Tour de France

Berliner Kluge ist zur Hälfe der Tour schon fast am Ziel

Roger Kluge führt Sprinter Ewan in die Finals der Flachetappen der Tour. Die nächsten Tage in den Bergen sind eher zum Genießen da.

Roger Kluge (2.v.r.) bei einer Ausfahrt mit seinem Team während der Tour de France.

Roger Kluge (2.v.r.) bei einer Ausfahrt mit seinem Team während der Tour de France.

Foto: Gvgvia www.imago-images.de / imago images / Panoramic International

Toulouse.. Die Emotionen überwältigten Roger Kluge. Der 33-jährige Hüne ist für den belgischen Rennstall Lotto Soudal als Anfahrer für Caleb Ewan bei der Tour de France. Das Muskelpaket, 28 Zentimeter kleiner als sein Vorbereiter, gilt als einer, der auch einmal so erfolgreich werden kann wie ein Mark Cavendish. Der holte 30 Touretappen.

Bis zur 10. Etappe blieb dem potenziellen Nachfolger aber das ganz große Erfolgserlebnis verwehrt. Dreimal Dritter und einmal Zweiter war er bei den Massensprints. „Zwei dritte Plätze gehen auch ein wenig auf unsere Rechnung. Im Sprintzug waren wir vielleicht etwas übermotiviert. Es waren keine richtigen Abstimmungsprobleme, aber die Kommunikation lief nicht ganz rund“, sagt Kluge.

Tolle Teamleistung bei der Tour

Am Mittwoch aber konnte der Berliner endlich jubeln. Er hatte seinen Sprinter perfekt vorn abgeliefert. Und Ewan fuhr auch zum Sieg. Mit Tränen der Freude in den Augen wartete der Berliner im Zielbereich, bis Ewan zu ihm fuhr. Der große und der kleine Profi lagen sich glücklich in den Armen. Der Bodyguard – als ein solcher fungiert Kluge für Ewan während der Etappen – und seine Schutzperson hatten sich gefunden.

Kluge fiel mit dem Sieg ein Stein vom Herzen. „Endlich hat es geklappt. Wir hatten zwar schon unser Minimalziel mit dem Etappensieg von Thomas De Gendt erreicht. Aber wir waren ja vor allem hierher gekommen, um mit Caleb eine Etappe zu gewinnen“, sagt er.

Für Kluge läuft alles nach Plan

Das ist nun abgehakt. Für den Berliner fand eine bis dahin schon recht erfolgreiche Tour ihren bisherigen Höhepunkt. „Wir brauchen uns bislang wirklich nicht beklagen. Thomas hatte zuvor schon die Etappe geholt. Tim Wellens fährt im Bergtrikot. Wir waren in den Ausreißergruppen präsent und auch im Massensprint immer mit dabei“, lautet sein Fazit der ersten Hälfte der Rundfahrt.

Selbst fühlt er sich bei seiner mittlerweile dritten Tour auch pudelwohl. „Ich bin nicht gestürzt“, sagt er und sucht dabei ein Stück Holz zum Klopfen. Im Gegensatz zu früheren Jahren blieb er auch von Erkältungen verschont. Den nächsten Tagen schaut er mit Respekt entgegen. Denn es kommen die Giganten der Berge. Am Sonnabend schon der Tourmalet, nächste Woche Galibier und Co.

Schachmann in starker Form bei Yates-Sieg

Am Donnerstag auf der ersten schweren Bergetappe war der Berliner zunächst in der Spitzengruppe, fiel dann aber zurück. Ein anderer Berliner blieb fast bis zum Schluss vorn dabei, Maximilian Schachmann vom deutschen Team Bora-hansgrohe wurde in der ersten Verfolgergruppe 16. (1:28 Rückstand) beim Tagessieg von Simon Yates (Großbritannien), der nach 209,5 Kilometern von Toulouse nach Bagneres-de-Bigorre den Sprint eines Trios gewann. Schachmanns Teamkollege Gregor Mühlberger (Österreich) wurde dabei Dritter.

Für einen wie Kluge mit seiner Größe und seinem Gewicht sind die Berge kein Zuckerschlecken. „Aber eigentlich mag ich die langen Anstiege sogar lieber als die kurzen, explosiven, die wir in der ersten Woche hatten. Da fährt man dann zwar schneller hinauf, aber das ist dann auch das Problem. Bei den langen Gipfeln kann man es sich besser einteilen. Man muss nur auf das Zeitlimit achten“, meint er.

Der Zielsprint in Paris lockt

Die Bergtage wird er im Gruppetto verbringen, jener Gruppe von abgehängten Fahrern, die gemeinsam weit hinter der Spitze das Ziel zu erreichen versuchen. Auf das fröhliche Plaudern mit den Kollegen freut er sich schon. Richtig bummeln dürfen sie aber auch nicht. Denn die Tour bis zum Ende fahren will, ja muss Kluge. Es winkt der Zielsprint auf den Champs Elysees. Dort noch einmal Ewan in gute Position zu bringen, ist das finale Ziel.

Das Zeitfahren in Pau am heutigen Freitag liegt Kluge eigentlich. Der zweifache Weltmeister auf der Bahn ist da für ein passables Ergebnis gut. Doch er will seine Kräfte gut dosieren. „Für mich wird das ein Ruhetag. Ich habe da keine Ambitionen und fahre zügig, aber nicht mit voller kraft durch“, erzählt er.