Zu so einem Jubiläum darf es ruhig mal etwas Besonderes sein. Seit 60 Jahren besteht der Motorsportclub Woltersdorf schon, seit 40 Jahren veranstaltet das Team um Klub-Chef Harald Täger ein internationales Enduro-Rennen: den Novemberpokal. So viel Einsatz zahlte sich irgendwann aus, der Motorrad-Weltverband (FIM) legte das WM-Finale 2018 vor die Tore Berlins. Dafür zog man den traditionellen Novembertermin natürlich gern mal auf den Oktober vor.
Nahezu die komplette Weltelite, rund 80 Fahrer, kämpft daher an diesem Wochenende am östlichen Stadtrand um die letzten WM-Zähler, etwa die gleiche Anzahl Starter balgt sich um Punkte zur deutschen Meisterschaft. Gefahren wird rund um Rüdersdorf von Freitag (Training ab neun Uhr, offizielle Eröffnung 17 Uhr unter Flutlicht) bis Sonntag (jeweils von 9 bis 17 Uhr). Im Gegensatz zu Motocross-Rennen, die auf WM-Ebene im Schnitt circa 35 Minuten dauern, geht es beim Endurosport um Tagesetappen im Bereich von 200 Kilometern, die von Sprintprüfungen unterbrochen werden. In Berlin werden Sonnabend und Sonntag je drei Runden von 65 Kilometer Länge gefahren.
Berliner Brockel misst sich mit WM-Spitzenreiter Holcombe
Der Mann, den es am Wochenende zu schlagen gilt, ist Titelverteidiger Steve Holcombe (24) vom Team Beta. Der Brite saß mit sechs Jahren erstmals bei einem Kinder-Motocross im Motorradsattel und wechselte mit 14 auf die langen Strecken. Nach sieben von acht WM-Durchgängen führt Holcombe mit 208 Punkten. „Ich bin so nahe dran, meinen Titel zu verteidigen. Das werde ich mir nicht mehr nehmen lassen. Ich habe gehört, dass die Strecke schwierig, aber sehr fair ist. Ich freue mich auf Berlin“, ließ Holcombe keinerlei Zweifel daran, wer am Sonntag zum Champion gekrönt wird.
30 Zähler hinter dem Briten folgt der Italiener Alex Salvini auf einer Husqvarna. Der 33-Jährige aus Bologna war 2009 und 2010 Motocross-Weltmeister in der Klasse bis 125 Kubikzentimeter. Zwei Totalausfälle im Verlauf der bislang absolvierten 15 WM-Rennen haben ihn trotz fünf Einzelsiegen gegenüber Holcombe (vier Siege, vier zweite Plätze, kein Ausfall) ins Hintertreffen gebracht. Ebenfalls ein Kandidat für den Sieg an diesem Wochenende ist Christophe Charlier (Ajaccio, Korsika). Der 27 Jahre alte Profi sitzt wie Holcombe auf einer Beta und gehörte 2017 zum siegreichen Team der Franzosen bei der Mannschaft-Weltmeisterschaft der Motocrosser.
Übergreifende Wertung von drei Klassen
Die Enduro-Weltmeisterschaft begann Mitte März in Päijanne/Finnland bei minus elf Grad auf Schnee. Dann ging es für die Weltelite nach Santiago di Campostela (Spanien), Castel Branco (Portugal), Tallin (Estland), Arci di Trento und Edolo (beide Italien) nach Methanis in Frankreich. Lediglich in Edolo gab es nur einen Wettfahrttag, sonst sind es wie auch in Berlin zwei. Gestartet wird in drei Klassen (unter anderem abhängig vom Hubraum des verwendeten Motorrades). Anders als im Straßenrennsport gibt es aber eine übergreifende gemeinsame Wertung.
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge geht der Berliner Christian Brockel ins WM-Finale. Eigentlich hat der 34-Jährige seine Karriere beendet, verändert sich berufsbedingt gerade in Richtung Lauchhammer (Brandenburg). „Aber bei einem WM-Lauf, den mein Klub ausrichtet, wollte ich noch einmal dabei sein.“
Er hofft auf ein störungsfreies Wochenende, „denn ich möchte schon sehen, wo ich mich im Vergleich mit der Weltelite noch einreihen kann“, so der dreimalige deutsche Meister, der über viele Jahre hierzulande auch das Niveau im Motocross mitbestimmt hat. Brockel startet für das Berliner GST-Team, das seine Fahrer auf österreichischen KTM-Motorrädern in den Wettbewerb schickt.
180 Helfer bewältigen den großen Aufwand
Im rund 10.000 Quadratmeter großen Fahrerlager in Tasdorf Süd (auf einem Industriegelände direkt am Berliner Ring an der Ausfahrt Rüdersdorf) findet die technische Abnahme der Motorräder statt. Am Freitag ab 17 Uhr gehen am Kesselsee die Eröffnung und der Prolog über die Bühne. Für den Aufbau der Sonderprüfungen, der mobilen Tribüne am Kesselsee, der Streckensicherung und für die Aufgaben im Fahrerlager konnte Harald Täger auf etwa 180 ehrenamtliche Helfer zurückgreifen. „Es ist ein Riesenaufwand, den wir nur schaffen konnten, weil wir so viele positiv Verrückte haben. Aber ein WM-Finale ist auch eine tolle Anerkennung für unser Jubiläum“, sagte der Woltersdorfer Klubchef.
Am Sonnabend und Sonntag beginnen die Wettbewerbe jeweils um 9 Uhr. Die besten Anfahrtswege zur Cemex-Arena am Kesselsee sind im Internet unter der Adresse www.novemberpokal.de aufgeführt. Tagestickets kosten jeweils zehn Euro (die Kombikarte für drei Tage 25, Jugendliche bis 14 Jahre frei). Die besten Punkte zum Zuschauen finden sich im Programmheft (3 Euro).


