Kontinuität sei nicht sein Ziel, sagte der neue Präsident des Hamburger SV, Bernd Hoffmann nach seiner Wahl am 18. Februar. Den Worten ließ er schnell Taten folgen. Am Mittwochabend ließ sich der 55-Jährige von seinen Kollegen zum Aufsichtsratsvorsitzenden der AG wählen. Einen Tag später rief er den Neustart aus. In der offiziellen Mitteilung las sich das so: „Der Aufsichtsrat stellt Heribert Bruchhagen frei.“

Der Vorstandsvorsitzende, dessen Vertrag erst im Dezember bis Sommer 2019 verlängert wurde, ist also nach nur 14 Monaten wieder Geschichte. Der Schritt war zu erwarten, das Tempo überraschte dann doch. Finanzchef Frank Wettstein wurde dadurch (vorübergehend) Alleinvorstand und beurlaubte sofort Sportchef Jens Todt. „Wir wollten den Weg frei machen für eine Neuaufstellung“, sagte Hoffmann, „diese Entscheidung ist ausschließlich vorwärts gerichtet.“

Sicherlich ist durch die Niederlage in Bremen und das Unentschieden gegen Mainz eine neue Dynamik in die Gremienentscheidungen gekommen. Der erstmalige Abstieg ist nur noch durch „ein Wunder“ (Hoffmann) zu verhindern. Dem Duo Bruchhagen/Todt trauen Hoffmann und der ­Aufsichtsrat eine aussichtsreiche Zukunftsplanung nicht mehr zu.

Dennoch trat Bruchhagen am Mittag mit einem Lächeln an die Öffentlichkeit. Er selbst hatte eine Entscheidung eingefordert, Schluss mit der Hängepartie. „Ich bin am Morgen vom neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Bernd Hoffmann freigestellt worden. Danach habe ich mich von der Mannschaft verabschiedet und ihnen gesagt, dass es noch nicht zu Ende ist“, sagte der 69-Jährige, der zugab: „Ich habe gedacht, dass wir gut aufgestellt in die Saison 2017/18 gehen. Das hat sich als Trugschluss herausgestellt. Die Verantwortung dafür übernehme ich. Ich wünsche mir, dass der HSV durch den Neuaufbau die Krise löst.“ Todt war seit Januar 2017 im Amt und wie Bruchhagen nicht überrascht von seinem Aus. „Wenn sich alle einig sind, dass es im Sommer auch nicht mehr weitergegangen wäre, dann ist es folgerichtig, schon jetzt eine Entscheidung zu treffen“, erklärte Todt. Er stehe für eine geordnete Übergabe zur Verfügung.

Hoffmann sieht keine Eile bei der Suche nach Sportvorstand

Ziel der neuen Führung ist es nun zunächst, einen „starken Sportvorstand“ zu berufen. „das kann auch jemand sein, der derzeit noch irgendwo in Amt und Würden ist“, sagte Hoffmann, der aber betonte: „Wir haben dabei keine Eile. Es geht darum, den besten Kandidaten für den HSV zu finden“, so ­Hoffmann, „Qualität geht dabei vor Schnelligkeit.“

Gerüchte um Jörg Schmadtke und Horst Heldt kochten schnell hoch, verdampften aber auch ebenso schnell wieder. „Es gibt keinen Kontakt zum HSV“, sagte der ehemalige Kölner ­Manager Schmadtke. Und auch Heldt dementierte: „Ich war heute nicht in Hamburg.“ Außerdem soll er bei Hannover 96 in Kürze zum Geschäftsführer Sport aufsteigen.

Schon fragen Spielerberater, Manager und so weiter nach Handynummern der Ansprechpartner beim HSV. „Wir haben einen funktionierenden sportlichen Bereich. Dass da jetzt der Manager wegfällt, wird nicht dazu ­führen, das wir handlungsunfähig sind“, erklärte Hoffmann. Wettstein, Sportdirektor Bernhard Peters und der neue Kaderplaner Johannes Spors seien ja noch da – „deren Nummern können Sie gerne weitergeben“. Und natürlich die von Hoffmann selbst. Als Aufsichtsratsvorsitzender ist auch er nach Aktienrecht durchaus entscheidungsbefugt. Und es wäre schon erstaunlich, wenn er nicht auch aktiv im operativen Geschäft mitmischen wollte. Die Kompetenz dazu traut sich der langjährige HSV-Vorstandschef und spätere Spielerberater natürlich zu.

Auf der Suche nach einem neuen „Gesamtkunstwerk“ (Hoffmann) geht es dann darum, einen neuen Vorstandsvorsitzenden zu finden. Der kommissarische Chef Wettstein hat betont, dass er mittelfristig wieder für die Zukunft verantwortlich sein will. Dass der neue Vorstandschef Bernd Hoffmann selbst sein könnte, darüber wurde zuletzt häufig spekuliert. „Es ist nicht mein Ziel, ­Vorstandchef zu sein“, sagte Hoffmann, „es geht darum, die beste Lösung für den HSV zu finden.“

Trainer Bernd Hollerbach, der sein Team auf die Partie beim FC Bayern am Sonnabend vorbereiten muss, hat für seine Spieler angesichts des Bebens in der Vorstandsetage, der trostlosen Situation und zuletzt erschütternder Auftritte in München (acht Pleiten bei 3:45 Toren) nur den Rat, „dass sie im Moment nicht so viel lesen sollen“.