Wer empfindlich ist, sollte sich etwas für die Ohren mitbringen. Denn das Geräusch verträgt vielleicht nicht jeder. Schrill ist es, beißend, es dringt in den Kopf ein. Jedes Mal, wenn die Fahrer auf den großen Rädern ihre Bremse ziehen, quietscht es ordentlich. Der Lärm ist so markant, dass Frank Drygalla die Ursache dafür sogar im Programmheft beschreibt. Denn er hofft auf viele Besucher, und wenn die kommen, dürften sich die wenigsten mit Trial gut auskennen.

Um Radsport handelt es sich, so viel ist leicht auszumachen. Mit Radfahren hat Trial aber nur noch bedingt zu tun. Als „viel Springen aus kurzen Anläufen“ bezeichnet Drygalla die Bewegungsform, in der die Athleten auf ihren Gefährten Hindernisse aller Art überwinden. Gebremst wird bei der wilden Springerei mehr als gefahren. Weshalb die Hüpfer den Sattel mal eben wegrationalisiert haben. Der würde nur stören. „Der Sport ist sehr athletisch“, sagt Drygalla (34). Er fuhr selbst mal im Weltcup mit. Jetzt organisiert und koordiniert er – und zwar den ersten Trials Weltcup in Berlin.

So viele Starter wie sonst nirgends

Eine solche Metropole gibt der Serie einen ganz anderen Hintergrund. In Deutschland ist der Sport eher im ländlichen Süden zu Hause, Weltcups wurden etwa schon in Großheubach ausgetragen. Ja, genau dort, in Unterfranken. Auch international führt das Geschehen überwiegend in beschauliche Städtchen. „Es ist das erste Mal, dass der Wettbewerb in einer Hauptstadt stattfindet. Das ehrt uns“, erzählt Drygalla. Die neue Umgebung lockt die Fahrer an; 158 aus 27 Ländern haben gemeldet. Mehr Starter verzeichnete in diesem Jahr kein anderer Weltcup.

Berlin ist eben hipp. Trial ist cool, ist jung. Das geht gut zusammen. „Wir zeigen die Facetten des Radsports“, sagt Drygalla, „Trial ist auch eine Art Trendsport, die zum Image von Berlin passt.“ Trendig ist ebenso der Ort, im Hangar 5 des Flughafens Tempelhof wird gefahren. Drinnen also, was eher ungewöhnlich ist. „Dadurch müssen wir die Infrastruktur erst einmal schaffen“, so der Organisationschef. Ein gewaltiger Aufwand für eine so kleine Sportart, für den Drygalla ein Team von gut 20 Leuten beschäftigt. Trialstrecken bestehen aus großen, schweren Elementen. Findlingen etwa, Baumstämmen oder Betonröhren.

Materialien aus dem Baugewerbe

In Potsdam gibt es ein Gelände, auf dem einiges an Material lagert. Was fehlt, wird zugekauft bei Baustoffhändlern oder Forstfirmen. Das fällt fast in die Kategorie Schwertransport – und es kostet einiges. Bei etwa 300.000 Euro liegt das Budget. Zwei Drittel davon werden von der Stadt Berlin bereitgestellt, weil über Sponsoren – viele sind naheliegender Weise aus dem Baugewerbe – nicht genügend Geld zusammenkommen würde. Drygalla selbst bastelt aus den Hindernissen nach seinen praktischen Erfahrungen die Strecke: „Die wird am Computer geplant.“

Der Kurs muss in zwei Minuten zu bewältigen sein, das ist das Zeitlimit beim Trial. Wer länger braucht, bekommt Strafpunkte. Wer einen Fuß aufsetzt oder mit einem Pedal die Elemente berührt, der ebenfalls. Bei fünf Strafpunkten muss man die Sektion verlassen. Fünf Sektionen mit jeweils unterschiedlichen Materialen sind doppelt zu durchfahren. Wer beide Füße gleichzeitig aufsetzt, muss sofort raus.

Zwei Deutsche fahren vorn mit

Die Räder sind an die Bedürfnisse des Sports angepasst. Nur eine sehr kurze Kette verbindet Hinterrad und Tretlager, die beide ganz nahe beieinander liegen. Wegen des optimalen Schwerpunktes. Mit einem Pedalkick wuchten sich die Athleten auf die Hindernisse. Neben dem Hangar in Tempelhof wird sogar eine Teststrecke aufgebaut. Da kann sich jeder Besucher des Weltcups, für den der Eintritt kostenlos ist, selbst und unter Anleitung von Trainern ausprobieren im Trial.

Zwei Deutsche gehören zu den besten Athleten. Nina Reichenbach (Ölbronn) ist Weltmeisterin, Dominik Oswald (Münstertal) Vize-Weltmeister, beide starten Sonnabend und Sonntag ab 9 Uhr in Berlin auf ihren sehr speziellen 20-Zoll-Trial-Rädern. In der großen 26-Zoll-Klasse rauen sie sogar die Felgen auf, damit die hydraulischen Bremsen optimal greifen. Das quietscht dann so.