Nachwuchssportler

Luisa Pohle kämpft mit eisernem Willen und bösem Blick

Die Berlinerin Luisa Pohle ist eine der besten Karatekämpferinnen Deutschlands und hat die Olympischen Spiele im Visier.

Luisa Pohle begann im Alter von sieben Jahren mit Karate.

Luisa Pohle begann im Alter von sieben Jahren mit Karate.

Foto: Tilo Wiedensohler / camera4

Berlin. Luisa Pohle zählt zu den besten Karatekämpferinnen in Deutschland. Gegner kennt sie keine, was allerdings nicht daran liegt, dass sich niemand mehr trauen würde, gegen sie anzutreten. Vielmehr braucht sie für ihre Auftritte gar kein Gegenüber aus Fleisch und Blut. Die 15-Jährige tritt in der Karatedisziplin Kata an, bei der die Teilnehmer bestimmte Bewegungsabläufe präsentieren müssen. Bewertet werden die Schwierigkeit und die Ausführung. Es ist der Kampf gegen einen imaginären Gegner – eine Art Kür, wie man sie vom Eiskunstlauf kennt. Bloß dass die Karatekämpfer bei ihrer Übung auf keinen Fall lächeln dürfen, sondern im Gegenteil sogar möglichst böse gucken sollen.

Dabei hätte Luisa in diesem Jahr allen Grund zur Freude gehabt. Bei den deutschen Jugendmeisterschaften wurde sie Dritte, beim international besetzten Banzai Cup in der Sporthalle Charlottenburg Zweite und beim JKS World Cup in Dublin trug sie sogar gleich in zwei Wettbewerben den Sieg davon: bei den Mädchen sowie im Mixed-Wettkampf.

Am Donnerstag startet die Berlinerin bei der Youth League in Venedig

Als Belohnung gab es obendrein auch noch die Auszeichnung als Berliner Nachwuchssportlerin des Monats Dezember. In dieser Woche will sie ihrer Erfolgsbilanz ein weiteres Kapitel hinzufügen. Am Donnerstag fliegt die Sportlerin vom Berliner TSC zusammen mit ihrem Coach David Herms zur Youth League nach Venedig, einem der wichtigsten Turniere in ihrer Altersklasse. „Mein Ziel ist auch dort eine Medaille“, sagt sie. Ihr Trainer meint: „Andere Athleten sind vielleicht talentierter, aber Luisa hat einen eisernen Willen. Im Training lässt sie sich nie hängen und zieht in jeder Einheit voll durch.“

Mit sieben Jahren hatte die Blankenfelderin mit Karate begonnen. Davor spielte sie Fußball, doch eine Einzelsportart passte besser zu ihr. „Ich möchte für meine Leistung selbst verantwortlich und nicht von anderen abhängig sein“, sagt sie. Anfangs startete sie parallel zu Kata auch in der Disziplin Kumite, bei der zwei Kämpfer klassisch gegeneinander antreten, doch seit 2017 konzentriert sie sich ganz auf den Einzelwettkampf. Dabei sei es ein Trugschluss, sagt Luisa, dass es ohne Gegner einfacher wird. „Beim Kata werden die Bewegungen langsamer, aber auch sauberer ausgeführt. Gerade die tiefen Positionen länger zu halten, ist auf Dauer ziemlich anstrengend“, erklärt sie.

Start bei den Olympischen Jugendspielen 2020 ist das Ziel

Schon ein Wackler zuviel kann zudem über Sieg und Niederlage entscheiden. Für die Sportler bedeutet das eine enorme psychische Belastung. Grundsätzlich sind die Bewegungsabläufe beim Kata jedoch die gleichen, die auch im Kampf angewendet werden. Schläge, Stöße und Tritte zählen dazu, aber auch bestimmte Blocktechniken und Feger. Diese Vielfalt ist es, die den Sport für sie so interessant macht. Sie interessiert sich sehr für die Geschichte dieser Kampfkunst, die ursprünglich aus Japan stammt.

In Tokio wird Karate 2020 auch seine olympische Premiere erleben. „Das ist eine gute Gelegenheit, um unsere Sportart einem größeren Publikum näherzubringen“, sagt die Berlinerin, für die Olympia aber noch zu früh kommt. Realistischer ist ein Start bei den Olympischen Jugendspielen 2022 in Senegals Hauptstadt Dakar. „Luisa hat viel Potenzial“, glaubt David Herms. An ihrem Ausdruck müsse sie zwar noch arbeiten und dabei noch extrovertierter werden. „Aber wenn sie das hinbekommt, stehen ihr alle Türen offen. Perspektivisch sehe ich sie ganz weit oben.“

Jeden zweiten Dienstag im Monat stellen wir Berlins Nachwuchssportler des Monats vor. Alles zur Wahl und Stimmabgabe unter www.morgenpost.de/nachwuchssportler