Berlin - Hagen Stamm begründet seinen Entschluss mit Humor: „Ich bin dem Gruppenzwang erlegen.“ Die Gespräche mit Thomas Kurschilgen, dem neuen Direktor Leistungssport im Deutschen Schwimm-Verband (DSV) seien ebenso gut verlaufen wie jene mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). „Wir haben unser Konzept vorgelegt und deren volle Unterstützung“, sagt der 58-Jährige. Außerdem seien in seiner Mannschaft „lauter gute Jungs“, und sein Assistent Uwe Brinkmann wolle auch weitermachen. Also bleibt Stamm, der die deutsche Wasserball-Nationalmannschaft schon von 2000 bis 2012 und zuletzt seit 2017 betreut hatte, bis 2020 Bundestrainer, bis nach den Olympischen Spielen in Tokio. „Ich habe am Donnerstag unterschrieben“, sagt er.
Es bleibt, weil der DSV klamm ist und die deutschen Wasserballer die vergangenen beiden Olympischen Spiele verpasst haben, eine Halbtagsstelle, ein 20-Stunden-Job, wenn auch zu verbesserten Bezügen. „Das ist aber nicht wichtig“, sagt der Präsident der Wasserfreunde Spandau und Fahrrad-Großhändler. Wichtiger ist ihm, dass die DSV-Männer wieder in der internationalen Spitze mitmischen, so wie das früher der Fall war. Als Spieler wurde Stamm 1981 und 1989 Europameister, 1982 WM-Dritter, gewann 1984 Olympia-Bronze. Wichtiger ist ihm auch, dass „die Rahmenbedingungen jetzt stimmen, die Unterstützung da ist“.
WM-Qualifikation gelang im Septmber in Berlin
Die Mannschaft, die sich im Kern aus Spielern des deutschen Rekordmeisters Spandau 04 und von Meister Waspo Hannover zusammensetzt, hat es ihm angetan. „Sie sind es wert, dass man sich für sie einsetzt“, sagt er, „die waren das ganze Jahr so fleißig. Das sind gute Jungs.“ Der Erfolg blieb nicht aus. Bei der EM in Italien hatte das Team eine extrem schwere Vorrunde, belegte aber Platz neun. Beim Weltcup im September in Berlin wurden die Deutschen Vierte, bezwangen in der Vorrunde sogar Rekord-Olympiasieger Ungarn und qualifizierten sich für die WM nächstes Jahr in Gwangju/Südkorea.
So hat auch Stamm sich die Fortsetzung seiner Arbeit verdient. „Wir haben den Vertrag verlängert und alle Maßnahmen und Ressourcen miteinander so ausgerichtet, das eine bestmögliche Vorbereitung des Teams auf die Spiele in Japan möglich ist“, sagt Kurschilgen, „wir freuen uns sehr, dass der Deutsche Olympische Sportbund unseren konzeptionellen und strukturellen Überlegungen gefolgt ist.“ Da konnte und wollte Stamm nicht nein sagen.


