Eiskunstlauf

Aljona Savchenko: Erst einmal alles aus Liebe

Olympiasiegerin Savchenko übt in Berlin mit jungen Paarläufern. Der Aufbau des neuen Trainingszentrums ist aber noch nicht gesichert.

Aljona Savchenko und Bruno Massot (r.) jubeln mit ihrem Trainer Alexander König (l.)

Aljona Savchenko und Bruno Massot (r.) jubeln mit ihrem Trainer Alexander König (l.)

Foto: Peter Kneffel / dpa

Nur zaghaft traut sich der Schüler, bei der Lehrerin richtig anzupacken. Aljona Savchenko nimmt seine Hände, presst sie in ihre Hüfte. Im Paarlauf braucht es eben einen festen Griff. Das bringt die 34-Jährige den jungen Eiskunstläufern mit als Erstes bei, nur keine Hemmungen. Doch die Anwesenheit einer Olympiasiegerin flößt den Paarlaufanfängern nun mal Respekt ein. Mit jeder Minute des Trainings aber weicht die Ehrfurcht, die Arbeit wird intensiver. Sechs Nachwuchspaare schauen gebannt zu, was Savchenko vorführt, hören genau hin, was sie sagt.

Drei Tage nahm sich die sechsfache Weltmeisterin Zeit, um junge Paare im Berliner Erika-Heß-Eisstadion im Wedding zu unterstützen. „Das ist eine tolle Motivation und ein emotionales Erlebnis für die Kinder, gleich mit Aljona zu arbeiten. Sie macht das auch toll“, sagt Alexander König. Der Trainer führte Savchenko und Bruno Massot im Februar in Südkorea zum Olympiasieg und im März zum WM-Titel. Er initiierte auch das Trainingscamp, das von Sonnabend bis Dienstag stattfand und bei dem ebenso Savchenkos früherer Partner, der fünffache Weltmeister Robin Szolkowy, als Trainer involviert war. Der deutsche Paarlauf-Nachwuchs, die jüngsten Teilnehmer waren zwöl Jahre alt, lernt also von den Besten.

Voraussetzungen für Paarlaufzentrum sind geschaffen

Zum zweiten Mal gab es das Camp, dennoch ist es diesmal ein Neuanfang gewesen. Denn die Deutsche Eislauf-Union (DEU) will in Berlin ein Trainingszentrum für den Paarlauf etablieren, um langfristig neue Spitzenpaare zu entwickeln. Die Voraussetzungen sind auch weitgehend geschaffen. „Der Senat steht hinter uns und unterstützt uns in jeglicher Hinsicht was Eiszeiten anbelangt, die Trainingsplanung und die Nutzung anderer Räumlichkeiten“, erzählt Erfolgstrainer König.

Ein grundlegender Fakt allerdings ist noch immer ungeklärt. Zwar gibt es die Zusage des Verbandes, dass der bisherige Honorartrainer das Paarlaufzentrum als Bundestrainer leiten soll. Doch durch die Spitzensportreform von Deutschem Olympischem Sportbund (DOSB) und Innenministerium steht durchaus in Frage, ob es dazu kommt. Denn Teil der Reform ist die Einordnung der Sportarten in verschiedene Förderkategorien anhand des Potenzialanalyse-Systems (Potas).

Bis Ende September soll es Klarheit geben

Der Paarlauf erreichte dabei nur die zweite von drei Kategorien, trotz Olympiasieg und WM-Titel blieb man in der Bewertung sogar hinter dem Frauen-Eishockey zurück, das kaum Erfolgschancen hat. „Das wirft schon Fragen auf“, sagt König. Eine Rolle bei der Einordnung dürfte sicher die unklare Situation bei Savchenko/Massot gespielt haben. Sie laufen vorerst nur bei der Show „Holiday on Ice“, Savchenko trainiert zudem das US-Paar Alexa Scimeca-Knierim und Chris Knierim. Eine Rückkehr der beiden aus der Wettkampfpause ist ungewiss, sogar unwahrscheinlich. Kurzfristig wird damit auch der Paarlauf kaum mehr Medaillen produzieren.

Nach den Strukturgesprächen zwischen Verbänden und DOSB soll bis Ende September eine Förderkommission die künftige Finanzierung bis Olympia 2022 festlegen. Davon hängt auch ab, wie der Posten des Bundestrainers Paarlauf dotiert sein wird. Erhält die DEU einen zu niedrigen Etat, könnte die Stelle für König nicht mehr attraktiv genug sein. Die Arbeit im Paarlaufzentrum hat er vor einer Woche aber erst einmal aufgenommen, ohne Amt und Bezahlung: „Zeit verstreichen zu lassen, ist sträflich. Wir machen das jetzt einfach aus Liebe zur Sache.“

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