Der Bundespräsident wird dabei sein. Ebenso wie der IOC-Präsident. Und auch der Innenminister hat zugesagt. Sie alle wollen Zeuge dieses geschichtsträchtigen Ereignisses am Donnerstag werden – wenn die deutsche Handball-Nationalmannschaft gegen ein vereintes Team aus Nord- und Südkorea die Weltmeisterschaft in der Berliner Mercedes-Benz Arena eröffnet (18.15 Uhr, ZDF).
Große Erwartungen an eine kleine Handball-Nation. Die dazu beitragen soll, dass aus Feinden Freunde werden. Die Idee dazu entstand allerdings nicht etwa in einem der koreanischen Verbände. Sie kam von Hassan Moustafa, Präsident des internationalen Handballverbandes (IHF). Auch der 74 Jahre alte Ägypter wollte sich gern das Image des Friedenstifters auferlegen – wie schon IOC-Präsident Thomas Bach bei den olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang (Südkorea).
Schon öfter traten vereinte Teams aus Korea an
Dort waren die Koreaner nicht nur als vereinte Mannschaft bei der Eröffnungsfeier ins Olympiastadion eingelaufen, mit den Eishockey-Frauen war auch erstmals ein gesamtkoreanisches Team am Start. Seitdem gab es bei der Tischtennis-WM im Mai ein vereintes Frauen-Team und auch bei den Asienspielen in Jakarta verbündeten sich die Frauen im Basketball, beim Rudern und im Kanu.
Nun sollen zum ersten Mal auch die Männer diese scheinbar grenzenlose Freundschaft vorführen. Ausgerechnet in Berlin. „Mit dem Fall der Mauer ist Berlin den Weg des Friedens gegangen. Diesen Weg wollen auch wir bei der WM gehen“, sagte Südkoreas Trainer Young Shin Cho. Als geteiltes Land in einer einst geteilten Stadt – es wirkt fast wie eine konstruierte Symbolik.
Olympia-Bewerbung beider Staaten für 2032 geplant
Und tatsächlich ist fraglich, wie viel die Sportler an dem seit mehr als sieben Jahrzehnten dauernden Kriegszustand zwischen ihren Ländern ändern können. Es scheint eher eine oberflächliche Verbindung zu sein, die kaum in die Tiefen der politischen Konflikte hereinreichen kann. Denn die Annäherung auf sportlicher Ebene ist der auf politischer meilenweit voraus. Und trotzdem mag es kaum das Verdienst der Eishockeyspielerinnen gewesen sein, dass sich Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und Südkoreas Präsident Moon Jae-in im vergangenen Jahr nach zweijähriger Pause wieder zu Gesprächen trafen. Dass sie sich darauf einigten, den Frieden zu sichern und den Atomstreit zu entschärfen.
Denn die Demonstration der Einheit – des Friedens zumindest auf sportlicher Ebene – geschieht bei den großen, publikumswirksamen Veranstaltungen. Olympia, Handball-WM, die Welt soll sehen, wie sich die verfeindeten Länder annähern. Da verwundert es wenig, dass sich beide Staaten für die Sommerspiele 2032 bewerben wollen. Wie viel von der Annäherung im geteilten Korea zu spüren ist, dort, wo wirklich etwas bewegt werden soll, bleibt ungewiss.
Südkoreas Coach ist der Cheftrainer der Mannschaft
Dennoch wissen Koreas Handballer um die Bedeutung der nächsten Tage. Sie bemühen sich, die gewünschte Einheit zu demonstrieren. Auf dem Spielfeld trennt sie nur noch die Farbe der Schnürsenkel. Die roten, sie sind das Erkennungszeichen der Nordkoreaner. Am Anfang sei man sich „noch sehr fremd“ gewesen. Mittlerweile aber „freundschaftlich miteinander verbunden“, wie Kapitän Jung Su Young bei einem öffentlichen Training vergangene Woche im Horst-Kober-Sportzentrum im Olympiapark sagte. Sie reden von Friedensmission, von Freundschaft, von einem historischen Ereignis. Eine Last, die den Sportlern mit auf ihre WM-Reise gegeben wird.
Last, die den sportlichen Erfolg noch einmal erschweren wird. Vor allem weil die Zusammenarbeit allein dadurch beeinträchtigt wird, dass zwei Trainer ihre Taktikvorstellungen vereinbaren, die fremden Spieler in nur zwei Wochen kennenlernen mussten. „Die Zeit hat ausgereicht, um die Stärken und Schwächen zu erkennen“, sagte Südkoreas Coach Young Shin Cho. Der 51-Jährige ist der Cheftrainer des vereinten Teams. Und hat seinen gesamten südkoreanischen 16er-Kader zur Verfügung. Den er mit nur vier Spielern aus dem Norden, die Trainer Myong Chol Sin betreut, aufstocken muss.
Keine Einsatzpflicht für nordkoreanische Spieler
Insgesamt sind es also 20 Spieler, statt wie in allen anderen WM-Teams nur 16. Eine Ausnahmeregelung. Und während bei den Olympischen Spielen noch die Vorgabe bestand, mindestens drei nordkoreanische Spielerinnen pro Partie einsetzen zu müssen, haben die Handballer mehr Freiraum. Keine Verpflichtung, aber ein Versprechen. „Es wird in jeder Partie ein nordkoreanischer Spieler dabei sein“, sagte Cho. Ein Versprechen, von dem sich die Initiatoren des vereinten Teams so viel mehr versprechen.


