Was Pal Dardai verspricht, hält er auch, und so warteten auf die lokalen Berichterstatter zwei Töpfe mit heißer Gulaschsuppe. Herthas Trainer hatte den Journalisten in der Vorwoche ein Mittagessen versprochen für den Fall, dass seine Mannschaft beim FC Bayern mindestens einen Punkt holt. So kam es dann auch, und obwohl ein Remis beim deutschen Rekordserienständigmeister für fast jedes Team der Bundesliga einer mittleren Sensation gleichkommt, dürfte Dardai in seinem langen Leben als Fußballer schon überraschendere Resultate erlebt haben.
Zu gut spielt seine Mannschaft gerade in der Fremde. Was die dort geholten Punkte (15) angeht, liegt Hertha ligaweit auf Platz sechs. In der Heimtabelle finden sich die Berliner dagegen nur auf Rang 15 wieder (16 Punkte). Kurios, schließlich lief es in der vergangenen Spielzeit genau umgekehrt. Vor einem Jahr beendete Hertha die Saison daheim als Fünfter und auswärts als Fünfzehnter.
Hoffnung auf den neuen Rasen im Olympiastadion
Wie die neue Auswärtsstärke zu erklären ist? Einen Aspekt sieht Dardai in der dazugewonnenen Reife. „Dadurch, dass wir auswärts nur wenige Punkte geholt haben, hat die Mannschaft viel Erfahrung gesammelt. Wir haben die Laufbereitschaft erhöht und wollen gut stehen, kontern, Umschaltaktionen bis zum Ende bringen – so wie in Leverkusen. Wir werden sehen, ob wir das umsetzen können“, sagt Herthas Trainer vor der Partie am Sonnabend beim FC Schalke 04 (15.30 Uhr, Sky).
Dort wird auch Fabian Lustenberger spielen können – trotz eines bei den Bayern erlittenen Risses im Nasenknochen. In München (0:0) und Leverkusen (2:0) hatte der formstarke Schweizer einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Eine Entwicklung, die schon vor der Winterpause einsetzte, als Lustenberger bei RB Leipzig in Unterzahl in die Innenverteidigung rückte und Hertha 3:2 gewann.
Auswärts tritt Hertha sehr kompakt auf. Verschiebe- und Umschaltbewegungen funktionieren bestens, die Grundordnung wird gehalten, alles wirkt sehr stabil. Alles so, wie es vergangene Saison im Olympiastadion war. „Letztes Jahr haben wir dort mit großer Geduld gespielt und so lange den Ball gehalten, bis wir 1:0 geführt haben. Die Gegner wussten: Wenn Hertha einmal führt, wird es schwer. Aber für dieses Spiel braucht man einen guten Platz“, sagt Dardai. Den bot das Olympiastadion schon ab Mitte der Hinrunde nicht mehr – „Bundesliga-unwürdig“ lautete eine oft gebrauchte Beschreibung, wenn die Rede vom Berliner Rasen war. Anfang dieser Woche wurde das Grün nun ausgetauscht, im kommenden Heimspiel gegen Freiburg (10. März) wird Hertha erstmals auf dem neuen Teppich spielen. Dardai hofft, dass die Bilanz zu Hause dann besser ausfällt.
Alles auf den Rasen schieben will er aber nicht. „Einige Heimspiele in der Hinrunde haben wir verschenkt, weil wir zu naiv waren. Wir wurden teilweise zu Hause ausgekontert, dadurch ist vielleicht das Selbstvertrauen der Spieler hier kaputtgegangen“, sagt er mit Blick auf das Pokalspiel gegen Köln (1:3). Auch die verlorenen Duelle gegen Mönchengladbach (2:4) und Frankfurt (1:2) fallen in diese Kategorie. In allen Spielen war Hertha zunächst das bessere Team, fing sich aber in den eigenen Druckphasen regelmäßig Gegentore.
Purer Zufall ist das nicht. Dahinter steht auch das Berliner Defizit, Ballbesitz in Kreativität und Torchancen umzuwandeln. Einfach heruntergebrochen: Dardais Elf tut sich immer dann schwer, wenn sie das Spiel machen muss. Und das ist nun mal zu Hause meistens der Fall, weil die meisten Gäste vorrangig auf Konter aus sind. Deutschland, einig Konterland.
Um genau für diese Art des Spiels besser gewappnet zu sein, verpflichtete Hertha in Person von Mathew Leckie, Valentino Lazaro oder Davie Selke junge, dynamische und schnelle Fußballer. Geschwindigkeit war den Berlinern im Vorjahr oft abgegangen. Da die neuen Tempomacher aber bald ihren Platz im Team fanden, veränderte sich dessen Antlitz. Herthas Stil wurde ein anderer und auswärts das neue zu Hause. Michael Preetz würde eine Kreuzung aus vergangener und aktueller Saison besser gefallen. „Mir wäre am liebsten, wenn wir am Ende die gute Heimbilanz mit der guten Auswärtsbilanz mischen könnten“, sagt Herthas Manager, „dann wäre klar, wo wir landen.“
Was Dardai angeht, scheint ihm die neue Stärke noch immer etwas suspekt. Für den Fall, dass die Berliner in Gelsenkirchen gewinnen, hat er den Reportern erneut ein Mittagessen in Aussicht gestellt.

