Kommentar

Die Entwertung des Fußballs

Mit der Einführung eines neuen Europapokal-Wettbewerbs geht es der Uefa nicht um Teilhabe, sondern um Profit. Das ist gefährlich.

Am Wochenende protestierten Fans in ganz Deutschland gegen Montagsspiele und die Kommerzialisierung des Fußballs.

Am Wochenende protestierten Fans in ganz Deutschland gegen Montagsspiele und die Kommerzialisierung des Fußballs.

Es war ein Zufall, aber darin lag eine Wahrheit. Als am Sonntag in Deutschland ein Spieltag abgepfiffen wurde, an dem Fans aus Protest gegen die Kommerzialisierung des Fußballs und gegen Ligaspiele unter der Woche eine Halbzeit lang geschwiegen hatten, verkündete die Europäische Fußball-Union (Uefa), dass es künftig noch mehr Spiele unter der Woche geben wird.

Ab 2021 wird in einem dritten Europapokal-Wettbewerb neben der Champions League und der Europa League gekickt – vornehmlich mit Teilnehmern aus kleineren Ligen. War die Europa League schon der Wettbewerb der europäisch Zweitklassigen, der wenig Prämien und Prestige bot, so installiert die Uefa nun darunter die drittklassige Europa League 2 (Arbeitstitel). Dürfen sich bisher 80 Klubs damit rühmen, international zu spielen, werden es dann 96 sein. Aus der Bundesliga wird wohl der Siebtplatzierte teilnehmen. Damit die 141 Partien irgendwo unterkommen im schon prall gefüllten Spieltagskalender, wurde eine neue Anstoßzeit erfunden: donnerstags, 16.30 Uhr. Als wäre das nicht absurd genug, kulminiert das alles 2022 in einer kuriosen Woche, wenn am Mittwoch (Europa League 2), dann am Donnerstag (Europa League) und schließlich am Sonnabend (Champions League) die Endspiele stattfinden.

Einen dritten Europapokal gab es bereits, aber mit weniger Spielen

Nun gab es auch früher einen dritten Europapokal neben Uefa-Cup und Champions League - bis 1999 den der Pokalsieger. Aber es waren trotzdem weniger Spiele insgesamt. Wurden in der letzten Saison zu dritt 1998/99 ­wettbewerbsübergreifend 241 Partien ausgetragen, sind es 2018/19 in Europa plus Champions League 314. In der Saison 2021/22, wenn die neue Europa League 2 eingeführt und die alte Europa League 1 reformiert wird, werden es schon 367 Spiele sein.

Diese Entgrenzung des Angebots kommt einer Entwertung der einzelnen Partien gleich. Das hat schon die EM 2016 gezeigt, als erstmals 24 Teams dabei waren. Aber die Pläne der Fußballherrscher gehen in diese Richtung – und zielsicher vorbei an Zuschauerinteressen. Die WM 2026 wird schon 48 Teilnehmer haben. Dazu kommen Nations League und womöglich eine Klub-WM.

Natürlich freuen sich Fans in Moldawien, wenn auch einer ihrer Klubs länger international spielt, was bei der Europa League 2 möglich wäre. Aber Teilhabe ist nicht das Motiv der Uefa, sondern Profitmaximierung. Der Fußball bekommt wie die „kleine Raupe Nimmersatt“ nicht genug und frisst sich voll mit TV- und Sponsorengeldern. Doch anders als im Kinderbuch entpuppt sich am Ende kein schöner Schmetterling, sondern es wird daraus eine fette, satte Raupe, die bald niemand mehr sehen will.

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