Eiskunstlauf-WM

Mit großer Stabilität auf eine neue Ebene

Das Berliner Eiskunstlauf-Paar Hase/Seegert startet nach einer überraschend guten Saison erwartungsvoll bei der WM in Japan

Anmut auf dem Eis: Minerva Fabienne Hase und Nolan Seegert

Anmut auf dem Eis: Minerva Fabienne Hase und Nolan Seegert

Foto: EMMANUEL FOUDROT / Reuters

Berlin. Ein paar Tage mehr Japan hätten es ruhig sein können, so häufig kommt man dort schließlich nicht hin. Es gab auch die Möglichkeit dazu, aber die Schule geht nun mal vor. Minerva Fabienne Hase (19) steckt gerade in der Abiturvorbereitung, Müßiggang kommt da nicht infrage, weshalb sie den Reisezeitraum so gering wie möglich wählte.

Die dadurch nur kurze Anpassung an die Zeitumstellung macht weder ihr noch Nolan Seegert (26) viel aus. Das Eiskunstlauf-Paar aus Berlin hat sich genügend Sicherheit erarbeitet in den vergangenen Monaten. Überraschend viel sogar. „Es ist besser gelaufen, als wir es uns erträumt hatten“, erzählt Hase. Deshalb sind sogar etwas mehr als nur vorsichtig bescheidene Erwartungen erlaubt bei der WM in Saitama, die am Mittwoch mit dem Kurzprogramm der Paarläufer beginnt. Vielleicht ist ein Platz unter den besten Zehn möglich.

Ausrufezeichen mit Platz sechs bei der EM

Für die aktuelle Situation im deutschen Paarlauf wäre das ein tolles Resultat. Aljona Savchenko und Bruno Massot, Olympiasieger und Weltmeister in der Vorsaison, laufen keine Wettkämpfe mehr. Dass Medaillen dadurch vorerst in weite Ferne rücken würden, war allen klar. Doch mit Hase und Seegert hat sich ein Paar in Position gebracht, von dem das kaum einer so erahnt hätte. Mit Platz sechs bei der EM im Januar gelang ihnen ein Ausrufezeichen, persönliche Bestmarken untermauern den Aufwärtstrend. „Sie sind einen großen Schritt nach vorn gekommen“, sagt Bundestrainer Alexander König.

Viele trauten das eher dem direkt von ihm betreuten Berliner Paar Annika Hocke (18) und Ruben Blommaert (27) zu. Beide erlitten allerdings nach ihrer starken ersten Saison und der Olympiateilnahme im Vorjahr viele Rückschläge durch Krankheiten und Verletzungen. „Das nervt schon“, sagt Hocke. Doch nachdem sie auf die EM verzichten mussten, wollen sie bei der WM nun endlich zeigen, dass sie viel gelernt haben im ersten Jahr bei König, der auch Savchenko/Massot betreute.

Mehr Trainingsarbeit am Programm

Enttäuschungen erlebten Hase/Seegert vergangene Saison, als sie im Duell um den Olympiastartplatz hinter Hocke/Blommaert zurückfielen. Daraus haben sie Kraft geschöpft. „Wir wollten neu anfangen und uns heranarbeiten“, sagt Seegert. Dazu intensivierten sie die Kooperation mit dem Russen Dmitri Savin als drittem Trainer neben Romy Oesterreich und Rico Rex. „Wir arbeiten jetzt mehr mit unserem Programm im Training“, sagt Seegert. Die Elemente werden in den Kombinationen mehr geübt. „Das hat uns geholfen, so stabil zu werden“, erzählt Hase.

Abiturprüfungen nach der Rückkehr aus Fernost

Die Konstanz in ihren Darbietungen imponiert auch König. „Sie machen kaum Fehler. Das hinterlässt immer einen guten Eindruck bei den Preisrichtern“, sagt der Bundestrainer, dessen Paar gemeinsam mit Hase/Seegert im Sportforum trainiert. Beide Duos können sich so aneinander orientieren, und in Japan verstehen sie sich sogar als großes Team. Denn gemeinsam wollen sie es schaffen, die beiden Startplätze auch für die nächsten großen Wettkämpfe zu sichern. Dazu müssen sie in der Addition ihrer Platzierungen unter den besten 28 sein.

Für Hase/Seegert geht es jedoch um mehr bei der WM, um die Gewissheit, auf einer neuen Ebene zu laufen. Bei der EM gelang ihnen den Anschluss an die besten Paare des Kontinents. „Es wäre schön, das beizubehalten und nicht zurückzufallen“, sagt Minerva Fabienne Hase. Eine große Herausforderung, die da in Japan auf sie und Nolan Seegert wartet. Und nach der Rückkehr aus Fernost stehen gleich die nächsten Prüfungen an – für das Abitur.