Baseball-Profi Max Kepler hat bei den Minnesota Twins in der US-Profiliga MLB mit 36 Homeruns einen Europarekord aufgestellt. Der 26 Jahre alte Berliner übertraf die Marke des gebürtigen Schotten Bobby Thomson aus dem Jahr 1951. Ein Beleg dafür, dass Kepler längst in der MLB angekommen ist. Seine Heimatstadt trägt er jedoch immer noch im Herzen, wie er im Interview mit der Morgenpost verrät.
Herr Kepler, Sie werden in der Homerunliste der Major League Baseball auf Platz 16 geführt. Vor Ihnen sind nur Spieler aus den großen Baseball-Nationen USA, Venezuela und Kuba. Wie überrascht sind Sie selbst?
Max Kepler: Es ist nicht schockierend, aber schon außergewöhnlich für einen Deutschen, in dieser Liga als Powerhitter dazustehen und überhaupt auf diesem Level Baseball zu spielen. Aber da steckt viel Arbeit dahinter – in der Saisonpause und während der Saison. Ich bin immer am schuften, will mich immer verbessern. Allerdings versuche ich auch, in der Gegenwart zu bleiben, denke mir nicht so viel während der Saison, schaue mir nicht meine Statistiken an. Aber nach der Saison feier’ ich das dann mit meinen Eltern, meiner Familie. Es ist auf jeden Fall etwas sehr Besonderes für mich.
Sie sind erst der zweite Deutsche nach Donald Lutz (spielte 2013/14 für Cincinnati/Anm. d. Red.) in der MLB – und der erste, der sich richtig durchgesetzt hat. Welche Rolle spielt Ihre Nationalität in der Umkleide?
Am Anfang hieß es schon: ‘Guck’ mal, der Deutsche.’ Aber mittlerweile kommt das nicht mehr so oft vor. Ich habe mich eingespielt. Und ich bin halt der Max.
Mit welchen persönlichen Zielen sind Sie im März ihn Ihre vierte MLB-Saison gestartet?
Ich setze mir nie irgendwelche spezielle Zahlen als Ziel, sondern will einfach gesund bleiben, Spiele gewinnen, Spaß haben.
In den vergangenen beiden Spielzeiten haben Sie zusammengerechnet 39 Homeruns geschlagen. In dieser Saison sind es bereits 36. So oft hat in der 116-jährigen MLB-Geschichte noch kein Europäer den Baseball auf die Tribünen oder gar aus den Stadien gedroschen. Wie erklären Sie sich diese Leistungssteigerung?
Ich versuche einfach, den Ball hart zu treffen und ihn so ins Spiel zu bringen. Ich hasse Strikeouts (der Spieler trifft dreimal nicht die korrekten Würfe des Pitchers und wird damit als Aus gewertet wird). Es ist hart, jeden Tag zu spielen, positiv zu bleiben. Wenn ich einen Homerun schlage, ist das etwas sehr Besonderes, ich bin sehr dankbar dafür. Und es hat, glaube ich, auch etwas damit zu tun, ob man sich im Team und in der Liga wohlfühlt. Das ist jetzt mein viertes Jahr in der MLB – und zum Glück habe ich schon zwei, drei Jahre mit denselben Mitspielern absolvieren dürfen. Wir sind so ein bisschen wie eine kleine Familie, kennen uns sehr gut und haben Spaß zusammen. Und wenn man Spaß hat, geht alles einfacher.
Wo sehen Sie sich mit Ihren 26 Jahren in Ihrer Karriere?
Ich werde mich hoffentlich bin ans Ende meiner Karriere immer weiterentwickeln. Ich will immer lernen, mich immer verbessern. Und man verbessert sich am meisten in unserem Sport, wenn man nichts trifft. Aus Spielen, in denen ich nur daneben geschlagen habe, lerne ich mehr, als wenn ich den Ball treffe und Erfolg habe.
Was ist für Sie wichtiger: Offensive oder Defensive?
Ich will ein kompletter Spieler und in jedem Bereich gleich gut sein. Aber unser Sport geht eher in Richtung Offensive (in dieser Saison wurden so viele Homeruns geschlagen wie noch nie zuvor/Anm. d. Red.), also mehr Powerhitter, mehr Homeruns. Und zum Glück habe ich in diesem Jahr ein bisschen an Power zugelegt.
Wie wichtig ist es in Ihrem Sport, nicht nur Power zu haben, sondern auch gelenkig zu sein?
Sehr wichtig. Mein Ziel ist es, mehr Yoga zu machen. Ich will in der Saisonpause Yoga-Klassen besuchen, um richtig flexibel zu werden. Denn meine Hüften sind sehr angespannt – und ich denke, Yoga wäre da ganz gut.
Sie könnten sich Tipps von Ihren Eltern holen, die ja beide Balletttänzer waren.
Ja. Die können beide einen Spagat. Und ich habe die angespannten Hüften (lacht).
Sie sind in der Offensive der erste Twins-Spieler, der am Schlag steht, haben die meisten Homeruns Ihres Teams. Welchen Status genießen Sie innerhalb der Mannschaft?
Hier ist jeder gleich. Jeder respektiert den anderen. Ich will auch gar nicht über den anderen stehen, sondern immer auf dem gleichen Level sein wie meine Mitspieler. Denn ansonsten wäre die Mannschaft aus der Balance.
Wie ist Ihr Erfolg außerhalb der Baseballstadien messbar?
Ich habe in Minnesota einige Werbespots.
Wofür werben Sie?
Och, alles Mögliche. Autoreifen, Baseball-Sachen, Kopfhörer, Radios.
Wie sind die Reaktionen aus Deutschland auf Ihre starke Saison?
Gut. Ich höre hier und da mal was von ehemaligen Mitspielern und Trainern. Aber außerhalb der Baseball-Community bekommt das niemand mit.
Wann waren Sie zuletzt in Berlin?
Im vergangenen Oktober und November, einen Monat.
Wie oft wurden Sie erkannt?
Kaum. In Berlin, oder in Deutschland generell, ist Baseball ja nicht so groß. Aber mir gefällt’s, wenn ich unerkannt bleibe.
Wann werden Sie mal wieder nach Berlin kommen?
Im November. Da veranstalte ich drei Baseballcamps für Kinder und Jugendliche in Berlin, Frankfurt und Regensburg. Den Anfang mache ich in Berlin und werde extra früher anreisen, um die Stadt und Zeit mit meiner Familie zu genießen.


