Halbfinale! Die deutschen Handballer sahen nach dem 22:21 (11:11) gegen Kroatien aus, als müssten sie selbst erst einmal die Tragweite ihres Erfolgs realisieren. Es waren nur wenige Augenblicke - dann brach der Jubel los., lagen sich die Spieler und Bundestrainer Christian Prokop mit seinem Assistententeam in den Armen. Deutschland hat sich vorzeitig den Einzug unter die besten Vier bei der Handball-WM gesichert und wird nach dem abschließenden Hauptrundenspiel am Mittwoch gegen Spanien (20.30 Uhr/ARD) am Freitag in Hamburg um den Final-Einzug weiterspielen.
Bundestrainer Prokop ist erleichtert
Es war das Halbfinale, das sich der Deutsche Handballbund als Ziel gesetzt hatte. „Unser Ziel ist erreicht, das ist einfach überwältigend“, sagte Prokop erleichtert. Und, gibt es einen Wunschgegner dort? „Wir nehmen es, wie es kommt“, kam zur Antwort. Bisher sind die Deutschen damit ja auch bestens gefahren. „Super, sensationell. Das war ein hart umkämpftes Spiel. Wir sind sehr happy, dass wir im Halbfinale sind“, sagte Kai Häfner.
Wagemutig hatte sich die Zielsetzung zunächst angehört. Doch nach drei Siegen und zwei Remis in der Vor- sowie zwei Erfolgen in der Hauptrunde ist mit dem Halbfinaleinzug auch das Spiel um eine Medaille in Herning am Sonntag sicher. Die WM – sie hat auch sportlich die Erwartungen voll erfüllt.
Vorausgegangen waren 60 nervenaufreibende Spielminuten in Köln. Kroatien ging zunächst durch Igor Karacic und Luka Stepancic in Führung, aber Uwe Gensheimer verkürzte in der vierten Minute auf 1:2, Fabian Wiede auf 2:3. Als Andreas Wolff einen Siebenmeter von Zlatko Horvat parierte, schien Deutschland im Aufwind.
Schwere Verletzung von Strobel ein Wermutstropfen
Dann der Schock: Die neunte Minute lief, als Spielmacher Martin Strobel im Angriff zu Boden ging. Ohne Einwirkung des Gegners. Der 32-Jährige hielt sich das linke Knie, minutenlang wurde die Partie unterbrochen. Mit Verdacht auf Innenband- und Kreuzbandriss wurde Strobel ins Krankenhaus gefahren, die WM ist für ihn vorbei.
Kroatiens Trainer Lino Cervar, der „Magier von Umag“, wedelte an der Seitenlinie ärgerlich mit den Armen umher. Nach einer starken Vorrunde fehlte seinem Team in Köln jeder Zauber. Stark spielte die deutsche Mannschaft weiter, kompensierte den Verlust ihres Spielmachers. Paul Drux übernahm in der Rückraum-Mitte das Kommando. Nach Toren von Hendrik Pekeler und Wiede gab es die 4:3-Führung. Die Kroaten um ihren Star Domagoj Duvnjak vom THW Kiel übernahmen nach doppelter Überzahl kurz wieder die Führung, die das Prokop-Team durch Steffen Fäth und Jannik Kohlbacher egalisierte.
Berliner Wiede der heimliche Matchwinner
7:7 in der 17. Minute – es war ein von einer starken Abwehr auf beiden Seiten gekennzeichnetes Spiel. Auch Wolff hielt stark, der Torwart riss immer wieder triumphierend seine rechte Faust in die Höhe. 11:11 zur Halbzeit - eine Leistung, die man nach dem Strobel-Schock so nicht erwarten konnte.
Fabian Böhm brachte sein Team mit zwei Toren 13:12 in Führung. Ein Spielstand, der sieben Minuten lang Bestand haben sollte in diesem Duell der Abwehrreihen. Gensheimer brachte sein Team per Siebenmeter auf 14:13 nach vorn, Häfner erhöhte auf 15:13. Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler verrichteten Schwerstarbeit in der Abwehr, ehe Kohlbacher und Wiede zur Stelle waren. 18:15 in der 46. Minute.
Die Kroaten kämpften sich aber wieder heran. In der 53. Minute fiel das 18:18 durch Marin Sipic, Prokop tauschte Torhüter Wolff für Silvio Heinevetter aus. Die in dieser Phase hohe Zahl an Fehlwürfen hatte sich gerächt. Kroatiens Jakov Vrankovic traf sogar zum 19:18 in der 55. Minute, es sollte also spannend bis in die Schlusssekunden bleiben. Bis Hendrik Pekeler und Uwe Gensheimer zum 22:20 getroffen hatten - zum Halbfinaleinzug. „Man muss die Nerven behalten in solchen Situationen“, sagte der sechsmalige Torschütze und glänzende Vorbereiter Fabian Wiede von den Füchsen Berlin, der heimliche Matchwinner. „Und wir haben auch in der Schlussphase nicht den Kopf verloren.“ Jetzt scheint alles möglich. Sogar mehr als das Halbfinale.


