Radsport

Schachmann entwickelt sich zum Spitzenfahrer

Der Berliner Radprofi wird in seinem neuen Team Bora schnell zu einer wichtigen Figur und eilt von Sieg zu Sieg

Der führende Mann bei der Baskenland-Rundfahrt: Maximilian Schachmann

Der führende Mann bei der Baskenland-Rundfahrt: Maximilian Schachmann

Foto: Ion Alcoba Beitia / dpa

Berlin/Arrigorriaga. Berlin liegt hinter ihm. Nicht nur, weil er gerade in Spanien durch die Gegend fährt. Maximilian Schachmann ist umgezogen, weg aus Hohenschönhausen, auf die Schweizer Seite des Bodensees. Dort gefalle es ihm und seiner Freundin, die Bedingungen für den Radsport seien perfekt, ein paar Kollegen wohnen ja auch dort. Und Steuern lassen sich so auch noch sparen.

Aber Letzteres ist ja nur ein Nebeneffekt. Der Umzug lässt sich vor allem symbolisch einordnen. Als neuer Abschnitt im Leben des Profi-Radsportlers Schachmann. Den hat der 25-Jährige schon am Ende der vergangenen Saison eingeläutet mit dem Wechsel vom Team Quick-Step Floors zur deutschen Mannschaft Bora-hansgrohe, für die er seit diesem Jahr fährt.

Klöden bisher einziger deutscher Sieger im Baskenland

Erfolgreicher sogar als erwartet. Bei der Baskenland-Rundfahrt gelangen ihm in dieser Woche drei Siege, zuvor gewann er bereits ein Teilstück der Katalonien-Rundfahrt. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich muss danke sagen, an mein Team. Ich bin neu in der Mannschaft und nicht als großer Star gekommen, aber ich hatte 150 Prozent Support und am Ende auch die Beine. Ich habe nicht oft im Gelben Trikot eine Etappe gewonnen“, sagte Schachmann nach dem Erfolg am Mittwoch, als er bei einem Bergsprint als Erster im Ziel war. Am Donnerstag verteidigte er sein Gelbes Trikot als Gesamtführender auf der Etappe von Vitoria-Gasteiz nach Arrigorriaga über 163 Kilometer, indem er erneut gewann und nun seinen ersten Rundfahrt-Erfolg anpeilt. Als bis dato einziger Deutscher gewann Andreas Klöden in den Jahren 2004 und 2011 die anspruchsvolle Fahrt durchs Baskenland.

Kein Fast Food und keine Pizza mehr

Der große Star im Team Bora ist immer noch Peter Sagan, der dreimalige Weltmeister. Am Sonntag tritt er beim Monument Paris-Roubaix an, wo er Titelverteidiger ist. Bislang lief es für den Slowaken nicht so gut wie gewohnt, erst ein Etappensieg bei der Tour Down Under steht für ihn in der Statistik. Schachmann dagegen liefert ein Spitzenresultat nach dem nächsten, ist neben den Erfolgen oft vorn dabei. Zum Auftakt im Baskenland setzte er sich im Zeitfahren durch. „Vorher habe ich noch nie gegen die Uhr gewonnen, deswegen ist das ein besonderer Sieg für mich, vor allem wenn man sieht, welche starken Fahrer ich hinter mir gelassen habe“, sagte Schachmann.

Bei immer schwereren Rennen ist der Berliner nun einer der Fahrer, die um den Sieg kämpfen. Dafür hat er sein Leben verändert. „Fast Food, Pizza, Nutella – das gibt es nicht mehr“, sagte er dem Fachmagazin „Tour“ unlängst. Eine bewusstere Ernährung ist eine der Grundlagen für seine Entwicklung, die er bei Bora in besseren Händen sieht als bei Quick-Step, dem derzeit erfolgreichsten Team der Welt. „Bei Bora gibt es mehr Möglichkeiten, sich auszutauschen“, so Schachmann, der bei seinem vorherigen Team einige Kommunikationsdefizite bemängelte.

Schachmann will das System verändern

Sechs Profisiege errang Schachmann inzwischen, seine Ambitionen, bei der Tour de France zu starten, hat er mit den jüngsten Erfolgen unterstrichen. „Ich trainiere jetzt mit der Gewissheit, dass ich biologisch die Möglichkeit habe, in der Weltspitze mitzufahren“, erzählte er. Wobei er lange Etappen bei den großen Rundfahrten nicht sonderlich mag. Aber sie gehören nun mal dazu.

Ebenso wie die starren Hierarchien im Peloton, nach denen gestandene Profis mit Erfolgen bevorzugt behandelt werden. Als noch junger Fahrer ist Schachmann aber selbstbewusst genug, diese nicht als gegeben hinzunehmen. „Auch wenn dieses System schon lange existiert, muss ich damit nicht konform sein. Ich bin der Meinung, dass es veraltet ist. Wenn man Kontra gibt, wird das nicht gern gesehen“, sagte der Berliner, der nun in der Schweiz wohnt und das System modernisieren will.