Die letzte Trainingseinheit vor dem Start in die Finalserie um die Deutsche Meisterschaft hatte Stelian Moculescu sich anders vorgestellte. Am Dienstagabend musste der Trainer der BR Volleys ohne seinen ersten Zuspieler Pierre Pujol auskommen. Der Franzose klagte über Rückenschmerzen und fuhr zum Arzt, anstatt mit seiner Mannschaft noch am letzten Schliff zu arbeiten. „Jetzt musste ich ein bisschen improvisieren“, sagte Moculescu etwas verärgert.
Am Mittwoch stand Pujol allerdings um sieben Uhr früh am Flughafen Tegel parat, als die Volleys gesammelt zum Bodensee aufbrachen, wo sie an diesem Donnerstag das erste Spiel der Best-of-Five-Serie gegen den VfB Friedrichshafen bestreiten (20 Uhr, Livestream bei sportdeutschland.tv). „Er steht gerade in kurzen Hosen neben mir – wie ein junger Gott“, sagte Moculescu nach der Landung. Der 67-Jährige war hörbar erleichtert. Eine Verhärtung im rechten Gesäßmuskel hatte Pujol kurzzeitig außer Gefecht gesetzt, Teamarzt Oliver Milder konnte aber helfen. „Heute geht Pierre noch einmal zur Physiotherapie und dann wird er schon spielen“, sagte Moculescu. „Es ist ein harter Hund, und sonst schleppen wir ihn auf der Trage aufs Feld.“
Die Vorfreude auf die entscheidenden Partien dieser Saison ist Moculescu deutlich anzumerken. Zum 21. Mal in Folge wird der Meister in der Volleyball-Bundesliga der Männer aus Friedrichshafen oder Berlin kommen. Mit einem Teamdinner und einem Underground-Lasergame hat die Mannschaft sich am Dienstagabend noch einmal auf den Kampf gegen den großen Rivalen eingeschworen. Fünf Mal haben die BR Volleys in dieser Saison bereits gegen den amtierenden Supercup- und Pokalsieger gespielt. Gewinnen konnten sie keine einzige dieser Partien.
Das muss aber nichts heißen, glaubt jedenfalls der ehemalige Berliner Ruben Schott. „Im vergangenen Jahr haben wir auch andauernd gegen den VfB verloren, in der Meisterschaft standen wir dann aber oben“, sagt der 23-Jährige, der seit dieser Saison in der italienischen Liga spielt. Mit seinem Klub Revivre Mailand hat er die Saison auf Rang fünf abgeschlossen. Nun ist er auf Heimatbesuch und will sich die Finalspiele seiner alten Mannschaftskameraden natürlich nicht entgehen lassen. „Ich denke, da kann alles passieren“, sagt Schott. Für besonders wichtig hält er die druckvollen Sprungaufschläge der Berliner, um die stabile Annahme der Süddeutschen zu stören. Außerhalb der deutschen Grenzen hat das Team des ehemaligen Bundestrainers Vital Heynen den Titel „die Unbesiegbaren“ inzwischen auch ablegen müssen. In der Champions League verlor Friedrichshafen zweimal gegen Zaksa Kedzierzyn-Kozle aus Polen. Heynen ist sich sicher: „Wenn Berlin wie Zaksa in unserer Arena auftritt, verlieren wir wahrscheinlich auch.“ Dazu wäre dann allerdings eine Angriffsquote von fast 80 Prozent von Nöten. „Ob Berlin diese Qualität besitzt – mal schauen“, sagt Heynen. Zuletzt scheiterten die Volleys gegen den VfB stets an ihrer eigenen Fehlerquote. „Daran haben wir in den letzten Wochen gearbeitet“, sagt Mittelblocker Graham Vigrass. Weniger Fehler und aggressive Aufschläge sollen nun zum heiß ersehnten neunten Meistertitel führen. Nach der Partie in Friedrichshafen folgt nur drei Tage später die nächste Begegnung in der Schmeling-Halle (Sonntag, 15 Uhr). „Das sind die Spiele, auf die man hintrainiert“, sagt Moculescu. Spiele, für die er 73 Tage seine Rente unterbrach: „Jetzt geht es um die Wurst.“


