Tennis

Wimbledon: Cori Gauff ist das neue Tennis-Wunderkind

Eine 15-Jährige fasziniert die Tennis-Welt. Cori Gauff aus den USA hat sich vorgenommen, das Turnier in Wimbledon zu gewinnen.

Kampf gegen die Tränen: Cori Gauff ist nach ihrem Sieg über Venus Williams schlicht überwältigt von dem, was ihr da gelungen ist.

Kampf gegen die Tränen: Cori Gauff ist nach ihrem Sieg über Venus Williams schlicht überwältigt von dem, was ihr da gelungen ist.

Foto: TOBY MELVILLE / Reuters

London. Das, was sie erreichen will in ihrem Leben als Tennisprofi, formulierte Cori Gauff so unbedarft, wie es Teenager tun, die davon überzeugt sind, dass ihnen die Welt offen steht. „Ich will die Größte aller Zeiten werden. Mein Vater hat mir gesagt, dass das möglich ist, als ich acht Jahre alt war, und ich glaube daran“, sagte die US-Amerikanerin, nachdem sie im Generationenduell in der ersten Runde der All England Championships in Wimbledon ihre Landsfrau Venus Williams mit 6:4 und 6:4 besiegt hatte.

Cori Gauff bewahrt in Wimbledon die Ruhe

24 Jahre liegen zwischen der fünfmaligen Wimbledonsiegerin, mithin älteste Spielerin im Hauptfeld, und dem neuen Tennis-Wunderkind, das mit 15 Jahren und 122 Tagen die jüngste Spielerin war, die sich in der Geschichte der Profitennis-Ära (seit 1968) für das Hauptfeld des wichtigsten Grand-Slam-Turniers des Jahres qualifizieren konnte.

Dass sportlich dagegen kaum ein Unterschied zwischen Gauff und ihrem Idol besteht, davon konnten sich die begeisterten Fans auf Showcourt 1 ein Bild machen. Mit einer Mischung aus Unbekümmertheit, Selbstvertrauen und einer fast schon unheimlichen Coolness hatte sich die Weltranglisten-301. gegen die an Position 44 notierte 39-Jährige in Szene gesetzt und trotz dreier vergebener Matchbälle im vierten Versuch die Ruhe bewahrt.

Zum ersten Mal nach einem Match vor Freude geweint

Nach dem letzten Punkt liefen Tränen der Rührung. „Es war das erste Mal, dass ich nach einem Tennismatch vor Freude geweint habe“, gab die Siegerin zu Protokoll. Die Reife, mit der sie anschließend auf der Pressekonferenz alle Fragen der internationalen Journaille parierte, verstörte fast ein wenig.

Da saß ein Teenager, der gerade sein eigenes Idol vom Sockel gestoßen hatte, und referierte darüber, „dass ich dieses Turnier angehe wie jedes andere Turnier auch“. Sie sei „nicht überrascht darüber gewesen, dass ich gewonnen habe, sondern einfach überwältigt von den Gefühlen“.

Auch die Eltern waren Leistungssportler

Tatsächlich scheint der Weg der Cori Gauff, die lieber auf ihren Spitznamen Coco hört, vorgezeichnet zu sein. Ihre Eltern, die auf der Tribüne mitfieberten, waren selbst erfolgreiche Leistungssportler, der Vater im Basketball, die Mutter in der Leichtathletik. Die Tochter betrieb lange auch diese beiden Sportarten, fühlte sich im Tennis aber stets am wohlsten.

Ihr besonderes Talent zeigte sich früh. Als 13-Jährige stand sie 2017 im US-Open-Juniorinnenfinale, ein Jahr später siegte sie bei den French Open und übernahm im Juli 2018 als jüngste Spielerin der Geschichte die Spitzenposition in der Juniorinnen-Weltrangliste.

Beim gleichen Manager unter Vertrag wie Federer

Dass so eine das Interesse der Tenniselite weckt, überrascht kaum. Ihr Trainer ist Patrick Mouratoglou, Langzeitcoach von Serena Williams und einer der renommiertesten Übungsleiter weltweit. Gemanagt wird die Schülerin, die in der Wimbledon-Qualifikation mit einer Wildcard gestartet war und sich in drei glatten Zweisatzmatches behauptete, von Roger Federers Management. „Roger ist, genau wie Venus und ihre Schwester Serena, eine Inspiration für mich“, sagte sie.

Nach dem Sieg am Montagabend kniete Cori Gauff auf dem Court nieder, um Gott mit einem Gebet zu danken. Ihr Glaube, sagte sie, helfe ihr dabei, ihre Ziele zu erreichen, auch vor ihren Matches bitte sie in einem Gebet um Gesundheit für sich und ihre Gegnerin.

Nächste Gegnerin ist Magdalena Rybarikova

Der Glaube an sich selbst scheint allerdings mindestens genauso ausgeprägt zu sein. Was sie denke, wie weit sie es in diesen Wochen in Wimbledon noch bringen könne, wurde sie zum Abschluss gefragt. „Mein Ziel ist es, das Turnier zu gewinnen“, sagte sie. Die nächste Hürde auf dem Weg dorthin ist am Mittwoch die Slowakin Magdalena Rybarikova.