahmen, schreibt die DFL in ihrem 41-seitigen Papier, sei die Nachvollziehbarkeit von Infektionsketten „die zentrale Anforderung“ für eine Zuschauer-Rückkehr. Bedeutet: Die Fans müssen sich auf personalisierte Tickets einstellen. Name, Adresse, Telefonnummer müssen hinterlegt sein, um später informieren zu können. Dagegen gibt es Kritik aus der Fanszene. Sie fürchtet, dass dieses Instrument nach der Pandemie zur Kontrolle der Fans missbraucht wird.

Die wohl größte Herausforderung beim Stadionbesuch stellt die Anreise dar. Im Idealfall sollen die Zuschauer zeitlich verteilt ankommen, um den Abstand zu wahren. Die DFL empfiehlt die Anreise mit Auto oder Fahrrad. Problematisch kann aber nicht nur die Taktung des Bus- und Bahnverkehrs sein, sondern auch die Parkplatzkapazität.

Auch der Einlass ist eine organisatorische Mammutaufgabe. Die DFL regt hier die Definition von Zeitfenstern an. Dafür soll die Kontrollzeit berechnet werden und in das Konzept einfließen. Falls erforderlich, müssen die Ordner den Mund-Nasen-Schutz kontrollieren. Ordner- und Servicepersonal muss aller Voraussicht nach erhöht werden.

Sukzessive Rückkehr zum Normalbetrieb möglich

Die drängendste und komplexeste Frage ist die nach der Stadionkapazität. Sie ist das Ergebnis sämtlicher Faktoren. Der wichtigste – und unberechenbarste – ist die Pandemieaktivität. Die Öffnung des Stadions richtet sich nach der Entwicklung der Infektionszahlen. Entscheidend ist die Einschätzung der Gesundheitsbehörden.

Die DFL benennt drei Level: Bei 35 oder mehr Neuinfektionen pro Woche auf 100.000 Einwohner finden Spiele ohne Zuschauer statt, bei fünf bis 35 mit einer Teil-Menge, bei unter fünf kann eine „sukzessive Rückkehr zum Normalbetrieb“ angestrebt werden. Berlin hatte am Donnerstag einen Wert von 5,0. Offen ist noch, ob es Kontingente für Gästefans geben wird.

Modelle mit 50 Prozent Auslastung – Alkohol fraglich

Der Leitfaden enthält auch exemplarische Modelle für bis zu 50 Prozent Auslastung auf Sitzplätzen und 12,5 Prozent auf Stehplätzen. Was etwa bei Hertha rund 30.000 Besucher wären. In den Augen von Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller eigentlich zu wenig. Er hatte betont, dass die Öffnung für Zuschauer aus Klubsicht erst ab 50 Prozent Auslastung (gut 37.000 Besucher) wieder sinnvoll wäre.

Ob Stehplätze überhaupt freigegeben werden, ist allerdings noch offen. Das Bundesgesundheitsministerium hat hier Bedenken angemeldet. So oder so: Der Stadionbesuch dürfte speziell werden. Die DFL rät etwa zur Einrichtung von „Einbahnstraßen“, an denen sich die Fans orientieren sollen. Fraglich ist zudem, ob in den Stadien Alkohol ausgeschenkt werden darf.