Gerüchte über die Rückkehr eines internationalen Tennisturniers nach Berlin halten sich hartnäckig. Manche der Vorstellungen klingen unrealistisch, andere aber seriöser. Nachdem vor einiger Zeit bereits durchgesickert war, dass Boris Becker ein großes Turnier in der Stadt verankern will, hat jetzt der LTTC Rot-Weiß bekräftigt, dass er seinerseits an einer Veranstaltung arbeitet.

„Es gibt konkrete Pläne“, bestätigt Sportdirektor Markus Zoecke. In den nächsten zwei, drei Jahren, spätestens aber bis zum 125-jährigen Bestehen des Klubs im Jahr 2022, soll das Turnier etabliert werden.

Bei Rot-Weiß denkt man dabei zunächst an ein kleineres Turnier, das später ausgebaut werden soll. Vorstellbar sei ein Event der ATP World Tour 250 beziehungsweise 500 (jeweils Männer) oder ein WTA-International-Event (Frauen). In diese Kategorien fallen in Deutschland beispielsweise die Turniere der Männer in Hamburg (500) oder München (250) sowie das Frauenturnier in Nürnberg. „Ein Turnier dieser Art könnten wir auf unserer Anlage ohne Probleme ausrichten, sogar noch etwas größer“, sagt Zoecke.

Sportdirektor Zoecke hat Hamburger Event im Visier

Der ehemalige Daviscup-Spieler hat offenbar vor allem die Hamburger Veranstaltung im Visier. Diese wurde bislang von Wimbledonsieger Michael Stich organisiert, doch ab 2019 hat der Deutsche Tennis-Bund (DTB) die Lizenz für zunächst fünf Jahre an den Österreicher Peter-Michael Reichel übertragen, der auch schon für das Frauenturnier in Nürnberg verantwortlich ist.

Bislang ist offen, ob es in Hamburg bleibt – der Verband fordert von der Stadt eine Renovierung der Anlage am Rothenbaum. „Es ist durchaus denkbar, dass das Turnier in eine andere Stadt wechselt. Dann wäre Berlin ein heißer Kandidat“, rechnet sich Markus Zoecke Chancen aus. Es würden allerdings auch noch „ein, zwei andere Lizenzen herumschwirren“, für die Berlin ebenfalls in Frage kommen würde.

Die Infrastruktur im Grunewald ist aus Sicht des Sportdirektors absolut ausreichend. Die Anlage besteht aus 16 Sandplätzen und ist für täglich 10.000 Besucher ausgelegt. Als in Berlin noch die Internationalen Deutschen Tennismeisterschaften der Frauen ausgetragen wurden, kamen auch regelmäßig so viele Zuschauer, um Topspielerinnen wie Steffi Graf, Martina Navratilova, Martina Hingis oder Arantxa Sánchez-Vicario zu bewundern. Damals zählte das Berliner Turnier zu den wichtigsten Wettbewerben des Jahres. Später war das Interesse gesunken, so dass der DTB die Rechte an der Veranstaltung 2004 an den katarischen Verband verkaufte. 2008 fand sie zum letzten Mal statt, seitdem machen die großen Stars einen Bogen um Berlin. 2016 gastierte noch einmal der Daviscup in der Hauptstadt.

Boris Becker bräuchte erst mal drei Stadien

Die Männer könnten auch bei einer Neuauflage des Berliner Turniers die Hauptrolle spielen. Trotz der langen Tradition des Frauentennis in Berlin und trotz des jüngsten Wimbledon-Sieges von Angelique Kerber. „Ich persönlich würde lieber ein Herrenturnier machen“, sagt Markus Zoecke, der sich zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht festlegen will: „Wir müssten genau abwägen, was am meisten Sinn macht.“

Für ein Männerturnier spräche sicherlich, dass es mit Rudolf Molleker, der in Hamburg ja gerade groß auftrumpft, und Daniel Altmaier gleich zwei Lokalmatadoren von Rot-Weiß gäbe. „Das sind momentan die beiden interessantesten Spieler im Nachwuchsbereich“, meint Zoecke.

Mit Boris Becker hat Zoecke bisher übrigens nur kurz gesprochen. Anfang April hatte Beckers ehemaliger Manager Ion Tiriac verraten, dass sich der dreimalige Wimbledon-Sieger ebenfalls für die Ausrichtung eines großen Tennisturniers in Berlin engagiert. Allerdings fällt sein Konzept ein paar Nummern größer aus und beinhaltet unter anderem gleich drei große Stadien. Tiriac sprach von 200 bis 300 Millionen Euro, die der Berliner Senat dafür in die Hand nehmen müsste. Die Pläne von Rot-Weiß scheinen da doch kurzfristig viel eher umsetzbar.