Berlin

„Habe die Mannschaft zu wenig abgeholt“

Bundestrainer Prokop gibt sich nach Treuebekenntnis selbstkritisch. Der Verbleib spaltet die Handball-Szene

Berlin. Am Tag nach der Entscheidung des Verbandes kehrte keine Ruhe ein. Im Gegenteil. In ganz Handball-Deutschland fühlten sich Macher und Akteure der Szene zu Reaktionen aufgerufen. So mahnten die Spitzenfunktionäre aus dem Norden Einigkeit an. „Wir müssen jetzt geschlossen hinter dieser Entscheidung stehen“, sagte Thorsten Storm, Geschäftsführer des THW Kiel, zum Verbleib von Christian Prokop als Bundestrainer. Uwe Schwenker, der als Präsident der Handball-Bundesliga (HBL) im Präsidium des DHB sitzt, sagte: „Wir haben alle Interesse daran, dass der deutsche Handball erfolgreich ist und nicht gegen Christian Prokop gearbeitet wird.“ Und Dierk Schmäschke, Geschäftsführer der SG Flensburg-Handewitt, sprach von einer „Chance für einen Neuanfang“. Man müsse den Blick positiv in die Zukunft richten. „Die Nationalmannschaft ist der Motor unserer Sportart. Es muss allen direkt Beteiligten klar sein, dass man einen neuen gemeinsamen Weg geht.“

Die zweite Chance für Prokop vergrößert nicht nur in der Bundesliga die Sorge vor Rücktritten aus dem Nationalteam. „Wenn jetzt drei, vier, fünf Spieler sagen würden, dass sie nicht mehr mitmachen, hätten wir eine andere Situation“, sagte Liga-Geschäftsführer Frank Bohmann. Nationalspieler Steffen Weinhold appellierte mit Blick auf die wichtige WM 2019 in Deutschland und Dänemark daher an seine Teamkollegen. „Alle müssen jetzt einen Schritt aufeinander zugehen“, forderte der 31-Jährige in den „Kieler Nachrichten“. „Wenn drei, vier, fünf Spieler wegbrechen, fehlt es uns an Qualität.“

Sollte es tatsächlich zu Spielerrücktritten kommen, stünde der DHB vor einem Desaster. Angesichts der angespannten Situation hält der frühere Welthandballer Daniel Stephan das Festhalten an Prokop für eine „eklatante Fehlentscheidung“. „Ich weiß von Spielern, die sich negativ geäußert haben – nicht offiziell, aber das zeigt: Es stimmt einfach hinten und vorne nicht zwischen Prokop und dem Team“, schreibt er in seiner Sport1-Kolumne. Und Stephan teilt weiter aus. „Letztendlich hat sich die Macht von Bob Hanning gegen die Fakten durchgesetzt. Denn er hat sicherlich alles daran gesetzt, dass an seinem Schützling Christian Prokop festgehalten wird“, schrieb er mit Blick auf DHB-Vizepräsident Hanning. „Denn sonst hätte er auch zurücktreten müssen. Das hätte sein Ego wahrscheinlich nicht verkraftet.“

Am Dienstagnachmittag meldete sich schließlich auch Hauptdarsteller Prokop zu Wort. Der 39-jährige Sachse räumte auch eigene Fehler ein. „Mit Sicherheit war die Kommunikation mit- und untereinander nicht optimal. Ich habe die Mannschaft während der EM zu wenig abgeholt und in wichtige Entscheidungen zu selten miteinbezogen“, sagte Prokop. Der gegenseitige Austausch müsse nun „offen, ehrlich und zielorientiert sein, um alle Stärken zu bündeln“.