Schwimm-Weltcup in Berlin

Schwimmerin Anna Elendt: Ganz locker zu große Zielen

Die 18-Jährige war die große Überraschung der WM. In Berlin startet sie in die Olympiasaison und will es nach Tokio schaffen.

Anna Elendt ist deutsche Meisterin über 50 und 100 Meter Brust.

Anna Elendt ist deutsche Meisterin über 50 und 100 Meter Brust.

Foto: Bernd Thissen / picture alliance/dpa

Berlin. Einen Charakterzug, so scheint es, kann man Anna Elendt durchaus ansehen. Die junge Frau lacht bei jeder Gelegenheit, sie strahlt unheimlich viel Freude aus. Und so verwundert es dann auch kaum, dass sie es als eine ihre Stärken beschreibt, immer recht „locker zu bleiben“. Das hat einige Vorteile, gerade für Sportler, die unter Erwartungsdruck Höchstleistungen bringen sollen. „Ich bin nicht so verkrampft wie andere“, erzählt die Darmstädterin.

Diese Eigenschaft, diese Unbekümmertheit war neben ihrem Talent ein Grund dafür, dass sie Ende Juli bei der Schwimm-WM in Südkorea das Finale über 50 Meter Brust erreichte und dort Siebte wurde. Das überraschte viele, auch sie selbst. Es machte auch Hoffnung, dass für die deutschen Beckenschwimmer bald wieder bessere Zeiten anbrechen. Mit Florian Wellbrock (22), dem Weltmeister über 1500 Meter, und Sarah Köhler (25), der WM-Zweiten über 1500 Meter, gibt es wieder starke Athleten, die dem Schwimmen wieder zu mehr Ansehen verhelfen können. Anna Elendt wurde vor gut einem Monat erst 18 Jahre alt, auch sie besitzt dieses Potenzial.

Ab Januar zählen die Zeit für Tokio

In Berlin kann sie das jetzt vielleicht noch nicht ganz zeigen. „Ich werde den Weltcup als Standpunktbestimmung sehen, einfach mein Bestes geben und das Schwimmen genießen“, sagt Elendt. Hinter ihr liegt ein Trainingslager, zwei Tage verbrachte sie schnell noch mit den Eltern auf Mallorca, nun will sie in der Schwimm- und Sprunghalle an der Landsberger Allee in die olympische Saison starten. Erst einmal mit kleinen Zielen: „Ich möchte wieder schnell werden.“ Ab Januar wird es dann ernst, dann müssen die Zeiten erbracht werden, mit denen sich die Schwimmer für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 qualifizieren.

Vor ein paar Monaten war Tokio nicht mehr als eine Worthülse, inzwischen ist es ein realistisches Ziel. „Dass Olympia vor der Tür steht, ist ein neuer Ansporn, noch mehr zu trainieren, noch mal ein paar Sachen zu verändern“, erzählt die Schülerin. Die Auswirkungen der wichtigesten Veränderung spürte sie aber schon in Südkorea. Von Darmstadt wechselte sie vor gut einem Jahr nach Frankfurt/Main, auf eine richtige Sportschule. „Ich war viel fokussierter, die Lehrer gehen mehr auf einen ein. Ich habe dort bessere Möglichkeiten“, so Elendt, die nun vor dem Unterrichtsbeginn schon zwei Trainingseinheiten abspult.

Die Paradestrecke ist nicht olympisch

Deshalb hat sie auch nicht daran gedacht, die Schule jetzt für Olympia zu unterbrechen. Sie befindet sich im letzten Jahr, das Abitur steht parallel zur Tokio-Vorbereitung an. „Schule ist einfach wichtig, ich versuche, über die Doppelbelastung gar nicht nachzudenken“, so die junge Sportlerin, die aufgrund ihrer Erfolge nun noch eine weitere Ablenkung meistern muss. Das öffentliche Interesse an ihr ist deutlich gestiegen. Von ihren Zielen lässt sie sich dadurch allerdings nicht abbringen.

In Berlin startet die Hessin am Sonnabend auch über 100 Meter (Finals ab 17.30 Uhr). Das wird für diese Saison die wichtigste Strecke. „Darauf fokussiere ich mich, schaue aber auch, dass die 200 Meter nicht hinten runter fallen.“ Die 50 Meter Brust sind nämlich nicht olympisch, schade für Anna Elendt. Über die 100 Meter war sie bei der WM noch ein kleines Stück entfernt vom Einzug in das Halbfinale. Mit ihrem Talent, ihrer Lockerheit und den besseren Bedingungen scheint bei ihr aber vieles möglich. Auch eine Überraschung bei Olympia.