Fussball-Bundesliga

DFL-Boss Seifert: „Ohne Zuversicht geht’s nicht“

Die DFL beschließt eine Pause bis 30. April, will die Saison danach aber mit Geisterspielen zu Ende bringen. Kann das funktionieren?

DFL-Boss Christian Seifert bestritt die Konferenz mit den Kollegen sowie die anschließende Pressekonferenz am Dienstag per Videostream.

DFL-Boss Christian Seifert bestritt die Konferenz mit den Kollegen sowie die anschließende Pressekonferenz am Dienstag per Videostream.

Foto: Arne Dedert / dpa

Frankfurt/Main/Berlin. Prägnanter als Michael Preetz hätte man die Gemütslage im Deutschen Profi-Fußball kaum zusammenfassen können. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagte Herthas Manager nach der Video-Konferenz der Deutschen Fußball Liga (DFL) am Dienstag, allerdings ließe sich trefflich darüber diskutieren, ob dieser Binse nun mehr Hoffnung oder Verzweiflung anhaftete.

Fakt ist: Die Klub-Vertreter der 36 Erst- und Zweitligisten bleiben ihrer Linie treu. Trotz des nach wie vor grassierenden Coronavirus wollen die Verantwortlichen um DFL-Boss Christian Seifert die aktuell unterbrochene Saison auf Biegen und Brechen regulär beenden. Oder zumindest so regulär wie möglich.

„Wir glauben, dass wir es hinbekommen, diese Saison bis zum 30. Juni zu Ende zu spielen“, erklärte Seifert nach der rund dreieinhalbstündigen Video-Besprechung. Sollte dies nicht gelingen, droht dem deutschen Fußball ein finsteres Szenario.

Anfang Mai soll der Ball wieder rollen

„Ich möchte nicht detailliert über den Zustand einiger Klubs sprechen“, sagte Seifert, „aber einige könnten in eine existenzbedrohende Situation geraten, sollte die Saison nicht zu Ende gespielt werden.“ Bei einem Abbruch droht der Liga ein Verlust von rund 750 Millionen Euro aus TV-Vermarktung, Zuschauereinnahmen und Sponsorengeldern.

Dass die DFL die derzeitige Liga-Pause einstimmig bis zum 30. April und somit auf die Spieltage 28 bis 31 ausweiten würde, galt schon vor der virtuellen Versammlung als sicher – und so kam es dann auch. Die große Frage bleibt jedoch: Geht es danach weiter? Und wenn ja, wie?

Über konkrete Pläne sprach Seifert zwar noch nicht, dem Vernehmen nach hoffen die Entscheider aber auf eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs am ersten oder zweiten Mai-Wochenende. Angestrebt ist zudem ein Saisonende am 21. Juni, um etwas Luft für die europäischen Endspiele zu lassen. Somit blieben acht oder sieben Wochen Zeit, um die ausstehenden neun Spieltage über die Bühne zu bringen.

Seifert: Vielleicht bis Ende des Jahres ohne Publikum

Wenn überhaupt, wird der Ball aber ohne Stadionpublikum rollen, alles andere ist längst utopisch. „Mindestens bis zum Ende der Saison ist es unrealistisch, davon auszugehen, dass wir nochmal vor vollen Stadien spielen“, betonte Seifert. Und schob gleich hinterher, dass volle Stadien auch im August nicht sonderlich realistisch seien. Den Ausfall von Zuschauereinnahmen dürfen die Klubs also schon mal fest einkalkulieren, „vielleicht bis zum Ende des Jahres“, so Seifert.

Im Hintergrund wird nun daran getüftelt, wie sich ein „Geisterspiel“-Betrieb überhaupt auf die Beine stellen ließe. Kleinstmöglicher Personalaufwand ist gefordert, auch auf organisatorischer und medialer Ebene. Darüber hinaus wird eine „Task Force Sportmedizin/Spielbetrieb“ eingerichtet, die Konzepte in Bezug auf den Spiel- und Trainingsbetrieb entwickeln soll. Bis zum 5. April sollen die Spieler nicht im Team trainieren. Unter anderem werden Infektionstests der Profis unmittelbar vor den Spieltagen angestrebt.

Kampf gegen das Virus hat Priorität

Ob das alles reicht, um den Spielbetrieb rechtfertigen zu können? Das wird auch von der Stimmung im Land abhängen. Kritiker halten die Aufrechterhaltung des Profi-Sports für überflüssig, manche gar für zynisch. Seifert hingegen verweist auf die rund 56.000 mit dem Profi-Fußball assoziierten Arbeitsplätze und ist sich zudem sicher, dass sich „die Menschen sicher freuen würden, wenn sie mal wieder über etwas anderes reden könnten“ als Corona.

Den Eindruck, der Fußball denke nur an sich, versuchte Seifert am Dienstag vehement zu vermeiden. „Zuallererst geht es um die Kontrolle der Ausbreitung des Virus“, sagte er, „aber wir arbeiten mit Hochdruck daran, wie wir nach dieser Krise wieder aufstehen und weiterarbeiten können.“ Finden die Geisterspiele statt, winken der DFL immerhin gut 350 Millionen Euro aus der TV-Vermarktung.

Hertha-Manager Preetz gibt sich optimistisch

Dennoch: Die wirtschaftliche Herausforderung bleibt für etliche Klubs selbst in diesem Fall immens. „Wir werden das bei Hertha BSC hinbekommen“, gab sich Michael Preetz zuversichtlich, schränkte aber ein: „Wenn die Saison abgebrochen werden müsste, werden wir noch mal ganz neue Auswirkungen haben.“ Um bedrohten Klubs entgegenzukommen, beschloss die DFL am Dienstag, beim Lizenzierungsverfahren für die kommende Saison auf die Prüfung der Liquidität zu verzichten.

Andere Fragen blieben derweil ungeklärt – von konkreten Spielbetriebs-Szenarien bis zur Frage, was passiert, wenn eine andere europäische Liga kollabieren sollte. Das nächste Treffen der DFL ist für den 17. April angesetzt, dann mit neuer Sachlage. Eins wird bis dahin jedoch Bestand haben. „Ohne Zuversicht“, sagte Seifert, „geht’s in diesen Tage nicht so gut.“