Mehr Worte mussten an diesem Tag offenbar nicht ausgetauscht werden. Es war alles gesagt. Alles – und offenbar doch zu wenig. Die Delegation des FC Arsenal, der neben Geschäftsführer Ivan Gazidis auch Chefscout Sven Mislintat angehörte, war am Sonntag in Dortmund, um Verhandlungen zu führen. Verhandlungen über die Zukunft von Pierre-Emerick Aubameyang, den Torjäger von Borussia Dortmund (dessen Vertrag bis 2021 läuft), der mit seinem provokanten Verhalten in den vergangenen Tagen seinen Abschied aus Westfalen erzwingen will. Mit dem Fernbleiben einer Teamsitzung. Mit lustlosen Trainingseinsätzen. Mit einem Kick in einer Soccerhalle, während sich die Kollegen bei Hertha BSC zu einem 1:1 mühten.

Aubameyang hat seinen Kollegen und Vorgesetzten fast täglich vor den Kopf gestoßen. Zuletzt wurde der 28-Jährige in der englischen Boulevardzeitung „The Sun“ zitiert, wie sehr er den FC Arsenal und dessen Trainer Arsène Wenger verehrt. Der Torjäger will weg, sofort – wie im vergangenen Sommer schon, nur dass ihm jetzt alle Mittel recht sind, und ein ernsthaftes Interesse der Londoner besteht.

Beendet ist die Posse um Aubameyang deshalb noch lange nicht. „Es gibt keinen neuen Stand“, sagte Sportdirektor Michael Zorc, nachdem sich die Gäste am Sonntagnachmittag wieder verabschiedet hatten. Der Status quo ist unverändert: Gespräche? Ja. Ein Angebot, das der BVB nicht ablehnen kann? Nein.

Offenbar liegen die Parteien (noch) ein beträchtliches Stückchen auseinander in der Frage, was der Torschützenkönig der vergangenen Bundesligasaison aktuell wert sei. Nach Informationen dieser Zeitung ist es deshalb nicht ausgeschlossen, dass Aubameyang auch über den Januar hinaus noch Spieler des BVB sein wird, was wegen seines mannschaftsspaltenden Verhaltens durchaus risikobehaftet ist. Genauso risikobehaftet wäre es aber, den gefährlichsten Schützen der vergangenen Jahre abzugeben, ohne für Ersatz zu sorgen. Ein Aspekt, der womöglich auch Gegenstand der Verhandlungen mit Arsenal war (oder wird). Denn beim englischen Top-Klub steht mit Olivier Giroud ein Mann im Kader, für den Trainer Wenger zuletzt nicht mehr allzu große Wertschätzung übrig hatte. Der 31 Jahre alte Stürmer will sich jedoch für den französischen Edelkader bei der WM empfehlen. Dazu braucht er Einsätze. Die Borussia hingegen benötigt einen Stürmer, der ihr sportlich sofort weiterhilft. Und sei es nur für ein paar Monate.

Daniel Berg