Bundesliga

Die Bayern sind wieder der FC Hollywood

Bei den Münchnern gibt es abseits des Platzes wieder großes Kino wie früher. Der Geschädigte ist Trainer Niko Kovac.

Niko Kovac weht bei Bayern ein kalter Wind entgegen. Vier Heimspiele hat der Trainer in Serie nicht gewonnen.

Niko Kovac weht bei Bayern ein kalter Wind entgegen. Vier Heimspiele hat der Trainer in Serie nicht gewonnen.

Foto: Alexander Hassenstein / Bongarts/Getty Images

München.  Damit die unschöne Geschichte nicht noch weiter an Eigendynamik gewinnt, steuerte der FC Bayern am Sonntag dagegen. Als sich die Fachwelt noch über einen Instagram-Post von Lisa Müller, der Ehefrau von Bayern-Spieler Thomas Müller, wunderte und daraus allerhand Schlüsse über den Zustand des Rekordmeisters zog, verbreiteten die Münchner auf ihrer Internetseite die frohe Kunde von einem Friedensgipfel. Lisa Müller, die Bayern-Coach Niko Kovac während des 1:1 gegen Freiburg am Sonnabend offen attackiert hatte, habe sich nach dem Spiel bei Kovac entschuldigt, ließ der Verein wissen. Kovac habe das angenommen.

Was bleibt dem 47-Jährigen auch übrig? Der in Berlin geborene Chefcoach steht in seiner ersten Saison als Münchner Trainer unter Beschuss. Mal gibt es Feuer von der Frau eines seiner wichtigsten Spieler. Lisa Müller hatte sich via Instagram darüber beschwert, dass ihr Mann, der zuletzt oft draußen saß, wieder erst in der 71. Minute eingewechselt wurde. „Mehr als 70 Minuten bis der mal ‘nen Geistesblitz hat“, schrieb sie.

Aber auch prominentere Experten kritisierten: „Vor Bayern hat keine Mannschaft mehr Angst“, sagte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, der „Zusammenhalt und Spielfreude“ vermisste. Das 1:1 gegen Freiburg und die erschreckend schwache Leistung legten offen, dass die Bayern unter Kovac Probleme haben. Nicht nur die Souveränität und die Leichtigkeit fehlen den Münchnern derzeit – auch die Heimstärke ist weg. Die letzten vier Heimspiele (mit mickrigen drei Toren) wurden nicht gewonnen. Das gab es zuletzt 2001. Insgesamt nur 20 Punkte aus zehn Spielen – so schwach wie seit acht Jahren nicht mehr. Damals wurde übrigens Borussia Dortmund Meister.

Am Sonnabend folgt das Duell mit Spitzenreiter Dortmund

Der BVB droht den Bayern nun weiter zu enteilen. Am Sonnabend steht das Spitzenspiel in Dortmund an. Wird das verloren, hätten die Bayern sieben Punkte Rückstand auf Tabellenplatz eins. Nach sechs Meisterschaften in Folge könnte es der Beginn einer Wachablösung an der Spitze sein.

„Es hilft nichts“, sagte Müller, „wenn wir jetzt auseinanderfallen. Wir müssen Flagge zeigen und uns zusammenreißen.“ Die Wortmeldung seiner Frau bei Instagram, die diese später schnell wieder löschte, kommentierte Müller schlau: „Das war aus der Emotion heraus, ich finde es im Nachhinein nicht unbedingt super. Sie liebt mich halt, was soll ich machen“, sagte der 29-Jährige. Der Geschädigte aber bleibt trotz Entschuldigung und gelöschtem Eintrag Kovac. Denn schon vor der Episode Müller gab es Anzeichen, dass sich die Stimmung in der Mannschaft gegen ihn wendet. Interna aus der Kabine drangen mehrfach über Medien nach außen. Ständig ist einer der etablierten Profis brüskiert, wenn er ausgewechselt oder gar nicht aufgestellt wird.

Kovac droht, die Kabine zu verlieren

Bei Eintracht Frankfurt hatte Kovac die Kabine im Griff. Führungsspieler wie Kevin-Prince Boateng standen hinter ihm. Beim FC Bayern wirkt das nicht so. Es scheint ohnehin, als mutiere der Klub wieder zum FC Hollywood – einem Verein, der fleißig großes Kino auf dem Platz und abseits davon bietet wie früher. Das ist nicht allein die Schuld von Kovac. Auch die Münchner Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß trugen bei der legendären Pressekonferenz kürzlich dazu bei, als sie die Medien attackierten. Kovac und seine Bayern stehen – spätestens mit dem Showdown am Sonnabend beim BVB – vor der Zerreißprobe. Sportdirektor Hasan Salihamidzic bekannte, das Spiel gegen Freiburg habe „träge ausgesehen“, auch er sah, dass „die Spritzigkeit, die Freude fehlt“. Kovac beklagt mangelndes Spielglück, das neue Modewort der Branche, und dass der Gegner immer seine erste – und oft einzige - Torchance verwertet. Was aber eher gegen seine Mannschaft spricht. „Wir belohnen uns nicht für die aufgewendete Arbeit“, sagte Kovac.

Was bleibt? Parolen, Mutmacher. „Wir werden zurückkommen, da könnt ihr euch sicher sein“, rief Müller den Journalisten zu. „Dortmund hat gerade eine Phase. Sie spielen erfrischenden Fußball nach vorn. Da müssen wir mithalten und den Anschluss halten“, sagte er. Für Matthäus ist das Duell mit Dortmund ein „Schlüsselspiel. Wenn sie verlieren, möchte ich nicht in Niko Kovacs Haut stecken“, sagte er.

Frage also an Salihamidzic: Wäre der Trainer bei einer Pleite gegen den BVB zu halten? „Stellen Sie bitte nicht so eine blödsinnige Frage“, antwortete er und machte auf dem Hacken kehrt. Am Dienstag in der Champions League heißt es für die Münchner Bayern, sich gegen die schwachen Griechen von AEK Athen warm zu spielen – für die Feuer- und Zerreißprobe in Dortmund.