Weltmeister Toni Kroos hat in diesem Jahr 2017 fünf Titel gewonnen mit Real Madrid, auf den möglichen sechsten mit der deutschen Nationalelf beim Confed Cup hat er zugunsten einer Erholungspause verzichtet. Im Fußball schreiben aber nicht nur die Sieger Geschichten. Die Morgenpost trug die ungewöhnlichsten zusammen.
Beneventos Kopfballheld: In der Kategorie „Tor des Jahres“ ist er ganz weit vorn: Torwart Alberto Brignoli vom italienischen Erstligisten Benevento Calcio. 14 Spiele hatte der Aufsteiger in Italiens Serie A bereits bestritten und noch keinen einzigen Punkt geholt. Dass sich dies ausgerechnet in der Partie gegen den großen AC Mailand ändern würde, hätte vorher wohl niemand zu glauben gewagt. Beim Stand von 1:2 eilte Brignoli für die letzte Aktion in den gegnerischen Strafraum – und beförderte den Freistoß in der 95. Minute mit einem sehenswerten Flugkopfball ins Tor. Dass der Torwart auf diese Weise für den ersten Punkt seines Teams in der Serie A sorgen würde, hätte er wohl auch nicht gedacht.
In größter Not: Auch die siebte englische Liga kann kuriose Dinge vorweisen. In der Partie zwischen Salford und Bradford konnte es der Torhüter von Saldorf, Max Crocombe, nicht mehr aushalten und urinierte kurz vor Ende des Spiels an die Seite einer Tribüne. „Er wurde zweimal gewarnt, es nicht zu tun, und trotzdem hat er es gemacht und gepinkelt“, sagt Colin Barker vom gastgebenden Club Bradford Park Avenue. Die Konsequenz: Der 24 Jahre alte Crocombe bekam vom Schiedsrichter die Rote Karte. Aber wenn die Not doch nun mal so groß war.
Jubelnde Pechvögel: Das Eigentor des Jahres ist fast noch schöner als das Tor des Jahres. Und zwar, weil sich die beiden Pechvögel kurz vorher so schön miteinander freuen. Der Torhüter der zweiten Mannschaft von Büyüksehir Gaziantepspor aus der Türkei pariert einen Elfmeter – sehr zur Freude seines Teamkollegen, der jubelnd herangestürmt kommt. Dem Torwart, der den Ball noch festhält, rutscht die Kugel bei der stürmischen Umarmung seines Mitspielers aus den Händen und kullert ins Tor. Zu früh gefreut.
Ryan Colclough: Zwei Tore und ein Baby. So könnte man Ryan Colcloughs Tagewerk vom 22. November zusammenfassen. Der Stürmer von Englands Drittligist Wigan Athletic wurde im Spiel gegen Doncaster nach 61 Minuten ausgewechselt. Sein Weg führte den 22-Jährigen nicht auf die Bank, sondern geradewegs in den Kreißsaal. Pünktlich zur Geburt seines zweiten Sohnes lief er im Fußballdress im Krankenhaus ein. Vorher hatte er bereits zwei Tore zum 3:0-Sieg seines Teams beigesteuert. Ein ganz besonderer Hattrick also.
Biber-Angst: In Schweden ist der Jubel über die geglückte WM-Qualifikation groß. Allerdings gibt es da auch einige, die sorgenvoll auf die Weltmeisterschaft im Juni blicken. Die Einwohner des schwedischen Örtchens Österaker in der Nähe von Stockholm hatten während der zwei Qualifikationsspiele gegen Italien mit Stromausfällen zu kämpfen – die TV-Geräte blieben im Hinspiel und über Teile des Rückspiels schwarz. Der Grund dafür: Biber. Die Nagetiere hatten durch das Fällen von Bäumen die Stromversorgungsstationen lahm gelegt. Der Förster in Österaker soll nun dafür sorgen, dass das Örtchen während der WM keinen erneuten Blackout erlebt.
Nothing Toulouse: Kamel Zaroual radelte im Sommer 1900 Kilometer quer durch Frankreich, um Spenden für benachteiligte Kinder zu sammeln. Als Belohnung für seinen Einsatz erlaubte ihm sein Herzensverein Olympique Marseille im Spiel gegen Toulouse, den Anstoß der Partie auszuführen. Statt sich seiner zugedachten Aufgabe brav zu beugen, schnappte sich der Edelfan den Ball und marschierte durch die Toulouser Abwehr in Richtung Tor. Dass er die Kugel dann auch noch äußerst sehenswert an Toulouse-Keeper Alban Lafont vorbeischob, war die Krönung seines kleinen Gastauftrittes. Der Jubel – natürlich - wie ein waschechter Profi mit dem Trikot über dem Kopf.
Bumerangeffekt: Und dann hätten wir noch ein zweites Tor aus der Kategorie „zu früh gefreut“, das gleichzeitig der kurioseste Elfmeter des Jahres ist. Im Pokalspiel in Thailand zwischen Bangkok Sports Club und Satri Angthong kommt es zum Elfmeterschießen. Ein Spieler von Bangkok trifft nur die Latte, der Ball prallt Richtung Himmel ab. Der Torhüter von Satri Angthong stürmt jubelnd aus dem Strafraum, sein Gegenspieler lässt enttäuscht den Kopf hängen. Aber dank des Bumerangeffektes kommt es ja schon einmal vor, dass sich etwas Erfolgversprechendes ins Gegenteil verkehrt. Und so plumpste der Ball aus den Wolken auf Höhe des Elfmeterpunktes zurück auf den Platz und hüpfte ganz langsam ins Tor. Als wenn das alles nicht schon verrückt genug wäre, war dieser Treffer auch noch das entscheidende 20:19 für Bangkok.
Nackte Motivation: In Norwegens erster Liga greift man schon mal zu ungewöhnlichen Maßnahmen, wenn es gegen den Abstieg geht. Der Trainer des Erstligisten Vålerenga IF hielt seine Kabinenansprache vor der Partie gegen Brann Bergen unbekleidet. Die Botschaft dahinter: Die Spieler sollen ihr letztes Hemd geben. Anschaulicher hätte man das wirklich nicht einfordern können. Hat aber Wirkung gezeigt, sein Team gewann 2:1. Eine Woche später übrigens auch, dann aber ohne nackte Ansprache. Würde sonst auch den Überraschungseffekt verlieren, sagte der Trainer dazu. Natürlich.
Unverwüstlicher Fan: Der Resistencia Sport Club aus Paraguays Hauptstadt Asuncion hat ein ganz besonders treues Mitglied. Mitten auf der Tribüne in dem kleinen Stadion steht ein Baum. Mit bestem Blick aus der ersten Reihe und schattenspendend für die Fans. Anlässlich des 100. Geburtstags des Klubs wurde der Baum in diesem Sommer als offizielles Mitglied im Fan-Klub aufgenommen. Dafür bekam er sogar ein maßgeschneidertes Trikot und einen Vereinsausweis geschenkt. Seit 20 Jahren steht er nun da – so eine Vereinstreue kann dort sicherlich nicht jeder Fan vorweisen.
Besiktas Berlin: Gestatten: Besiktas! Nein, nicht das Topteam aus Istanbul, das schon mal eine Saison ohne Niederlage beendete. Beim kleinen Berliner Namensvetter 1. FC Besiktas aus Spandau herrschen andere Verhältnisse. In der untersten Berliner Spielklasse, der Kreisliga C, hat der Klub die vergangene Saison ohne einen einzigen Sieg beendet, mit 34:180 Toren. Ihre letzte Partie Mitte Juni verloren die Spandauer mit 0:12 – weil sie bei Halbzeit aufgaben. Mit nur acht Spielern waren sie angetreten, zur Pause konnten zwei weitere Akteure nicht mehr. Die Hitze, Gegner Phönix Amed II und überhaupt. „Wir haben trotzdem Spaß“, sagte Spielertrainer Bünyamin Taskaya. In dieser Saison läuft es viel besser: Dreimal hat Besiktas schon gewonnen – in 13 Spielen.
Per Papierflieger ins Wembley-Tor: Den Ruf kennt man eigentlich nur vom Skispringen: Fliiiiiiiiiiieg. Im Oktober hätte er aber auch gut im Wembley-Stadion ertönen können. Ein Fan fand das WM-Qualifikationsspiel zwischen England und Slowenien so öde, dass er sich kurzerhand mit einem Papierflieger die Langeweile vertrieb. Zur großen Freude zahlreicher Zuschauer flog sein gebasteltes Flugobjekt auch noch geradewegs ins Tor – es war übrigens das erste Tor des Abends.
Uebach hoch 11: Das Örtchen Niederndorf im südlichen Nordrhein-Westfalen hat es in diesem Jahr zu gewisser Prominenz gebracht. Zu einem Spiel der Kreisliga D waren Kamera- und Radioteams vorbeigekommen, um die Partie der Spvg. Niederndorf 09 II zu übertragen. Der Grund dafür waren elf Trikots mit dem gleichen Namen. Die Mannschaft hatte sich aus einer Bierlaune heraus überlegt, dass der Kader für das Spiel gegen den 1. FC Littfeld II nur aus Spielern bestehen solle, die den Nachnamen Uebach tragen. „Ein, zwei Uebachs hatten erzählt, dass sie so gern noch einmal mit ihren Söhnen auf dem Platz stehen wollten“, erklärte Trainer Enno Mitrach. Keine große Herausforderung, wenn 37 Menschen mit diesem Namen dem Verein angehören. Und somit bescherten Väter, Brüder, Neffen und Söhne der Spvg. Niederndorf einen 11:3-Sieg. Blöd nur, dass der Sieg nicht gewertet werden konnte, weil zwei Uebachs keine Spielberechtigung hatten. Spaß hat’s trotzdem gemacht.
Flitzer-Tor: Und zum Abschluss kommen wir noch zum kuriosesten Torschützen des Jahres. Ja, der mutige Marseille-Fan war schon nicht schlecht. Noch verrückter war allerdings ein Flitzer beim Spiel zwischen CD Olimpia aus Honduras‘ Hauptstadt Tegucigalpa gegen CD Motagua. In der Nachspielzeit rennt ein Fan auf den Platz und stürmt mit einem zweiten Ball am Fuß in den Strafraum, wo Olimpia beim Stand von 1:2 noch voller Verzweiflung auf den Ausgleich drängt. Während Olimpias Stürmer Roger Rojas den Ball unter die Latte knallt, schiebt auch der Flitzer die Kugel ins Tor. Die Gäste protestieren und fordern, dass der Treffer wegen des Störenfrieds irregulär sei. Da der Schiedsrichter das Spiel jedoch nicht unterbrochen hatte, zählt das Tor am Ende wirklich. Im Spielbericht wird dann allerdings Roger Rojas als Torschütze geführt – der Flitzer ist aber zumindest bei den Anhängern seiner Mannschaft zum Torjäger der Herzen geworden.


