Reitsport

Ein Turnier als Sprungbrett für die Jugend

Das internationale Reitturnier in Neustadt Dosse setzt auf bewusste Abgrenzung zum Fünf-Sterne-Event am Funkturm.

Harm Lahde (32) geht in Neustadt (Dosse) als einer der Favoriten an den Start.

Harm Lahde (32) geht in Neustadt (Dosse) als einer der Favoriten an den Start.

Foto: Matthias Balk / picture alliance / Matthias Balk/dpa

Berlin.  Im vergangenen Herbst war das Gestüt in Neustadt (Dosse) schlagartig auf der großen Bühne des internationalen Pferdesports angekommen. Bei den Weltreiterspielen in Tryon (USA) siegte Simone Blum auf Alice, kurz darauf holte auch noch Ingrid Klimke mit Asha P den Weltmeistertitel bei den jungen Vielseitigkeitspferden. Beide Stuten sind Nachfahren von Askari, der auf dem Brandenburgischen Haupt- und Landgestüt als Deckhengst gehalten wird.

Zwei Weltmeisterinnen in einem Jahr, das erlebt auch das selbsternannte „Sanssouci der Pferde“ nicht alle Tage. Auch beim CSI, dem internationalen Springreitturnier in der benachbarten Graf-von-Lindenau-Halle, werden die Zuchterfolge in dieser Woche wieder Gesprächsthema Nummer eins sein. „Man merkt schon, dass im Umfeld des Turniers viele auch einen Blick auf die Zucht in Neustadt haben“, meint Turnierdirektor Herbert Ulonska. Ganz bewusst würden beim CSI beide Bereiche miteinander verknüpft.

Reiter aus 14 Nationen sind dabei

Das Turnier findet in diesem Jahr bereits zum 19. Mal statt. Seit Mittwoch wurden zunächst kleinere Prüfungen ausgetragen, ehe am Wochenende die beiden wichtigsten Wettbewerbe stattfinden: die beiden Weltranglistenspringen um den Preis der Deutschen Kreditbank AG am Sonnabend sowie um den Großen Preis des Landes Brandenburg am Sonntag. Dabei handelt es sich jeweils um internationale Zwei-Sterne-Springen. Reiter aus 14 Nationen sind dabei, einige reisen extra aus Japan oder Kanada an. „Wir sind mehr als zufrieden mit der Resonanz. Ein solches Turnier gleich zu Beginn des Jahres wird von den Reitern gern angenommen“, sagt Ulonska.

Zu den prominentesten Teilnehmern zählen Ex-Mannschaftsweltmeister Carsten-Otto Nagel, der frühere deutsche Meister Denis Nielsen sowie die Nationenpreisreiter André Thieme und Holger Wulschner. Dieser reitet sonst auch größere Turniere und startete in den vergangenen beiden Jahren unter anderem bei der Global Champions Tour auf dem Berliner Messegelände.

Ein kleineres Budget als in Berlin

Das Fünf-Sterne-Springen am Funkturm hat den Springsport in der Stadt wieder populär gemacht, wovon auch Veranstaltungen wie das CSI profitieren. Trotzdem grenzt man sich in Neustadt ganz bewusst von der Global Champions Tour ab. „Beide Turniere sind absolut nicht vergleichbar“, sagt Herbert Ulonska. Ziel des CSI sei es in erster Linie, jungen Pferden und Reitern eine Plattform zu bieten; dagegen würde beim Berliner Turnier nur die absolute Weltspitze antreten.

Auch finanziell trennen beide Veranstaltungen Welten. Holger Wulschner, der beim CSI auch mit in der Turnierleitung sitzt, betrachtet die enormen Summen, die bei der Global Champions Tour aufgerufen werden, durchaus kritisch: „Das ist ja mittlerweile jenseits von Gut und Böse. Die Tour ist sicherlich eine Bereicherung für unseren Sport, aber wir müssen aufpassen, dass daraus nicht irgendwann nur noch ein Sport für Reiche wird“, sagt er. In Neustadt hat man trotz aller Erfolge auf der Weltbühne die eigenen Wurzeln noch nicht vergessen.