Traditionsmasters

Berliner Budenzauber in doppelter Dosis

Tore, Tricks und tolle Typen: Das Traditionsmasters lockt erstmals an zwei Tagen – mit dem Stadtderby und internationalen Altstars

Foto: BEAUTIFUL SPORTS/Daniel Lakomski / picture alliance / Beautiful Sports

Berlin.  Torsten Mattuschka (38) war schnell noch beim Friseur. Kann ja nicht schaden, bevor es am Freitag losgeht. Dann tritt der ehemalige Mittelfeldspieler des 1. FC Union für seinen Herzensverein beim AOK-Traditionsmasters in der Berliner Schmeling-Halle (ab 16.45 Uhr) an, gemeinsam mit alten Weggefährten wie Benjamin Köhler (38), Karim Benyamina (37), Christian Stuff (36) oder Marco Gebhardt (46) will er auf dem Parkett gut aussehen, nicht nur frisurtechnisch. Sein Mitwirken erklärt Mattuschka mit einem typischen Mattuschka-Satz: „Halle macht sowieso immer Bock.“

Für Herthas Auswahl wirbeln Wosz, Gilberto und Covic

So wie Mattuschka sehen es viele ehemalige Fußballprofis. Hertha BSC muss sich vom Aufgebot nicht vor dem Stadtrivalen verstecken, für den Bundesligisten dribbeln unter anderem Dariusz Wosz (49), der Brasilianer Gilberto (42), Ante Covic (43) oder Levan Kobiashvili (41) mit. Das Duell der beiden Berliner Mannschaften ist ab 20 Uhr der abschließende Höhepunkt des ersten Turniertages, bevor es dann am Sonnabend (ab 16.40 Uhr) um die Ermittlung des Siegers geht.

Seit zehn Jahren gibt es die Veranstaltung nun, erstmalig erstreckt sie sich über zwei Tage. „Zum Jubiläum wollen wir was Besonderes bieten“, sagt Turnierdirektor Bernd Kühn. In den vergangenen Jahren war das Turnier immer ausverkauft. Bisher sind für den Freitag rund 6000 und für den Sonnabend um die 7000 Karten verkauft. Wer möchte, kann an den Tageskassen noch Tickets ab neun Euro erstehen.

Dass der Zuschauerzuspruch in Berlin so groß ist, freut Kühn. Auch, weil die große Zeit des Hallenfußballs eigentlich vorbei ist. In den 1990er-Jahren wurde noch eine Meisterschaft ausgespielt, die Klubs mussten sich über diverse Turniere für die Endrunde qualifizieren. In allen größeren deutschen Städten gab es Wettbewerbe, als „Budenzauber“ florierte das Spektakel.

Fans freuen sich auf Stars zum Anfassen

Bis zu 15.000 Zuschauer kamen manchmal in die Halle, das Fernsehen übertrug live. Für viele Fans waren die Turniere eine willkommene Abwechslung und die ideale Überbrückung während der damals noch zwei Monate langen Winterpause. Stars zum Anfassen, direkt hinter der Bande, dazu Tricks und viele Tore, das machte den Hallenfußball aus.

Ende der Neunziger setzte dann der Niedergang ein. Immer öfter verzichteten die Stars auf ihre Teilnahme, den Vereinen war das Verletzungsrisiko zu groß. Zu den Pflichtturnieren wurden oft die Reservisten geschickt, was die Zuschauer mit ihrem Fernbleiben quittierten. Die Winterpause wurde immer weiter verkürzt, die modernen Funktionsarenen machten auch Bundesliga-Fußball im Januar möglich und den Budenzauber überflüssig. Zum letzten Mal wurde das Hallenmasters um die deutsche Meisterschaft 2001 ausgetragen. „Ich bin keiner, der den alten Zeiten hinterhertrauert“, sagt Kühn. Den Status als Exot nimmt er gern an. „Ich mag dieses Alleinstellungsmerkmal, unser Hallenfußball funktioniert“, sagt er.

Natürlich weiß er auch, dass Fußballer mittlerweile viel eher zu einem Hallenturnier zu bewegen sind, wenn die aktive Karriere hinter ihnen liegt. So wie in Mattuschkas Fall. Der hat im Vorjahr offiziell aufgehört und arbeitet nun als Co-Trainer beim Regionalligisten Altglienicke. „Das macht viel Spaß, aber natürlich ist es immer schön, wieder selbst die Schuhe zu schnüren“, sagt Mattuschka, „gerade wenn man dabei so viele alte Kumpels trifft.“

Kumpels und solche, die er bislang nur aus dem Fernsehen kannte. Spieler der Kategorie Weltklasse wie Pavel Nedved (46), Europas Fußballer des Jahres 2003, der mit Juventus Turin vier Meisterschaften gewann und heute Vizepräsident des italienischen Großklubs ist.

Sparta Prag reist mit Nedved, Rosicky und Koller an

Neben Nedved treten für Sparta Prag unter anderem Tomas Rosicky (38) und Jan Koller (45) an, die 2002 mit Borussia Dortmund Deutscher Meister wurden. Auf die Tschechen freut sich Turnierdirektor Kühn besonders. „Die Sparta-Truppe ist schon herausragend. Von dem riesigen Koller mit Schuhgröße 52 denkt man ja nicht unbedingt, dass er sich gut in der Halle bewegen kann, aber er ist mit seiner Technik ein herausragender Hallenspieler.“

Außer Sparta gibt es in Vertretung von Tottenham Hotspur und dem FC Barcelona weitere internationale Teilnehmer. „Das wird richtig Spaß machen“, ist sich Kühn sicher. Um nichts anderes geht es ja beim Hallenfußball.

Gruppe A: Leverkusen, Dortmund, Prag, Tottenham.
Gruppe B: 1. FC Union, Hertha BSC,
FC Barcelona, Karlsruher SC.

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