Trainingslager

Wegen Coronavirus: Berliner Segler in China abgeschottet

Segler Daniel Göttlich ist mit einem Teamkollegen in China im Trainingslager. Wegen des Corona-Virus gibt es strenge Schutzmaßnahmen.

Die Segler Linus Klasen und Daniel Göttlich (v.l.) trainieren zurzeit in China. Dort gelten wegen des Coronavirus besondere Schutzmaßnahmen. 

Die Segler Linus Klasen und Daniel Göttlich (v.l.) trainieren zurzeit in China. Dort gelten wegen des Coronavirus besondere Schutzmaßnahmen. 

Foto: Privat

Berlin/Haikou. Sein Trainingslager in China hatte sich der Berliner Segler Daniel Göttlich etwas anders vorgestellt. Restaurant-Besuche, ein Ausflug nach Shanghai oder Spaziergänge in der Umgebung des chinesischen Trainingsstützpunktes in Haikou wurden gestrichen. Stattdessen gilt nun: Das Gebäude darf nur ein Mal täglich zum Segeln verlassen werden – und das auch nur mit Mundschutz. Andernfalls, sagt Göttlich, drohe die sofortige Isolation.

Hintergrund der strikten Regeln ist das Coronavirus. Landesweit haben sich in China bislang mehr als 20.000 Menschen mit dem Virus infiziert, mehr als 400 Menschen sind bereits daran gestorben. Umso größer sind die nun getroffenen Schutzmaßnahmen – obwohl knapp 1500 Kilometer zwischen Haikou auf der südchinesischen Insel Hainan Dao und der besonders stark vom Coronavirus betroffenen Stadt Wuhan liegen.

Coronavirus: Besonderer Schutz von Sportlern mit Blick auf Olympia

„Es ist ein olympisches Jahr“, sagt Göttlich zur Begründung, weshalb die Situation trotz der Entfernung so ernst genommen wird. In dem Stützpunkt leben und trainieren Mitglieder der chinesischen Nationalmannschaft, erzählt Göttlich, unter anderem sei auch die chinesische Windsurferin Chen Peina, die 2016 olympisches Silber gewann, dort. Eine Infektion der Sportler knapp sechs Monate vor den Olympischen Spielen in Tokio will niemand riskieren.

Als Daniel Göttlich mit seinem Teamkollegen Linus Klasen zum knapp einmonatigen Trainingslager nach China aufbrach, spielte die Sorge um das Coronavirus noch keine Rolle. Die beiden sind im Perspektivkader der deutschen Segel-Nationalmannschaft, im vergangenen Jahr belegten sie den zweiten Platz bei der Junioren-WM. In China wollen sie sich auf die nächsten Wettbewerbe vorbereiten.

Verlassen des Gebäudes ist nur mit Mundschutz erlaubt

„Für uns ist es das letzte große Trainingslager, bevor Anfang März die deutsche Olympia-Qualifikation anfängt“, sagt der Berliner. Dann wollen Göttlich, als Steuermann, und Klasen, als Vorschoter, bei der ersten Qualifikationsrunde – der Weltmeisterschaft in Palma de Mallorca – in der Bootsklasse 470er an den Start gehen. Auch wenn sie aufgrund ihres Alters nur Außenseiterchancen auf eine Olympia-Teilnahme hätten, wie Göttlich sagt. Die beiden sind erst 19 Jahre alt.

Ihre China-Reise begann für Göttlich und Klasen am 10. Januar „Als wir angekommen sind, war alles normal“, erzählt der Berliner. Das änderte sich anderthalb Wochen später. Die Infektionszahlen stiegen immer weiter. „Da hat der chinesische Seglerverband beschlossen, dass der Stützpunkt nach dem Modell von Wuhan isoliert wird“, sagt Göttlich. Seither gilt: „Kein Mitarbeiter, kein Segler darf das Gebäude mehr verlassen, außer zu dem Zweck zu segeln“, erzählt er. Wenn sie die Straße überqueren und die 20 bis 30 Meter zum Wasser gehen wollen, müssen die Sportler einen Mundschutz tragen. „Die Führung nimmt das sehr ernst. Es wird jedes Mal Fieber gemessen, wenn man das Haus verlässt und zurückkommt.“ Zusätzlich müsse jeden Morgen das Fieber gemessen und die Temperatur gemeldet werden.

Wegen Coronavirus: Strenge Regeln für den Kontakt unter Sportlern

Und auch für den Aufenthalt im Haus gibt es strenge Auflagen. „Das Gebäude ist hierarchisch aufgebaut“, erklärt Göttlich. „Je weiter unten man wohnt, desto niedriger ist man in der Rangordnung.“ Das heißt: Die Olympia-Teilnehmer sind ganz oben, die Provinzial-Teams ganz unten untergebracht. Für den Kontakt untereinander wurde inzwischen eine Regel aufgestellt. „Den Sportlern aus den unteren Stockwerken ist es nicht erlaubt, nach oben zu gehen“, sagt der Berliner. Dasselbe gilt in die andere Richtung. „Wir bewegen uns im Prinzip nur noch zwischen vier Zimmern: dem Kraftraum, dem Essensraum, unserem Raum, und dem Zimmer vom Trainer.“

Gleichzeitig werden die Sportler nach außen abgeschirmt. Der öffentliche, angrenzende Strand sei so abgesperrt, dass es keinen Kontakt zwischen den Seglern und Besuchern geben kann, sagt Göttlich. Die Reinigung der Zimmer wurde eingestellt, weil das Personal aus einem nahen Hotel kam. Lieferungen würde man ebenfalls so gestalten, dass es keinen Kontakt zwischen Menschen auf dem Stützpunkt und Lieferanten gibt. Und als kürzlich doch einmal ein Mitarbeiter für eine „Sammelbestellung“ einkaufen ging, sei alles bei der Ankunft desinfiziert worden.

Deutscher Segler-Verband verfolgt Aufenthalt der beiden Segler in China

„Wir haben inzwischen einen absoluten Lagerkoller“, sagt der Berliner, der sein Jurastudium zurzeit unterbrochen hat. Hinzu kommt, dass auch die Kommunikation nach außen nicht ganz leicht ist: „Facebook oder WhatsApp funktionieren nicht, wenn man sich ins Wlan einloggt“, sagt er. Wollen sie die Apps nutzen, geht das nur über mobile Daten. Aktuelle Nachrichten über das Coronavirus müssen sich die Segler selbst suchen, offiziell werde man von der Leitung oder Mitarbeitern des Stützpunktes nicht informiert.

Aufmerksam verfolgt wird die Situation auch vom Deutschen Segler-Verband (DSV). Dieser „steht in regelmäßigem Austausch mit Daniel Göttlich und Linus Klasen“, sagt Sportdirektorin Nadine Stegenwalner. Nach der Rückkehr der beiden werde der DSV, abhängig von den durch die Bundes- und Gesundheitsbehörden veranlassten Maßnahmen, entscheiden, ob weitere Untersuchungen erforderlich sind.

Immerhin: Am 7. Februar werden Göttlich und Klasen wohl China wie geplant verlassen und nach Deutschland zurückkehren können. Zwar sei der ursprüngliche Flug von der Linie China Southern Airlines gestrichen worden, ein Ersatz wurde aber gefunden. Auch für das Training in Haikou zieht Göttlich ein positives Fazit. „Es ist ein sehr effektiver Monat gewesen. Trainingstechnisch war es so, wie wir uns das vorgestellt haben“, sagt der 19-Jährige. Die Qualifikationsrunden für Olympia können also kommen.