Unverhofft kommt oft: In der Oberliga darf Tennis Borussia durch die Patzer von Rathenow plötzlich doch noch mal am Aufstieg in die Regionalliga schnuppern. Und heute Abend (19 Uhr, Jahnsportpark) können die Lila-Weißen im Halbfinale des Berliner Pokals beim BFC Dynamo sogar zeigen, dass sie schon reif für eine Liga drüber sind. Erwartet werden 3000 Zuschauer!
TeBe kontra BFC – als die beiden Klubs Anfang der 1990er-Jahre aufeinander trafen, war das noch so richtig West gegen Ost. Hier die Veilchen, die das gut betuchte Westberlin verkörperten, dort der damals als FC Berlin spielende zehnfache DDR-Meister, der sich in die glorreichen Zeiten als geförderter Verein zurücksehnte. Heute teilen beide ein ähnliches Schicksal.
Beide Klubs erlebten auf brutalste Weise, wie man finanziell ins Bodenlose fallen kann. Der BFC hatte nach der Wende zwar seine Stars für viele Millionen verkauft, musste trotzdem in der Saison 2001/02 Insolvenz anmelden und sogar für zwei Jahre runter in die damalige Verbandsliga. Dank Geldern der inzwischen auch in die Insolvenz gegangenen Investment-Firma Göttinger Gruppe konnte TeBe 1999 sogar vom Sprung in die Bundesliga (gelang TeBe schon 1974 und 1976) träumen. Statt im Berliner Pokal stürmten die Borussen damals noch im DFB-Pokal, warfen sogar Hertha raus. Zwei Jahre später war man wieder zwei Ligen tiefer. Und 2010 ereilte dann auch TeBe das Schicksal einer Insolvenz und ein Jahr später der Abstieg in die Berlin-Liga.
„Die Geschichte der beiden Vereine ist schon ziemlich ähnlich. Aktuell ist uns der BFC aber zwei Schritte voraus und hat gezeigt, wie es mit Geld und Kompetenz wieder nach oben gehen kann“, sagt TeBe-Trainer Thomas Brdaric. Dass der Ex-Profi (u.a. Leverkusen und Hannover) vergangenen Sommer ins Mommsenstadion kam, war ein deutlicher Fingerzeig, dass auch TeBe wieder überregionale Fußballsphären anstrebt. „Die Konstanz und Erfahrung von Rathenow lässt Rang eins bisher leider nicht zu. Aber zuletzt haben wir ordentlich gepunktet, so dass es noch mal spannend wird“, schürt Brdaric Hoffnunfen. Nur noch fünf Punkte bei einem Spiel weniger trennt TeBe vom Ticket zur Regionalliga.
Für den BFC geht es dort als Tabellenzweiter schon um nichts mehr. Auch deshalb spielte am Sonntag eine B-Mannschaft bei Chemie Leipzig. Das 0:1 passte zwar Chemies Konkurrenten im Abstiegskampf überhaupt nicht. Aber das war Dynamo egal. „Wir wollen unbedingt den Pokal gewinnen und müssen deshalb an uns denken. Durch die vielen ausgefallen Spiele haben unsere Stammkräfte ständig englische Wochen. Das sind die Jungs nicht gewohnt. TeBe spielte außerdem schon am Freitag, wir erst Sonntag. Damit haben wir auch noch zwei Tage weniger für die Regeneration“, so BFC-Trainer René Rydlewicz, der vor 18 Jahren selbst ein lukratives Angebot von TeBe hatte, sich damals aber für den Wechsel von Bielefeld nach Rostock entschied.
Die Rotation der Dynamos zeigt aber auch, wie ernst der BFC den Gegner nimmt. Rydlewicz sagt: „Für mich ist das ganz klar eine Mannschaft mit Regionalliga-Niveau.“ Gleich fünf Spieler (Torwart Stephan Flauder, Spielmacher Thiago Rockenbach, Nils Göwecke, Tino Schmunck und Christopher Skade) waren einst selbst beim BFC. Und mit Karim Benyamina spielt ein ehemaliger Zweitliga-Profi (Union) auch in Lila-Weiß. Brdaric sieht sich trotzdem lieber als Underdog. „Der BFC ist haushoher Favorit. Mit Rufat Dadashov fällt zwar der Top-Torjäger aus. Aber auch ein Matthias Steinborn kann den Unterschied machen. Wir hängen derzeit auch so ein bisschen am Tropf und müssen paar wichtige Spieler ersetzen. Eine schlagkräftige Truppe kriegen wir natürlich trotzdem auf den Platz“, so der 43-Jährige.
Beide haben sich gegenseitig in den letzten Wochen fleißig beobachtet und auch prophylaktisch im Training Elfmeterschießen geübt. Brdaric: „Wir hatten dazu ja außerdem schon unter Wettkampfbedingungen im Viertelfinale Gelegenheit.“ Gegen Tasmania siegte TeBe vor dreieinhalb Wochen erst mit 6:5 nach Elfmeterschießen. Ein ähnlicher Krimi wäre ein neuer Meilenstein in der TeBe-Geschichte. Und im Finale am 21. Mai gegen den Berliner SC oder Eintracht Mahlsdorf (heute 19 Uhr, Hubertusallee) geht es auch noch um 159.000 Euro, die jeder Starter in der ersten DFB-Pokalrunde erhält.
René Miller

