Nach Doping-Verdacht

Der Freispruch von Froome hinterlässt Fragezeichen

Der Rad-Star Chris Froome darf trotz Dopingverdachts bei der Tour de France starten. Das Urteil erstaunt die Fachwelt.

Chris Froome ist von den Dopingvorwürfen freigesprochen worden

Chris Froome ist von den Dopingvorwürfen freigesprochen worden

Foto: pa

Kurz vor dem Start der Tour de France am 7. Juli steht die Entscheidung fest: Der viermalige Gesamtsieger Chris Froome darf am härtesten Radrennen der Welt teilnehmen. Der Radsport-Weltverband UCI hat den 33-jährigen Briten vom Doping-Verdacht freigesprochen. Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada wird die Entscheidung genauso wenig anfechten wie der Tour-Veranstalter Aso.

Keine 24-Stunden vor dem Urteil hatte Froome noch von der diesjährigen Tour ausgeschlossen werden sollen. Nun ist das Verbot vom Tisch. Die „höhere Instanz“ habe entschieden, sagte Tour-Chef Christian Prudhomme. In Froomes Urin war bei der Vuelta im September eine erhöhte Konzentration des Asthmamittels Salbutamol festgestellt worden. Die Menge übertraf die erlaubten 1000 Nanogram pro Milliliter um fast 100 Prozent.

Urteil erstaunt die Fachwelt

„Da hat sich das Blatt komplett gewendet“, sagt der Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel im Gespräch mit dieser Redaktion. „Es klang so, als habe die Wada schweres Geschütz aufgefahren. Plötzlich ist davon nichts mehr da. Das überrascht mich doch ziemlich.“ Den Professor aus Nürnberg stört vor allem die fehlende Transparenz der Entscheidung. „Die Argumente werden nicht publiziert. Der Grenzwert ist um das Doppelte überschritten. Da würde ich schon gern wissen, warum die Wada einknickt.“ Natürlich könne es einen Sonderfall in den Sonderfällen geben, doch ein derartiger Umgang mit der Dopingproblematik führte „schnurstracks in die traurigen Anfänge“ zurück. Gerade die Wada verfüge über einen großen Datenpool und müsse rechtfertigen, warum sie in ähnlichen Fällen Athleten gesperrt habe.

Im Team Sky herrscht derweil Freude

„Die heutige Entscheidung zieht einen Schlussstrich. Das bedeutet, dass wir alle weitermachen und uns auf die Tour de France konzentrieren können“, sagte der Sky-Kapitän Froome am Montag. „Die Entscheidung ist für mich und das Team eine große Sache, aber auch ein wichtiger Moment für den Radsport.“ Er habe nie daran gezweifelt, dass der Untersuchungen eingestellt würden, „weil ich die ganze Zeit wusste, dass ich nichts falsch gemacht habe“. Der Brite, der trotz der neunmonatigen Untersuchung an Rennen teilnehmen durfte und zuletzt den Giro gewann, hatte wiederholt erklärt, das Mittel gegen Asthma-Symptome einzunehmen. „Ich leide seit meiner Kindheit an Asthma. Ich kenne die Regeln bezüglich der Medikation genau.“

Froomes Anwälte stützten sich in ihrer Argumentation auch auf eine Studie aus Leiden/Niederlande, die belegen soll, dass in 14,5 Prozent der untersuchten Fälle ungenaue, meist höhere Werte im Urin gemessen wurden, obwohl die von der Wada zugelassenen 1000 Nanogramm verabreicht wurden. Bedenklich findet Sörgel dabei, dass die Studie auf Werten basiert, die bei Hunden gemessen wurden und auf den Menschen umgerechnet wurden.

In einem ist er sich hingegen sicher: Der Fall werfe trotz des positiven Ausgangs für Froome einen Schatten auf den Radsport. „Jeder neue Fall – gerade der mit Froome, also dem erfolgreichsten Radfahrer seit Lance Armstrong – wirft den Sport um zehn Jahre zurück. Im Prinzip fängt der Radsport jetzt wieder an, für sich werben zu müssen.“

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