Marvin Plattenhardt hat anderes als der Rest seiner Kollegen von Hertha BSC noch einmal Eigenwerbung betrieben. Die beiden Treffer der Berliner beim 2:6 am Sonnabend gegen Leipzig bereitete der 26-Jährige mit einem Eckball und einer schnittigen Flanke vor. Einen echten Unterschied macht das aber auch nicht mehr. Bundestrainer Joachim Löw hat sich längst entschieden, den Linksverteidiger in seinen vorläufigen Kader für die WM in Russland (14. Juni bis 15. Juli) aufzunehmen.
Am Dienstag (ab 12.30 Uhr/Sky und im Internetstream auf dfb.de) wird der 58-Jährige im Dortmunder Fußball-Museum verkünden, wen er ins Trainingslager in Südtirol (23. Mai bis 8. Juni) mitnimmt. Das endgültige WM-Aufgebot aus 20 Feldspielern und drei Torhütern muss Löw erst am 4. Juni beim Weltverband Fifa hinterlegen. Wahrscheinlich ist daher, dass sich der Bundestrainer bei den schwierigsten Personalfragen noch ein bisschen Zeit verschafft.
Die schwierigste lautet: Was wird aus Nationalelf-Kapitän Manuel Neuer? Immer noch konnte der Bayern-Torwart nach seiner erneuten Fußverletzung im September nicht spielen. Spielpraxis könnte Neuer beim WM-Test gegen Österreich in Klagenfurt am 2. Juni sammeln. Der zweite Test gegen Saudi-Arabien am 8. Juni in Leverkusen findet schon nach der Nominierungsfrist statt.
Und dann wäre da noch Mario Götze. Der Dortmunder ist eigentlich einer von Löws Lieblingsschülern. Bei der WM 2014 schoss er das Finaltor. Aber zuletzt überzeugte Götze weder das Dortmunder Publikum noch Löw, der ihn bei den vergangenen Testspielen gegen Spanien und Brasilien nicht berücksichtigte. Darüber hinaus ist die Frage zu beantworten, ob als Stoßstürmer der Ex-Herthaner Sandro Wagner den Vorzug erhält oder Mario Gomez? Letzterer hatte seit seiner Rückkehr zum VfB Stuttgart in der Winterpause acht Tore erzielt. Wagner, der ebenfalls im Winter zum FC Bayern gewechselt war, traf wettbewerbsübergreifend neun Mal. „Am Ende entscheidet auch ein bisschen mein Bauchgefühl“, sagte Löw über seine Herangehensweise.
Erst am 4. Juni muss das endgültige Aufgebot stehen
23 Spieler plus x wird er vorläufig nominieren. Wahrscheinlich ist, dass die schwierigsten Fragen erst am 4. Juni beantwortet werden. Löw könnte am Dienstag 27 Spieler benennen – inklusive Neuer, Götze, Wagner und Gomez –, und im Juni drei Profis streichen. Dass die aktuell noch angeschlagenen Innenverteidiger Jerome Boateng und Mats Hummels im vorläufigen Kader stehen werden, davon darf man ausgehen.
Echte WM-Überraschungen sind nicht zu erwarten. Auch wenn sich einige Spieler noch Hoffnungen machen wie der ehemalige Herthaner Nico Schulz. Der Linksverteidiger spielte in Hoffenheim zuletzt auffällig (vier Vorlagen in den letzten neun Spielen), was einen Anruf von Löw zumindest in den Bereich des Vorstellbaren rückt. „Mein Handy ist an“, sagte Schulz. Auch eine Reiserücktrittsversicherung für den Urlaub habe er abgeschlossen. „Ich bin ja kein Amateur.“ Der 25-Jährige würde aber den Platz von seinem ehemaligen Mitspieler Plattenhardt einnehmen. Und das wiederum würde nicht zu Löw passen. Der Bundestrainer setzt eher auf Beständigkeit, denn auf Experimente.
Jörn Meyn

