Frisch geduscht marschierte Dennis Diekmeier nach dem 0:6 (0:3)-Debakel beim FC Bayern als erster HSV-Profi in Richtung Mannschaftsbus. Kommentarlos. Viele Mitspieler äußerten sich ebensowenig. Erst Kyriakos Papadopoulos redete Klartext. „In den zurückliegenden beiden Transferperioden sind Fehler gemacht worden“, sagte der Grieche. Seine Abrechnung richtete sich an die für den Kader verantwortlichen und unter der Woche entlassenen Heribert Bruchhagen (Klubchef) und Jens Todt (Sportchef). „Die Mannschaft hat keine Hilfe bekommen. Im Winter hat sich die Konkurrenz mit Spielern verstärkt, die inzwischen viele Tore geschossen haben – siehe Köln mit Terodde und Stuttgart mit Gomez. Nur wir nicht.“
Hilfe oder nicht: Mit einem blutleeren Auftritt ließen die Hanseaten sämtliche Attribute vermissen, auf die es im Abstiegskampf ankommt. Unbeeindruckt von der schwersten sportlichen Krise der Hamburger Vereinsgeschichte zeigten die Münchner kein Erbarmen und siegten ebenso mühelos wie gnadenlos nach Toren von Franck Ribéry (8./81.), einem Dreierpack von Robert Lewandowski (12./19./90.) und Arjen Robben (55.).
Trainer Bernd Hollerbach bemängelte die Auflösungserscheinungen seiner Mannschaft. „Man kann verlieren, aber man muss ordentlich dagegenhalten. Wir waren heute nicht griffig genug“, sagte er. Die Hamburger können sich bei Torhüter Christian Mathenia und den im Abschluss manchmal unkonzentrierten Münchnern bedanken, dass die Niederlage nicht noch höher ausfiel. Bestes Beispiel: der verschossene Elfmeter des sonst so sicheren Schützen Lewandowski (86.). Zuvor hatte er 17 Strafstöße in Folge getroffen. Vier Minuten nach seinem Fehlschuss durfte der Pole aber erneut vom Punkt antreten – und verwandelte sicher. Damit stockte Lewandowski sein Torkonto auf 23 Treffer auf – fünf Tore mehr als der gesamte HSV.
In den vergangenen acht Duellen beim Rekordmeister kassierte der HSV 50 Gegentore, traf selbst nur dreimal – eine erschütternde Bilanz. „Es kann nicht sein, dass wir hier immer eine Klatsche kassieren“, kritisierte Hollerbach. Die Stimmen, dass der Ende Januar verpflichtete Franke nach sieben sieglosen Spielen schon wieder ausgetauscht werden könnte, werden nach dieser deftigen Pleite lauter. „Ich denke schon, dass sie irgendwann mit mir reden werden“, sagte der Coach.
Die Bayern könnten bereits am kommenden Spieltag ihren 28. Meistertitel und den sechsten in Folge perfekt machen – sieben Spieltage vor Saisonschluss und so früh wie bislang nur sie selbst (2014 unter Trainer Pep Guardiola).
Kai Schiller/Stefan Walther

