Aufstieg mit Norwich City

Der Berliner Tom Trybull und sein Weg in die Premier League

Vom gescheiterten Supertalent zum Premier-League-Profi: Wie Tom Trybull nach etlichen Rückschlägen sein Glück bei Norwich City fand

Ich fass’ es nicht, ich darf in die Premier League: Der Berliner Tom Trybull von Norwich City.

Ich fass’ es nicht, ich darf in die Premier League: Der Berliner Tom Trybull von Norwich City.

Foto: Cover Images / pa/ Daniel/phcimages/Cover Images

Norwich/Berlin.  Die Gemeinheit des Schicksals lächelte Tom Trybull einfach weg. Bei Norwich Citys letztem Schritt zum großen Coup hatte der Berliner nur zuschauen können, aber was sollte das schon ändern? Wer in Fußball-Gottes Namen würde nicht vor Freude strahlen, wenn eine bis dahin komplizierte Karriere plötzlich in der populärsten Liga der Welt mündet?

Und genauso war es nun ja gekommen: Das 2:1 gegen Blackburn besiegelte am Sonnabend Norwichs Aufstieg in die Premier League. Nach dem Schlusspfiff humpelte der am Knöchel verletzte Trybull auf den Platz und blickte glückselig in die Kameras. „We’re going up!“, stand auf dem Transparent, das er in seinen Händen hielt, „wir steigen auf!“

Unter Ex-BVB-Coach Farke spielen etliche Deutsche

Es ist zwar keine ganz neue Geschichte, die die „Canaries“ in der zweitklassigen Championship geschrieben haben, aber bemerkenswert ist sie allemal. Als eine Art Huddersfield 2.0 setzte der Klub aus der 200.000-Einwohner-Stadt im Osten Englands konsequent auf Personal made in Germany.

Neben Trainer Daniel Farke (42), der zuvor die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund verantwortete, wirk(t)en auch etliche deutsche Profis in Norwich, darunter der frühere BVB-Verteidiger Felix Passlack, Ex-Bundesligaprofi Moritz Leitner und eben Trybull (26). Der galt einst als eines der hoffnungsvollsten Talente der Hauptstadt, doch der große Durchbruch sollte ihm nie gelingen.

Werder-Manager Allofs war vom Berliner begeistert

Als Kind kickte Trybull beim BFC Dynamo und Lichtenberg 47. Als es mit dem Fußballspielen ernster wurde, wechselte er zum 1. FC Union, wo er als 15-Jähriger bereits ins U17-Regionalliga-Team befördert wurde. Auch danach verlief sein Aufstieg rasant. Nach seinem Wechsel zu Hansa Rostock wurde er unter Herthas heutigem A-Jugend-Trainer Michael Hartmann deutscher U19-Meister – mit gerade mal 17 Jahren.

2011 dann der vermeintlich große Karrieresprung für den U-Nationalspieler: Trybull folgte dem Ruf von Werder Bremen, damals noch Stammgast in der Champions League. „Im Mittelfeld des FC Barcelona würde Tom nicht negativ auffallen“, befand Manager Klaus Allofs seinerzeit, doch als Trybull in Bremen nicht besonders positiv auffiel, verkehrte sich der Aufstieg zum Abstieg. Seine weiteren Stationen: St. Pauli und Greuther Fürth (wo er lediglich für die zweite Mannschaft in der Regionalliga Bayern spielte) und ADO Den Haag. Die große Fußball-Bühne sieht anders aus.

Schlüsselspieler im defensiven Mittelfeld

Aufgegeben hat Trybull trotzdem nie. In Holland mauserte er sich zur Stammkraft und dockte schließlich in Norwich an, wo Sportchef Stuart Webber sein in Huddersfield erprobtes Erfolgsrezept anwendete. Er fahndete gezielt nach technisch versierten Spielern, die in Deutschland gescheitert waren.

In der Saison 2017/18 wurde Trybull zwar noch von Verletzungen zurückgeworfen, doch im Kalenderjahr 2019 hat sich der defensive Mittelfeldspieler unverzichtbar gemacht. „Für unsere Balance und Stabilität im Zentrum ist er ungemein wichtig“, betont Coach Farke. Tatsächlich entwickelte sich Trybull seit dem Jahreswechsel mit konstant guten Leistungen zur Schlüsselfigur.

Trybull: „Norwich tut dem Fußball gut“

Künftig also heißen die Gegner nicht mehr Reading, Millwall oder Rotherham, sondern Liverpool und Manchester City. Für Trybull nach wie vor kaum zu glauben. „Als ich vor zwei Jahren in Norwich angekommen bin, hätte ich niemals erwartet, dass wir überhaupt in die Nähe der Premier League rücken“, sagt er, „das ist unglaublich, und es ist grandios, ein Teil davon zu sein.“

Für Trybull ist der Aufstiegs-Coup auch ein Beleg dafür, dass der einfachste Weg nicht immer der beste sein muss. „Wir haben gezeigt, dass Erfolg nicht nur eine Frage des Geldes ist, sondern auch eine Frage der Philosophie und des Vertrauens“, sagt er nicht ohne Stolz. Er ist sich sicher: „Norwich tut dem Fußball gut.“