Unverkäuflich ist ein Begriff, der in den USA, dem Land des Turbokapitalismus, nicht existiert. Umso befremdlicher, ihn dann doch zu hören. Erst recht, fällt er im Bezug auf eine zugegeben wenig ansehnliche Hundemaske aus elastischem Plastik. „No way man, for no money in the world“, antwortet ein fülliger Mann in einer Hotellobby auf die Frage, für welchen Preis er das dieser Tage beliebte Utensil überlassen würde.
In Minneapolis, wo in der Nacht von Sonntag auf Montag das Endspiel der National Football League (NFL) zwischen den New England Patriots und den Philadelphia Eagles steigt (0.30 Uhr, ProSieben), sind die Masken der Renner. Überall auf den verschneiten Straßen sind Fans von Außenseiter (englisch: underdog) Philadelphia damit zu sehen. Auch im Rest des Landes gibt es kaum noch Modelle. Wer im Internet sucht, muss mit Preisen ab 400 Dollar rechnen. Es scheint, als hätten sich ganz Philadelphia und weite Teile der USA eine riesige Hundemaske übergestülpt.
Die Geschichte der Eagles und ihres Einzugs in den Super Bowl könnte amerikanischer kaum sein. Sie handelt vom großen Außenseiter, der versucht, den übermächtigen Favoriten zu stürzen. „Wir sind die Underdogs, aber diese Rolle steht uns gut, oder?“, sagt Verteidiger Fletcher Cox. Er und seine Kollegen waren es, die nach dem ersten Play-off-Sieg der Eagles gegen Atlanta damit begannen, sich Hundemasken über den Kopf zu ziehen um zu symbolisieren: „Seht her, ihr mögt uns nicht auf dem Zettel haben, aber mit uns ist zu rechnen.“
Der Quarterback wollte seine Karriere schon beenden
Wirklich gerechnet hatte vor der Saison niemand mit Philadelphia. Chaotische Jahre mit Kleinkriegen in der Führungsetage lagen hinter der Franchise, zuletzt hatte man das Play-off 2013 erreicht. Vergangene Spielzeit reichte es nur zu sieben Siegen. Ab Saisonbeginn aber spielte sich die Mannschaft in einen Rausch, verlor nur drei der 16 Vorrundenspiele und galt auf einmal als Geheimfavorit. Bis sich Quarterback Carson Wentz gegen Ende der regulären Saison schwer verletzte. Da waren die Eagles schon für das Play-off qualifiziert.
Nur schien ohne ihren besten Spieler das frühe Aus wahrscheinlich. Mit einem Ersatzmann auf der Quarterback-Position, der wichtigsten beim Football, kommt niemand in den Super Bowl, so die verbreitete Meinung. Doch der Ersatzmann Nick Foles (29) wuchs über sich hinaus. Auch seine Geschichte: sehr amerikanisch. Foles ist bereits zum zweiten Mal bei den Eagles. Während seiner ersten Etappe galt er als talentierter Spielmacher, in einem Spiel gelangen ihm 2013 sieben Touchdown-Pässe, bis heute NFL-Rekord. Dann geriet er aber zwischen die Fronten des Führungsstreits, wurde weggeschickt, versauerte bei mittelprächtigen Teams und verlor die Lust am Football. Eigentlich wollte er seine Karriere schon beenden.
Während des Play-off das eigene Spiel komplett umgestellt
Nun steht Foles im Super Bowl und alles, was der Mann aus Texas dazu sagen kann, ist „amazing“, oder: „Gott hat uns und mich hierhin geführt.“ Seinen Anteil hat Foles gewiss auch geleistet. Mit ihm setzt Philadelphia auf etwas weniger Risiko im Angriff als mit dem passsichereren Wentz, der die Eagles zu fast 30 Punkten pro Spiel führte. Unter Foles sind es nur noch 21,2, aber er macht kaum Fehler.
Darüber hinaus ist auf die Verteidigung Verlass. Die gehört zu den besten der NFL und soll dafür sorgen, dass die Eagles ihren ersten Super Bowl gewinnen. Bisher erreichte Philadelphia zweimal das Endspiel, beide Male wurde verloren. Zuletzt vor dreizehn Jahren. Gegner damals: die New England Patriots. Für den Fall, dass die Eagles dieses Mal gewinnen, wurde den Einwohnern Philadelphias Freibier versprochen.



