Corona-Pandemie

Wie Fans von Hertha und Union zu Krisenhelfern werden

Von der Kneipenrettung bis zur Mundschutzproduktion: Anhänger von Hertha und Union zeigen in der Corona-Pandemie ihre soziale Ader.

Die Hertha-Fans Sophia Engelhardt und André Ruschkowski unterstützen die „Aktion Herthakneipe“ – unter anderem mit dem Kauf von T-Shirts.

Die Hertha-Fans Sophia Engelhardt und André Ruschkowski unterstützen die „Aktion Herthakneipe“ – unter anderem mit dem Kauf von T-Shirts.

Foto: Privat / BM

Berlin. Ganz ohne Hertha geht es nun mal nicht, schon gar nicht an einem Sonnabend um 15.30 Uhr. Fan-Urgestein Knut Beyer und weitere Klub-Anhänger haben deshalb eine neue Initiative ins Leben gerufen, die zudem das Angenehme mit dem Nützlichen verbindet: Trotz Bundesliga-Pause treffen sich derzeit etliche Hertha-Fans zur gewohnten Anpfiffzeit per Video-Schalte an einem virtuellen Tresen, fachsimpeln über Fußball im Allgemeinen und Hertha BSC im Speziellen. Das Besondere daran: Getrunken wird zu Hause, doch gezahlt wird via PayPal-Pool – und zwar auf das Konto krisengebeutelter Wirte, die derzeit keine Kundschaft empfangen dürfen und plötzlich von der Existenz bedroht sind.

„Es ist klar, dass wir nicht die ganze Welt retten können“, sagt Beyer, „wir haben uns für Kneipen entschieden, in denen sonst regelmäßig Hertha-Stammtische stattfinden.“ Bei der Premierenveranstaltung der „Aktion Herthakneipe“ vor einer Woche für den Weddinger „Kugelblitz“ kamen gut 2100 Euro zusammen, wobei sich auch Herthas Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller beteiligte. In dieser Woche wird das „Fränkys“ in Wilmersdorf unterstützt, weitere Fan-Kneipen werden per Losverfahren ermittelt. Um die Hertha-Lokale zu retten, soll künftig zudem zusätzliches Geld durch den Verkauf von T-Shirts und anderen Merchandise-Produkten eingespielt werden.

Union-Fans kaufen zahlreiche Gutscheine

Im Osten der Stadt haben sie Ähnliches im Sinn. Die Fans des 1. FC Union wollen ihre in Not geratenen Kneipen, Restaurants, aber auch Firmen und Unternehmen retten. Und helfen gleich doppelt. Der Fanverband „Eiserner V.I.R.U.S“ kauft Gutscheine bei denen, die durch die Corona-Krise gerade wenige bis gar keine Einnahmen haben. Die erstandenen Wertscheine werden dann an bedürftige Union-Fans verteilt.

Damit nicht genug. Weil auch die Sonderzugfahrt zum Auswärtsspiel nach Mönchengladbach coronabedingt ausfallen musste, hat der Fanclub einen virtuellen Hilfszug auf die Schienen gesetzt. Mit den verkauften Tickets sollen soziale Projekte und Einrichtungen unterstützt werden. Und auch das Zugunternehmen soll einen Teil abbekommen.

Gebenzaun nahe der Alten Försterei

Die Liste weiterer Fan-Aktionen ist lang. „Die aktiven Gruppen verteilen sich auf viele Stadtteile“, sagt Herthas Fan-Betreuer Donato Melillo, „Berlin ist nun mal groß.“ Genau wie der Bedarf an Spenden – und sei es für Blut. Weil die Reserven in den Krankenhäusern knapp werden, rief Hertha über seine Social-Media-Kanäle zur Aktion „Herthaner spenden Blut“ auf. Zahlreiche Anhänger machten mit.

Spenden wollte auch die Szene Köpenick. Aber nicht allein. Der Fanförderkreis stellte deshalb Anfang April einen Gabenzaun in der Nähe der Alten Försterei auf. Wer helfen mag, kann ungebrauchte Hygieneartikel, haltbare Nahrungsmittel oder brauchbare Kleidungsstücke in Tüten verpackt an den Zaun (an der Union-Tanke 150 Meter vom S-Bahnhof Köpenick entfernt oder Am Bahndamm 31) hängen.

Der Gabenzaun war für die Union-Anhänger aber nur ein Anfang. „In den vergangenen Tagen haben wir uns viele Gedanken gemacht und mit entsprechenden Stellen gesprochen, wie und wo man weitere Hilfe und Unterstützung leisten kann“, schreiben die Verantwortlichen auf ihrer Webseite. „Daher möchten wir gemeinsam weitere materielle Hilfe leisten und dabei helfen, die Zahl der verfügbaren Stoffmasken aufzustocken.“

Mundschutz-Produktion läuft auf Hochtouren

In einem Youtube-Video gibt’s die Anleitung zum Nähen. Die fertigen Masken werden am kommenden Mittwoch am Köpenicker Gabenzaun gesammelt und an Altenpflege- oder Behinderteneinrichtungen verteilt. Dort, wo der Alltag auch mit Stoff- statt mit medizinischen Masken bestritten werden kann.

Auch die Initiative „Eisern trotz(t) Handicap“ ließ die Nähmaschinen rattern. Sie produzierten Masken mit der Aufschrift „Unioner ohne Macke sind kacke“ und verteilten sie an Anhänger mit Handicap.

Doch nicht nur in Gruppen zeigen Fans Masken-Engagement, auch diverse Einzelkämpfer wollen in der Krise einen Beitrag leisten. Hertha-Anhängerin Dominique Heitmann näht seit Tagen einen Mundschutz nach dem nächsten – „bei ihr ist das fast schon Massenproduktion“, sagt Fan-Betreuer Melillo.

Solidarische Aktionen wie diese zeigen, dass die Fan-Lager bei Hertha und Union über intakte soziale Adern verfügen – dass sie ihre Finger nicht nur am Puls ihrer Klubs, sondern auch am Herzschlag ihres Umfelds haben, gewissermaßen als „zwölfter Mann“ für die Gesellschaft. Ein Engagement, von dem es nie genug geben kann.

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